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Gespräch mit Christoph Linden, Field Technical Director bei Cohesity KI macht Daten sicherer – und günstiger

Von Dr. Dietmar Müller 8 min Lesedauer

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Mit der Lösungsplattform von Cohesity sollen Unternehmen ihre Daten in firmeninternen, Cloud- und Edge-Umgebungen sichern und verwalten können. Christoph Linden, bei Cohesity als Field Technical Director tätig, erläutert den Einfluss der KI auf das Datenmanagement, und wie neue Allianzen den Anwendern zugutekommen können.

Mit seiner Data-Management-Plattform will Cohesity alle Datensilos im Unternehmen zusammenführen. Der Einsatz künstlicher Intelligenz soll die Plattform nun noch flexibler und effektiver machen.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Mit seiner Data-Management-Plattform will Cohesity alle Datensilos im Unternehmen zusammenführen. Der Einsatz künstlicher Intelligenz soll die Plattform nun noch flexibler und effektiver machen.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Cohesity offeriert eine Data-Management-Plattform, auf der Firmen die Daten all ihrer verschiedenen Datensilos zusammenführen können. Es handelt sich im Wesentlichen um ein hyperkonvergentes Filesystem, berichtet Christoph Linden, Field Technical Director bei Cohesity. Zu den typischen Anwendungsfällen zählt er allen voran Backup & Disaster Recovery: „Die Plattform generiert Kopien der Produktion als Snapshots und untersucht mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI), ob der Backup-Prozess Hinweise für mögliche Angriffe liefert. Löst die KI aus, wird ein Alarm an übergelagerte Security-Information-Management-Systeme weitergegeben, um einen möglichen Ransomware-Angriff frühzeitig einzudämmen“, so Linden. Die Snapshot-Daten würden auf Immutable Storage abgelegt, um sie vor Attacken zu schützen.

„Daneben indizieren wir die Daten gleich und können anhand der Metadaten kluges Storage-Tiering und Archiving auslösen, um Daten mit geringem Zugriff beispielsweise gleich in ein AWS-Storage oder -Glacier zu migrieren.“ Außerdem könnten Kunden redundante Daten schnell aufspüren oder das Datenvolumen dank integrierter Deduplizierung und Kompression signifikant reduzieren.

Zudem habe Cohesity mit „Fort Knox“ einen Cybervault in den AWS- und bald Azure-Clouds geschaffen. Firmen könnten dorthin ihre dritte Datenkopie per Air-Gap geschützt auslagern, und zwar über dieselbe Konsole gesteuert.

„Der Kunde kann entscheiden, ob er die Plattform klassisch selbst betreibt, als Managed Service über einen Provider oder von Cohesity gemanaged betreiben will. Die Scale-Out-Architektur beherrscht alle typischen Topologien von On-Premises über Private bis hin zur Public Cloud.“

KI als Gamechanger

Kürzlich teilte das Unternehmen auf seiner Cohesity-Catalyst-Konferenz eine erweiterte Partnerschaft mit Google Cloud mit. Für Linden ein Meilenstein: „KI wird die Art und Weise, wie wir Daten managen und sichern, grundlegend verändern. Wir werden den Kunden dabei helfen, KI nach ihren Regeln gesetzeskonform zu nutzen und so auf den Zug aufzuspringen, ohne die Kontrolle über die eigenen Daten zu verlieren.“

Diese Funktionen würden aktuell gemeinsam mit Google, Microsoft und anderen entwickelt und in die Plattform integrieren. Von großem Vorteil sei dabei, dass die Plattform als hyperkonvergentes Filesystem konzipiert sei; neue Services ließen sich so leicht ausrollen. „Indizieren und Sammeln von Metadaten haben wir immer schon gemacht. Wir erweitern diese Optionen nun um Retrieval-Augmented-Generation-Modelle (RAG), um noch mehr Wissen aus den Daten zu gewinnen“, so Linden. „Wir sind überzeugt, dass RAG-Technologien Kunden massiv dabei helfen werden, Daten in Petabyte-Volumen zu untersuchen und auszuwerten. Cohesity hat in diesem Bereich Patente angemeldet.“

Darüber hinaus bietet „Cohesity Turing“ eine Sammlung von KI-Technologien für Datensicherheit und -management. Kunden könnten damit KI-gestützt aktuell vier Szenarien umsetzen:

Um Infektionen durch Ransomware möglichst frühzeitig zu erkennen, werden die zwei Verfahren „Advanced Modelling“ und „Data Entropy Detection“ kombiniert. Diese suchen nach Anomalien in bereits erfassten Daten. Auf Basis dieser Analyse können Kunden Indizien und mögliche erste Einbruchsspuren bei gesicherten Daten aufspüren – und so laufende Attacken erkennen oder den Einbruchsweg erfolgreicher Versuche schneller nachzeichnen.

