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Neue Cloud-Marke Ionos baut europäischen Hyperscaler auf

Ionos, Europas größter Hosting-Anbieter, will mit der noch jungen Marke Ionos Cloud eine eigenständige Alternative zu den US-Cloud-Angeboten etablieren. Im Zuge dessen werden der Vertrieb und die Zusammenarbeit mit Partnern ausgebaut.

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Ionos Cloud will seine Plattform als die europäische Alternative zu den US-Hyperscalern aufbauen.
Ionos Cloud will seine Plattform als die europäische Alternative zu den US-Hyperscalern aufbauen.
(Bild: © peshkov - stock.adobe.com)

Ionos Cloud ist seit Mitte Mai der eigenständige Brand für das professionelle Cloud-Geschäft des Hosting-Providers Ionos. Bei der neuen Marke liegt der Fokus klar auf Infrastructure-as-a-Service (IaaS), wozu Angebote wie Compute Engine, Managed Kubernetes, S3 Object Storage und eine Private Cloud powered by VMware gehören.

Christian Böing, stellvertretender CEO bei Ionos, verantwortet die neue Cloud-Marke.
Christian Böing, stellvertretender CEO bei Ionos, verantwortet die neue Cloud-Marke.
(Bild: Ionos)

Domains, Websites und Server werden weiterhin unter Ionos.de vermarktet. Für Marketing und Vertrieb von Ionos Cloud zeichnet Christian Böing, stellvertretender Vorstandsvorsitzender von Ionos, verantwortlich. Der Grund, warum der Anbieter das Cloud-Geschäft mit dem neuen Brand vom Massen-Hosting emanzipiert, sind dem Manager zufolge die unterschiedlichen Zielgruppen und Produkte. Er vergleiche das Konstrukt gern mit Amazon und Amazon Web Services (AWS), sagt er. „Amazon steht über allem und AWS für das Cloud-Geschäft. Bezüglich der Markenarchitektur möchten wir das genauso aufbauen.“

Cloud-Geschäft braucht Fokus

Damit er sich voll und ganz auf das Cloud-Geschäft konzentrieren kann, ist Böing als Chief Sales & Marketing Officer nurmehr zuständig für die Themen IaaS, Managed Hosting und Managed Cloud, die unter Ionos Cloud gebündelt werden. „Das Cloud-Geschäft braucht einen Fokus, aber auch eine Person, einen Vorstand, der sich dafür verantwortlich fühlt und der auch die Zeit dafür hat, mit gewonnenen Partnern individuell über einzelne Projekte zu sprechen." Um das Massengeschäft mit Domains, Webspace und Co. kümmert sich nun sein Vorstandskollege Arthur Mai, Chief Marketing Officer bei Ionos.

Für professionelle Cloud-Kunden bedeutet die neue Markenarchitektur, dass sie alle Angebote auf der bereits Anfang des Jahres gelaunchten Domain Ionos.cloud finden. Dorthin gelangt man zwar auch von Ionos.de. „Letztendlich ist es aber unser Ziel, dass die Cloud-Kunden sich in einem anderen Bereich befinden. Und unsere Reseller und Systemhauspartner, die wir im Channel aufbauen, erwarten natürlich, dass sie sich dort registrieren können und Zugriff auf das Partnerprogramm sowie den für sie speziellen Support haben“, erläutert der Manager. Die neue Marke soll für sich allein stehen können, und daher haben Kunden die Möglichkeit, sich direkt auf www.ionos.cloud zu begeben, ohne den Umweg über Ionos.de gehen zu müssen.

Führende Plattform

Mit mehr als acht Millionen Kundenverträgen ist Ionos laut eigenen Angaben der führende europäische und weltweit zweitgrößte Hosting-Provider. Die konsequente Fokussierung auf Cloud soll sich für das Unternehmen längerfristig auch im Kerngeschäft auszahlen. „Aktuell bieten wir unsere Ionos Cloud Platform schwerpunktmäßig unseren Kunden, also Externen, an. Wir arbeiten aber auch daran, dass sie unsere führende Plattform wird, auf der wir unsere eigenen Produkte bauen“, führt Böing aus. Ionos werde so für Ionos Cloud zu einem Kunden, der intern einen sehr heterogenen Bedarf mitbringe.

Daran werde wiederum die Cloud-Plattform wachsen. Denn je mehr man sie nutze, desto effizienter werde sie. So gebe es im Hosting-Geschäft viele unterschiedliche Anforderungen an eine IT-Infrastruktur, die „ein Paradebeispiel für die Anforderungen sind, wie sie auch unsere externen Kunden haben“. Darin liege der große Vorteil dieser Konstellation: „Unsere interne Heterogenität an Plattformen ist ein toller Treiber für den Ausbau unserer Cloud-Plattform.“ Und den Raum dafür gibt es in zehn Rechenzentren in Europa und den USA: „Alle Rechenzentren, die wir in der Ionos-Gruppe haben, inklusive des Strato-Rechenzentrums, stehen uns zur Verfügung, um unsere Cloud-Infrastruktur dort aufzubauen.“

Ausbau des Vertriebs

Ionos Cloud verzeichnet laut Böing bereits jetzt Erfolge bei der Markterschließung. Während es im Cloud-Geschäft zunächst einen Einheitsvertrieb gab, wird die Sales-Organisation nun nach Segmenten aufgegliedert: Für A- und B-Kunden, die ihre Cloud-Infrastruktur und Multi-Cloud-Anwendungen selbst betreiben, stehen dedizierte Teams in Deutschland und in UK zur Verfügung, die große Projekte mit Kunden vor Ort umsetzen. Die Unternehmen werden durch Fieldsales betreut und von Professional Services beraten. C-Kunden erhalten rund um die Uhr eine telefonische Betreuung durch feste Ansprechpartner.

