Detailgeladene Strategietage plus umfassender Storage-Updates

IBM erweitert Spectrum

| Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Tina Billo

Scale ist Teil der IBM Spectrum Storage Suite. Fähigkeiten wie Policy-basiertes Tiering sollen Kosten und Aufwand bei der Datenhaltung senken.
Scale ist Teil der IBM Spectrum Storage Suite. Fähigkeiten wie Policy-basiertes Tiering sollen Kosten und Aufwand bei der Datenhaltung senken. (Bild: IBM/ YouTube)

Seit Jahreswechsel ist IBM Spectrum Scale 5 zu haben. Im Rahmen von Workshops erläuterte der Hersteller jetzt die technischen Hintergründe und Neuerungen der Lösung für Software-Defined Storage. Flankierend hierzu kündigte IBM weitere Ergänzungen seines Storage-Portfolios an.

Einen ausgesprochen weiten Themenbogen spannte IBM auf den Spectrum Scale Strategy Days 2018 in Ehningen. Direkt vor den zwei Expertentagen holte der Anbieter dabei am 27. Februar auch Einsteiger thematisch ab und brachte diesen den hinter dem Angebot für Software-Defined Storage (SDS) stehenden Konzepte näher. Die Wurzeln des Cluster-Dateisystem reichen bis zum Juni 1996 zurück. Über eine Testinstallation verteilten seinerzeit "Tiger Shark Server" für die Tokioter Stadtregierung gleichzeitig Videos an bis zu 100 Teilnehmer.

Von damals zu heute

Das seinerzeit hierfür genutzte POSIX-konforme General Parallel File-System (GPFS) wurde mittlerweile in Spectrum Scale umbenannt und taugt mittlerweile für weitaus mehr Use Cases als die damaligen Multimedia-Anwendungen.

So skizzierte der als "Salesleader Scale Out NAS Lösungen" für IBM tätige Götz Mensel verschiedenste Anwendungsfelder, die von lokalem hochperformanten und geteiltem Speicher über High-Performance-Anwendungen im wissenschaftlichen Umfeld bis hin zu Analytics-Architekturen mit Hadoop reichen. Noch tiefer in die Materie ging es dann an den darauffolgenden Expertentagen.

Aus der Praxis gewonnene Tipps

IBM Software Supporter Achim Rehor plauderte in seiner Präsentation aus dem Nähkästchen und berichtete über konkrete Erfahrungen aus Kundenprojekten. Exemplarisch wurde dabei der Umzug des Enhanced Customer Data Repository (ECuRep) auf Elastic Storage Server (ESS) vorgestellt. Um den Forderungen der DSGVO zu entsprechen; weil persönliche Daten in Snaps (Filenames, Hostnames, Memory Dumps) nicht ausgeschlossen werden können, seien keine Kopien auf US-Servern mehr erlaubt und Secure Uploads zu ECuRep verpflichtend.

Neben dem konkreten Vorgehen bei diesem Projekt präsentierte Rehor nicht nur eine Art Hitliste der am häufigsten gestellten Support-Anfragen, sondern auch Lösungen. Beispiel: Startet Spectrum Scale nicht mehr, könnte der Grund in einem OS-Update liegen, bei dem der Portability Layer nicht neu gebaut wurde (mmbuildgpl). Zudem lieferte der Experte eine handvoll hilfreicher Kommandos, Recovery-Schritte und gern vergessener Optimierungsmaßnahmen.

Konkrete Anwendungsbeispiele

Auch zahlreiche mustergültige Anwendungsfälle präsentierte IBM auf den Spectrum Scale Strategy Days. So schilderten die Experten von Rohde & Schwarz wie ein per Softwareschicht erweitertes Spectrum Scale vor finanziellen Einbußen bei Fernsehübertragungen schützen kann.

Gerade bei sportlichen Großveranstaltungen sind Werbeminuten zu wertvoll, um durch technische Defekte riskiert zu werden. Ein 30-Sekunden-Spot während eines Formel-1-Rennens am Sonntagabend kostet um die 150.000 Euro, überschlugen die Referenten und brandmarkten sogleich die Schwachstellen klassischer High Available Storage Solutions. Die blockierten während des Failovers alle I/O-Operationen. Dauert der Wiederherstellungsprozess länger als zuvor gepuffertes Material, bleibt der Fernsehbildschirm irgendwann schwarz.

Rohde & Schwarz nutzt auf eigenen SpycerBox-Speichersystemen daher nicht nur IBMs Dateisystemlösung Spectrum Scale. Mit Virtual Storage Access (VSA) habe man überdies ein zusätzliches Softwarelayer aufgesetzt, um unterbrechungsfreie Fernsehübertragungen zu gewährleisten. Dabei werden zwei voneinander unabhängige Cluster für Anwendungen als ein System dargestellt.

Das zum KIT (Karlsruher Institut für Technologie) gehörende Steinbuch Center for Computing (SCC) berichtete derweil über ein seit 2017 produktiv genutztes Speichersystem mit einer Gesamtkapazität von 23 Petabyte. Dank Spectrum Scale (4.2) Software Defined Storage könne man die Systeme besser skalieren und verwalten sowie an verschiedene Nutzungsszenarien anpassen.

Spectrum Scale 5.0.0 im Detail

Mit Spectrum Scale 5.0 ist nun bereits das nächste große Release der Lösung verfügbar, die laut IBM das komplette Enterprise-Storage-Portfolio inklusive Flash, Disk, Tape, lokaler Systeme und der Cloud abdeckt. Mit der aktuellen Version verspricht der Hersteller Erweiterungen in Sachen Performance, eine leichtere Administration sowie Anpassungen hinsichtlich der Leistung neuer Storage-Hardware.