Im zweiten Szenario „Threat Intelligence“ werden bereits kuratierte und gemanagte Feeds über aktuelle Bedrohungen geliefert. Diese werden von Machine-Learning-Modellen überarbeitet. Der Vorteil: Diese Algorithmen haben im Lauf der Zeit bereits Millionen von Samples untersucht und darin korrekt Bedrohungen erkannt, so dass Firmen besser und vor allem richtig informiert werden.

Im dritten Szenario geht es darum, wichtige Daten und ihren Speicherort genau zu identifizieren. „Und last, but not least hilft Cohesity im vierten Szenario Kunden bei der Kapazitätsplanung ihrer Speicher. Diese Funktion schlägt Kunden ML-gestützt vor, wie sie ihre aktuellen und künftigen SLAs einhalten können – inklusive Prognosen zu künftiger Auslastung und Fallsimulationen“, so der Field Technical Director.

Im Rahmen von Turing arbeite Cohesity zudem daran, Abfragen und Antworten in natürlicher Sprache zu ermöglichen. Wie in ChatGPT könnten dann die Anfrage detailliert oder die Ergebnisse mit zusätzlichen Nachweisen aus den Echtdaten angereichter werden. „So können zum Beispiel Rechtsabteilungen in einer für sie deutlich angenehmeren Form Daten direkt auf der DataPlatform analysieren und Erkenntnisse gewinnen“, so Linden. „Wir arbeiten hier mit den verschiedenen Partnern und deren entsprechenden Technologien zusammen. So wird etwa die Microsoft-eigene Technologie verwendet, aber auch andere wesentliche Technologien im Markt. Cohesity wird auch hier mit weiteren wegweisenden Technologieanbietern zusammenarbeiten und sich entsprechend am Marktgeschehen anpassen.“

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Data Security Alliance nimmt Fahrt auf

Auf der Catalyst-Konferenz hat Cohesity darüber hinaus mit den Anbietern Netskope, ServiceNow und Zscaler drei neue Mitglieder der erst im November 2022 gegründeten Data Security Alliance vorgestellt. Zudem wurden neue technische Integrationen mit CrowdStrike, ServiceNow und Tenable präsentiert. Denn nur gemeinsam sei der Kampf gegen die zunehmenden Cyber-Attacken zu gewinnen: „Wir müssen alle an einem Strang ziehen. Es braucht ein Dorf, um die bösen Akteure zu bekämpfen. Von dieser Grundidee getrieben, greifen nun mehr als 12 Schwergewichte aus der Security-Industrie entweder direkt auf die KI-basierte Anomalie-Erkennung von Cohesity zu, um frühzeitig Erkenntnisse über einen möglichen Angriff zu gewinnen sowie die Reaktion und Wiederherstellung zu beschleunigen. Oder sie nutzen die APIs von Cohesity, damit ihre Lösungen direkt mit der Datensicherheits- und Management-Plattform von Cohesity interagieren.“

Diese Interaktion variiert allerdings von Partner zu Partner: Crowdstrike nutze beispielsweise die APIs, so dass gemeinsame Kunden nun direkt innerhalb der CrowdStrike-Falcon-Plattform Angriffsalarme auswerten könnten. „Sie können die Meldungen von Cohesity einsehen, mit anderen Ereignissen verknüpfen, diese genauer untersuchen und so schneller auf kritische Situationen reagieren.“

Die Security-Operations-Plattform (SecOps) von ServiceNow dagegen nehme Vorfalldaten aus der Cohesity Data Cloud auf und gebe sie an eine strukturierte Reaktions-Engine weiter. Diese wiederum nutze intelligente Workflows und Automatisierung, um Bedrohungen basierend auf ihren Auswirkungen auf Unternehmen zu beheben.