Der Channel ist für den Cloud-Provider ein weiterer Zugang zum Markt, über den er seine Kundenbasis erweitern möchte. Dabei arbeitet Ionos Cloud sowohl direkt mit großen Systemhäusern als auch mit der Distribution zusammen. Das zweistufige Modell ist für Böing vor allem sinnvoll, um kleine und mittelgroße Partner zu gewinnen: „Distribution ist immer dann die richtige Vertriebswahl, wenn man kleinere Systemhäuser anspricht, die aufgrund ihrer Größe gar nicht mit jedem Hersteller in ein individuelles Vertragsgeschäft gehen können. Sie brauchen die Distribution, um Zugang zu allen Ressourcen zu bekommen.“

Das Ionos-Service-Erlebnis

Laut Böing sei es nicht das Ziel, weltweit Kunden zu akquirieren, für die der passende Support nicht gewährleistet werden kann. Die Strategie sei es, den Ausbau Land für Land voranzutreiben: „Wir sehen unseren Vorteil in der Kundennähe und in der Eins-zu-eins-Betreuung durch Vertrieb und Cloud Consultants. Das heißt, wir haben einen Mindestanspruch an Service und Präsenz vor Ort wie auch telefonisch. Unser Ziel ist es nicht, überall einfach nur präsent zu sein, sondern auch die personelle Struktur dahinter aufbauen. Wir möchten ein durchgängig perfektes Service-Erlebnis für den Kunden gewährleisten.“

Böing verrät außerdem, dass Ionos Cloud bereits nach und nach Verträge mit großen deutschen Systemhäusern schließt, zum Beispiel mit Bechtle und Dataport. Auch hier sieht er klare Vorteile: „Die meisten Unternehmen arbeiten mit einem Systemhaus zusammen. Die Systemhäuser bieten einen einzigartigen Vorteil, weil sie die IT-Infrastruktur und -Bedarfe ihrer Kunden sehr genau kennen und Rat gebend mit ihnen agieren. Es kann und wird nicht unser Anspruch sein, mit den Systemhäusern in Konkurrenz zu gehen. Ganz im Gegenteil sogar: Wir sehen sehr große Mehrwerte, wenn unser Business indirekt verkauft wird, weil dann der entsprechende Service geboten ist.“ Dennoch gilt für Böing auch hier ganz klar, dass es Verträge mit dem Channel nur gibt, wenn die entsprechenden Ressourcen im Hintergrund aufgebaut sind, also Vertrieb, Cloud Consultants und Hardware.

Für das Partnergeschäft bei Ionos zeichnet Claudio Serrano seit November 2019 als Head of Field Sales und Channel Sales verantwortlich. Serrano war bis dahin achteinhalb Jahre beim Hersteller HPE tätig, unter anderem als Partner General Manager. Zuvor arbeitete er beim Systemhaus Cancom, bei dem er für Managed Services zuständig war.

Differenzierung zu Hyperscalern und Mitbewerbern

Weiterer Pluspunkt von Ionos Cloud sei die Nutzerfreundlichkeit der Plattform, die mit grafischen Tools eine intuitive Bedienung ermögliche. Dagegen ist es nicht Anspruch von Ionos Cloud, wie Böing betont, „die Breite der Dienste, die unsere Mitbewerber haben, nachzuahmen“. Im Kern des Cloud- und IaaS-Geschäfts sei der Anbieter aber durchaus in der Lage, „eine hoch performante Plattform zur Verfügung zu stellen. Und das zu einem sehr, sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Das ist unser starker USP. Wir wollen für Basis-Anwendungen eine hoch performante und gleichzeitig kostengünstige Alternative anbieten.“

Der stellvertretende CEO betont außerdem, dass Ionos Cloud mit seinen Kunden extrem fair umgeht: „Es gibt keinerlei Vendor Lock-in, und wir nutzen Open Source.“ Der Kunde könne Workloads in die Cloud bringen und virtuelle Maschinen jederzeit wieder abschalten, und zwar ohne Probleme, seine Daten wieder herauszubekommen. Zur Fairness gehört für Böing auch ein einfaches, transparentes Pricing. „Unsere Kunden verstehen zu jeder Zeit und mit jeder Abrechnung ganz genau, was sie erwartet und wofür sie zahlen.“ Nicht zuletzt weist er darauf hin, dass Ionos ein europäisches Unternehmen ist und damit nicht dem US-amerikanischen Recht unterliege: „Sensible Daten haben in einer US-Cloud nichts zu suchen. Deswegen sehen wir uns als die europäische Cloud-Alternative.“

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Über den Autor

 Melanie Staudacher

Melanie Staudacher

Volontärin, Vogel IT-Medien GmbH