Die Einstellung verschiedener kritischer Systemparameter erledige Spectrum Scale dabei automatisiert und liefere so eine optimale Feinabstimmung für unterschiedliche Anwendungsszenarien. Wenngleich IBM hiermit eine einfache Einrichtung sowie verbesserte Leistungswerte verspricht, dürfen erfahrene Anwender weiterhin selbst Hand anlegen und die vorgeschlagenen Einstellungen überschreiben.

Die Teilnehmer der Workshops in Ehningen konnten sich in verschiedenen Sessions noch eingehender mit den Besonderheiten der aktuellen Version auseinandersetzen. Zum Einstieg beantwortete Mathias Dietz von IBM Research and Development die Frage "What's new in 5.0.0" bereits mit einer ausgesprochenen Tiefe. Das beinhaltete neben den Vorzügen der Lösung auch schlichten Feststellungen, zum Beispiel, dass man ein neues Lizenzmodell anbiete und der Support für RHEL6, SLES11, Ubuntu 14.04 und Debian ausgelaufen sei.

Weiterentwicklungen

Beim Thema Skalierung und Leistung ging Dietz derweil auf gesteigerte Platzeffizienz und Performance für kleinere Dateien ein. So seien nun über 32 Sub-Blocks pro Block (ab 512 KByte) möglich.

Um aktuelle Workloads besser abzubilden erhöht IBM die als Default vorgegebene Blockgröße von 256 KByte auf vier MByte. Kleine Dateien sollen über eine variable Sub-Block-Größe besser unterstützt werden. In einer Pressemitteilung bestätigte IBM bereits im Vorjahr, dass man mit Version 5.0.0 eine verbesserte Performance für kleine und große Blöcke darstellen könne als mit den Vorgängern.

Auch Erweiterungen für den Remote Direct Memory Access sollen die Leistung des Dateisystems weiter steigern. IBM spricht von einem neu implementierten Protokoll, das Latenzen reduziert, weil es Daten nun direkt zum Serverspeicher schickt und die bisherigen Kommunikationswege vereinfacht.

Per File Audit Logging können zudem Events auf Ebene des Dateisystems erfasst werden, darunter Open, Close, Destroy (Delete), Rename, Unlink, Remove Directory, Extended Attributed Chance und ACL change. Die Daten werden dabei in einem JSON-formatierten String geloggt, der geparst werden kann.

Informationen auf Abruf im Netz

Des Weiteren präsentierte Dietz unter anderem Aktualisierungen beim Monitoring, den Nutzerschnittstelle (GUI) und REST-APIs sowie Details zu unterstützten Protokollen.

Wer sich eingehender mit der Thematik beschäftigen mag, kann online auf die Dokumentation zu IBM Spectrum Scale 5.0.0 zugreifen. Auch die zahlreiche Vortragsfolien der Spectrum Scale Strategy Days 2018 hat IBM ins Netz gestellt.

Speicherportfolio ergänzt

Überdies hatte IBM bereits im Vorfeld der Spectrum Scale Days sein Speicherportfolio ergänzt und weitere Komponenten angekündigt. Schwerpunkte legt der Hersteller dabei nach eigenem Bekunden auf Backup und Restore mit Ransomware-Erkennung und DSGVO, unstrukturierte Daten und die Zukunft von Flash-Technologie. Unter anderem wurden dabei folgende Lösungen vorgestellt.

  • Spectrum NAS ist ein neues SDS-basiertes NAS-System, dass die IBM Spectrum Software Defined Storage Familie erweitert. Das System läuft auf Standard x86-Servern – wahlweise direkt (Bare-Metal) oder in einer virtuellen Umgebung (VM). IBM bewirbt die Lösung insbesondere mit einem einfachen Betrieb sowie den nativ unterstützten Protokollen SMB und NFS.
  • Mit Spectrum Protect 8.1.5 verspricht der Hersteller derweil Sichtbarkeit und verbesserte Datenkontrolle. Mit Blick auf die DSGVO unterstützt die Lösung Metadaten und Datenfelder individueller Daten für die "GDPR Compliance Richtlinien" (GDPR = General Data Protection Regulation). Eine Ransomware Detection trackt automatisch Datenveränderungen, die typischerweise beim Verschlüsseln von Daten durch erpresserische Schadsoftware auftreten.
  • Spectrum Protect Plus liefert schließlich Erweiterungen für Cloning und Replication im VMware Umfeld (vSnap Repositories). Unterstützt werden MS SQl und Oracle, RESTful API für Workflow Automatisierung. In der IBM Cloud wird Spectrum Protect Plus als Backup-as-Service für VMware angeboten.

NVMe-oF (over Fabric) kommt

Schließlich kündigte IBM auf Updates seiner Storage-Systeme angesprochen an, das Potenzial von NVMe über Fabrics schrittweise erschließen zu wollen. Noch in diesem Jahr sollen entsprechende Funktionen verfügbar sein, Bestandsgeräte könnten per Upgrade nachgerüstet werden.

Die jetzige Ankündigung umfasst dabei IBM FS900-AE3: FC-NVMe, IBM A9000: FC-NVMe und IBM S.Virtualize: FC-NVMe und NVMe-oE (25 Gbit/s EN) für V9000, V7000 und SVC.

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