Cloud oder NAS: Für wen lohnt sich was? Cloud-Backup vs. NAS: ein Vergleich

Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Dr. Jürgen Ehneß

Cloud Storage mag aktuell sehr populär sein, aber es gibt viele Anwendungen, für die Network Attached Storage (NAS) die bessere Option ist. Wir helfen Anwendern bei der Entscheidungsfindung.

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Wohin mit den Daten: in die Cloud oder in ein NAS? Welche Speicherlösung ist für wen und für welchen Anwendungsfall besser?
Wohin mit den Daten: in die Cloud oder in ein NAS? Welche Speicherlösung ist für wen und für welchen Anwendungsfall besser?
(Bild: © peshkova - stock.adobe.com)

Die Cloud ist nach bald zwei Jahrzehnten der Entwicklung zum Dreh- und Angelpunkt der der IT geworden. Reflexartig verschieben IT-Verantwortliche mittlerweile Daten aller Art dorthin. Aber die Cloud kann nicht alles; Network Attached Storage (NAS) hat immer noch viele Vorteile. Im Folgenden wollen wir die Vor- und Nachteile der Speicherung On-Premises (vor Ort) vs. Cloud näher beleuchten.

Die Kosten pro Terabyte

Um Sie nicht lange auf die Folter zu spannen, beginnen wir mit der Frage nach den Kosten. Das wird immer als erstes erkundet. Also: Es gibt in der Regel keine Vorabinvestitionen für die Nutzung einer Public Cloud, was gut ist, aber die Betriebskosten wachsen mit den Speicheranforderungen. Ein NAS-Gerät hingegen kostet viel bei der Anschaffung, die laufenden Kosten dagegen sind im Vergleich zum Cloud Storage ein Witz.

Hier ein Anwenderbeispiel dazu: Ein typischer „Gletscher“-Archivspeicher in der Cloud schlägt im groben Schnitt mit 4 Euro pro Terabyte (TB) und Monat zu Buche. Die Gletscher-Speicher zeichnen sich bekanntlich dadurch aus, dass die Zugriffe langsam erfolgen – was schon mal ein Hindernis für so manches Unternehmen darstellen kann. Benötigt man schnellere Zugriffe, steigt der Preis schnell auf über 25 Euro pro TB und Monat an.

Im Vergleich dazu bekommen Unternehmen eine typische NAS-Appliance inklusive Chassis und zwölf 16-TB-Laufwerken (Gesamtkapazität also 192 TB) zu einem Preis von knapp über 12.000 Euro. Unterm Strich fallen also 65 Euro pro TB an. Da es sich um eine einmalige Zahlung handelt, dauert es nur wenige Monate, bis das NAS günstiger als die Cloud wird – vorausgesetzt, die volle Kapazität wird genutzt. Okay, Strom, Kühlung, Wartung und andere laufende Kosten fallen auch noch an, aber im Prinzip wird klar: NAS kann langfristig günstiger kommen als die Cloud.

Sie werden aber bestimmt auch Experten finden, die Ihnen das Gegenteil erzählen. Die letztlichen Kosten eines Ansatzes hängen nämlich von zahlreichen Faktoren ab, einschließlich bestehender Ausrüstung, Service-Level und Größe der Datenmenge inklusive der Häufigkeit von Backups. Hier muss leider der Taschenrechner bemüht werden; irgendetwas muss der CIO ja auch tun.

Flexibilität vs. Kontrolle

Wie gesehen, kann NAS günstiger kommen, macht aber unfrei und weniger flexibel – ein NAS-System haben Anwender schließlich für lange Zeit am Hals, die Angebote der Public Cloud können mehr oder weniger schnell gewechselt werden. Vorausgesetzt, man hat sich nicht im Vendor-Lock-in verheddert.

NAS-basierte Ansätze bieten dafür in der Regel eine größere Kontrolle als Cloud-Archive, einfach weil sie – obwohl als Private Cloud ausgelegt – lokal im hauseigenen Serverraum oder Rechenzentrum stehen. Public-Cloud-basiertes Storage offeriert jedoch in der Regel ebenfalls eine akzeptable Zugriffsflexibilität sowie ein hohes Maß an Kontrolle, wenngleich man wenig oder keine Ahnung hat, wo auf der Welt die beherbergenden Server stehen.

Wo stimmt die Leistung?

In noch einem Bereich gewinnt NAS gegen die Cloud: bei der Leistung. Wer regelmäßig auf viele Daten zugreifen muss, fährt im Hinblick auf Zugriffszeiten und Bandbreite mit einem NAS-Gerät im lokalen Netzwerk in der Regel besser als mit einem Cloud-Angebot. Selbst die schnellste Internetverbindung kann nicht mit dem Durchsatz eines NAS-Geräts über ein 10-Gigabit-Ethernet konkurrieren. Man könnte sagen, die Cloud wird durch die Internetgeschwindigkeit eingebremst. Natürlich ist es möglich, Bandbreite ähnlich wie in einem LAN zu erwerben, damit steigen die Kosten für Cloud Storage aber geradezu ins Astronomische.

