Womit sich Startups heute beschäftigen, Teil 16

Kaminario will seine All-Flash-Plattform mit Software allzwecktauglich machen

| Autor / Redakteur: Hartmut Wiehr / Rainer Graefen

Die Elemente der K2-Plattform
Die Elemente der K2-Plattform (Bild: Kaminario)

Auf der Veranstaltung „Technology Live!“ der englischen Agentur A3 präsentierte sich am 29. Juni das 2008 gegründete israelisch-amerikanische Start-up Kaminario mit einer paradoxen Aussage: Mit „K2“ stelle man zwar ein All-Flash-Array, also ein Hardware-Produkt, her, man sei aber „eine Software-Company“. Ein wenig antiquiert wirkt allerdings die Fibre-Channel-Anbindung.

Mit der company-eigenen Software „VisionOS“ ist man laut Tim O’Neill, CTO International bei Kaminario, in der Lage, „verschiedene Versionen von Hardware miteinander zu verbinden“, was im Resultat „eine software-definierte Architektur“ von K2s All-Flash-Plattform ergebe.

Mit dieser Argumentation liegt der Hersteller voll im Trend, dass heutzutage alles in der IT durch Software charakterisiert sein soll – und nicht mehr durch die jeweiligen klassischen "harten" Ingredienzien.

Allround-System für Preisbewusste

Kaminario nimmt für sich in Anspruch, die Kunden mit „K2 Gen6“ für die nächste Generation von Storage-Anforderungen auszurüsten. Dabei unterscheidet der Hersteller zwischen drei Phasen von All-Flash-Arrays:

  • AFA 1.0 war für proprietären SLC-Flash ohne Skalierungsmöglichkeiten geeignet. Es war ein Nischenprodukt, um die Performance einzelner Anwendungen zu steigern.
  • AFA 2.0 ist eine Scale-out- oder Scale-up-Lösung mit integrierter Datenreduktion, die nur auf ein Marktsegment abzielt.
  • AFA 3.0 ist für Scale-out und Scale-up und gemischte Workload-Performance geeignet und soll besonders kosteneffizient arbeiten – sich also von einigen Nachteilen der ersten und zweiten AFA-Generation emanzipieren.

AFA 3.0 lässt auch das interne Rechenzentrum der Unternehmen hinter sich und soll die Storage-Grundlage für Cloud-Architekturen liefern.

Mit seiner Scale-up- und Scale-out-Architektur der K2 will Kaminario die beiden Seiten von Skalierung abdecken: Kapazität und Performance. Die K2 kann die Anzahl an CPU-Cores linear erhöhen, indem K-Blöcke hinzugefügt werden, was der Performance zugutekommt. Unabhängig davon kann die Kapazität durch das Hinzufügen von SSD-Laufwerken anwachsen, womit die Schranken bestehender eng gefasster Architekturen durchbrochen werden, die nicht in der Lage sind, Scale-out umzusetzen oder die Vorteile von wirklich geteilten Metadaten zu nutzen.

Strukturierter Plattformausbau

Die 6. Generation soll vor allem für Cloud-Anwendungen geeignet sein und verwendet zur Steigerung der Geschwindigkeit Adapter für 16 GBit Fibre Channel, die komplett auf 32 GBit aufgerüstet werden können. K2 Gen6 kann bis zu mehreren Petabytes an Shared Flash Storage skalieren, einschließlich aller Array-Komponenten und unter einer gemeinsamen Management-Oberfläche.

Momentan bietet Kaminario folgende Tools an:

  • Für DataShrink: Deduplication, Compression, Thin Provisioning.
  • Für DataProtect: Snapshots & Replication, K-RAID, Encryption
  • DataManage: Gemeinsame GUI, CLI und programmierbare RESTful API.
  • DataConnect: Anbindung an VMware vSphere, Microsoft VSS, Cisco UCS Director, OpenStack Cinder

Zusätzlich verfügt K2 über die Integration von besonderen Anwendungsfällen, wie zum Beispiel:

  • RDBMS (Oracle und SQL Server; OLTP und OLAP Workloads)
  • Virtuelle Umgebungen (VMware ESXi, Microsoft HyperV und Citrix XenServer)
  • NoSQL (zum Beispiel MongoDB oder Cassandra)
  • Private Cloud (zum Beispiel OpenStack)
  • Container-Plattformen für Applikationen (zum Beispiel eigenes Plug-in Flocker für Docker)

Dem Begriff nach fügt Kaminario seinen Flash-Arrays immer mehr Funktionen und Business-Schnittstellen hinzu, womit man vor allem auf dem deutschen Markt punkten will. Bei Funktionsumfang und Perfmormance zieht Kaminario damit an klassischen Disk-Arrays und ihren Leistungen vorbei. Doch in der All-Flash-Array-Konkurrenz bleibt man vorerst ein Mitläufer.

Gartner kritisiert die zu kleine Kundenbasis

Die Analysten von Gartner haben Kaminario bereits im August 2016 in ihren Report „Magic Quadrant for Solid-State Arrays“ aufgenommen und einen prominenten Platz in ihrem Magic Quadrant gegeben (siehe Abbildung). Sie kommen zu dem Urteil: „Der Hersteller hat den Umgang mit seinem Produkt erleichtert, indem er seine Plattform durch asynchrone Replikation und Analytics ergänzt hat.

Außerdem hat er das Ökosystem rund um sein Produkt erweitert. Kaminario muss jedoch weiter an seiner Marktposition arbeiten, die im Vergleich zu seinen Konkurrenten weniger sichtbar ist. Insbesondere ist es dem Unternehmen nicht gelungen, bei den ganz großen Kunden Storage Arrays anderer Hersteller zu verdrängen.“

Um mehr Kunden zu gewinnen, hat Kaminario mit „ForeSight“ ein umfangreiches Programm von Garantien für potentielle Kunden vorgelegt, die von Kapazität und Performance bis zu Verfügbarkeit, Skalierbarkeit, Betrieb und „zugesicherter SSD-Lebenszeit“ reichen.

Vorsichtige Entwicklung geplant

Kaminario gehört zu jenen Start-ups, die aus dem Umkreis des israelischen Militärs und seiner umfangreichen IT-Investitionen hervorgegangen sind. Bei einem Besuch im Norden Israels im November 2016 berichtete uns der Gründer und CEO Dani Golan von seiner Vergangenheit als Kampfpilot und wie er Kaminario mit ein paar Mitarbeitern und einem winzigen Büro nach vorne gebracht hat.

Golan arbeitete 2001 mit Moshe Yanai zusammen, dem späteren Gründer von XIV, als dieser bei EMC die Entwicklung des Flaggschiff-Produkts Symmetrix verantwortete. Heute hat Kaminario etwa 250 Mitarbeiter, das Hauptquartier nach Boston verlegt, während Forschung und Entwicklung in Israel verbleiben, und verfügt über insgesamt 218 Millionen Dollar an Funding-Geldern (u.a. von Sequoia und Seagate), mit denen man laut Golan „sehr sparsam“ umgehen will.

Realistisch gab man sich in London bei den zu erwartenden Performance-Steigerungen durch NVMe. Diese würden nicht sofort eintreten, sondern wahrscheinlich erst mit neuen Generationen von SSDs, vor allem mit 3D-Xpoint SSDs oder PCIe x4 Gen3.

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