Nehmen wir als Beispiel die Videobearbeitung: Obwohl diese in der Cloud gerade boomt und es viele Anwendungen dafür gibt, stellt auch ein NAS-Gerät den Zugriff auf die Videodaten mit lokaler Netzwerkgeschwindigkeit bereit, und zwar ganz so, als ob die Daten in einer Cloud lägen. Die gemeinsame Bearbeitung von Filmaufnahmen erfolgt hier jedoch schneller als in der Public Cloud – das kann für einige Anwender entscheidend sein, denken Sie an die Übertragung von Bundesligaspielen.

Langzeitspeicher und Backups

 

Für Langzeitspeicher und Backups mag dies anders aussehen, weswegen wir hier gezielt darauf eingehen wollen: Sowohl NAS als auch Cloud-basiertes Backup bieten einen soliden Datenschutz. Wenn eine schnellere Sicherung mit dem primären Ziel des Schutzes inkrementeller Änderungen gewünscht wird, dann könnte ein NAS-basierter Ansatz allerdings besser sein. Gerade für vollständige Off-Site-Sicherungen ohne großen Bedarf für die Wiederherstellung von Daten (also vor allem aus rechtlichen Gründen, wenn Unternehmen gezwungen sind, Daten vorzuhalten, sie aber üblicherweise nicht mehr einsehen) dürfte eine Cloud-basierte Lösung den Vorzug bekommen.

Anwender müssen jedoch beachten, dass die Datenberge in Unternehmen rapide wachsen. Sie müssen daher, wenn sie auf NAS setzen, bereit sein, beständig nachzurüsten. In der Cloud lassen sich Kapazitäten einfach hinzubuchen. Es bietet sich daher eine hybride Strategie an: Eingedenk der Tatsache, dass 75 Prozent der Daten in Unternehmen „kalte“ Daten sind, könnten diese in ein vergleichsweise günstiges Cloud-Archiv verschoben, häufig abgefragte Daten dagegen in einem lokalen NAS-System vorgehalten werden. Diese Praxis ist Usus und findet sich in vielen Firmen.

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Die Sicherheit muss gewährleistet sein

Kurz haben wir es schon angesprochen: Bei ordnungsgemäßer Installation und Konfiguration bieten NAS- und Cloud-Backups im Allgemeinen ein gleiches Maß an Datenschutz und -sicherheit, sowohl im Ruhezustand als auch während der Übertragung. Bei der Evaluation von NAS-Technologien sollten nur Speicherprodukte mit selbstverschlüsselndem Festplattenspeicher berücksichtigt werden. So wird sichergestellt, dass beim Entfernen keine Daten von den physischen Datenträgern abgerufen werden können. Die Cloud-Backup-Anbieter andererseits müssen den Einsatz von Verschlüsselungstechnologie garantieren – in jedem Fall sorgt die Verschlüsselung für sichere Daten. Ohne geht gar nicht.

Wie steht es um die Zuverlässigkeit?

Die Zuverlässigkeit wird durch eine ganze Reihe von Faktoren beeinflusst; sowohl ein NAS als auch die Cloud haben hier ihre Vorteile: Unternehmen müssen ihre Daten redundant vorhalten, sonst sind sie im Katastrophenfall futsch – was dann wirklich eine Katastrophe ist, die keine Firma überleben kann. NAS-Lösungen einerseits halten Backups vor Ort und erfordern daher einen zweiten, externen Service, um das Überleben im Katastrophenfall zu gewährleisten. Die meisten Cloud-Anbieter andererseits bieten Service-Level-Agreements (SLA) mit mehr als fünf Neunen an – was bedeutet, dass sie mehrere Kopien der Daten aufbewahren, wodurch die Wahrscheinlichkeit einer Speicherbeschädigung fast ausgeschlossen ist.

Was ist die bessere Lösung? Auch hier müssen die Verantwortlichen von Fall zu Fall entscheiden. Klar ist, dass bei einer lokalen Katastrophe eine Cloud-Lösung fast sofort an jedem Ort mit einer Internetverbindung verfügbar ist. NAS-Systeme, die beispielsweise durch Feuer beschädigt wurden, sind dagegen schwer wiederherzustellen und ziemlich sicher nicht schnell, auch wenn sie redundant gehalten wurden.

Fazit

Bei der Bewertung, ob ein NAS- oder ein Cloud-basierter Storage-Ansatz verfolgt werden soll, ist es wichtig, RPOs und RTOs abzuwägen und mehrere Anbieter eingehend zu untersuchen. Es gibt Vor- und Nachteile für jede Option, basierend auf den allgemeinen Datenschutzplänen und Geschäftsanforderungen einer Organisation. Obwohl Cloud Storage viel Flexibilität und allgegenwärtigen Zugriff bieten kann, ist sie nicht die perfekte Lösung für jedes Szenario. Eine Cloud-Lösung offeriert – wie gesehen – möglicherweise nicht die erforderliche lokale Leistung für die Zusammenarbeit bei der Videoproduktion. Eine Lösung aus der Cloud gewährt dagegen mehr Freiheit und Flexibilität.

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Über den Autor

Dr. Dietmar Müller

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Journalist