Mit dem Partner BigID hat Cohesity im Rahmen von DataHawk einen erweiterten SaaS-Service entwickelt. Daten werden in einem Airgapped-Daten-Vault isoliert. „Zudem nutzt DataHawk die fortschrittliche Klassifizierungstechnologie von BigID, um große Datenmengen schnell zu erkennen und zu klassifizieren“, berichtet Linden. „Mit mehr als 200 integrierten Klassifikatoren und Machine-Learning-gesteuerten (ML) Algorithmen zum Analysieren von Datensätzen können Kunden Zeit bei der Verfolgung von Fehlalarmen sparen. Vordefinierte Regelsätze für Richtlinien wie die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und Payment Card Industry (PCI) helfen Unternehmen dabei, diese sensiblen und kritischen Datensätze schnell zu finden.“

Datenreduktion ist möglich!

Security hat immer Vorrang, Unternehmen kämpfen allerdings mit noch einem weiteren großen Problem: Das Speichern von Daten wird immer teurer! „Durch den Ukraine-Krieg sind die Energiepreise gestiegen und haben neben anderen Faktoren die Inflationsrate in den Industrieländern 2022 auf mehr als neun Prozent angehoben, der höchste Wert seit den ’80er-Jahren. Analysten wie Canalys erwarten, dass die Public-Cloud-Provider vor allem in Europa ihre Preise um mindestens 30 Prozent erhöhen werden. Gleichzeitig wächst die Datenmenge weiterhin rasant, wie ein Bericht von ESG zeigt. Für jedes Terabyte an Produktionsdaten brauchen Firmen zusätzlich 4 TB an Speicher für Sekundärdaten, die sie zu Zwecken des Datenschutzes und aus anderen nicht produktionsbezogenen Gründen anlegen“, so Linden.

Hinzu kämen weitere Faktoren, die diese Entwicklung weiter beschleunigen dürften. Autonomes Fahren von mehr als 48 Millionen Fahrzeugen auf den Straßen der USA etwa werde 23 Exabytes an Daten für Deep Storage generieren, so der IBM Storage Evangelist Shawn Brume. „Diese Datenexplosion setzt sich weiter fort und unterstreicht, wie wichtig jede Form von kluger Datenreduktionstechnik heute ist“, betont Linden. Bei einer Data-Management-Plattform wie der von Cohesity würden alle Daten automatisch zusammengeführt und komprimiert. Parallel ließen sich die Datenstrukturen inline mit einer variablen Länge Workload-übergreifend höchst effizient deduplizieren.

Dabei sei Deduplizierung in der Vergangenheit vor allem ein Thema für Backups gewesen. „Wir denken das aber viel weiter und ermöglichen so den unternehmensweiten Einsatz von Deduplizierungstechnologien von Edge bis Cloud. Somit machen wir diese Technologie erstmals für das ganze Unternehmen einsetzbar.“

Die große Frage sei jedoch immer, wie viel dieser Technologien in der Praxis außerhalb optimierter gestellter Laborbedingungen tatsächlich erreichen können: „Cohesity hat die Enterprise Strategic Group beauftragt, die tatsächlichen Raten bei mehr als 3.000 Cohesity-Kunden vor Ort auszuwerten. Der Bericht zeigt, dass 89 Prozent der 3.000 Kunden eine Datenreduktion von 96x oder höher erreichten“, so Linden.

Geht doch: Zero Trust

Cohesitys Datenmanagement-Plattform sichert die dort gespeicherten Daten in einem Zero-Trust-Modell. Außerdem verschlüsselt die Plattform die Daten automatisch, sowohl während des Transfers als auch bei der Speicherung. Darüber hinaus werden unveränderliche Backup-Snapshots erstellt, die von keiner externen Anwendung und keinem nicht autorisierten Benutzer geändert werden können. Diese Backup-Snapshots werden von KI-gesteuerten Algorithmen analysiert, um Hinweise auf mögliche Anomalien zu erkennen. Diese können an Security-Automation-Tools von Anbietern wie Cisco oder Palo Alto Networks weitergeleitet werden, um den potenziellen Vorfall genauer zu untersuchen.

„Schließlich liefert eine moderne Datenmanagement-Plattform wie Cohesity dank der integrierten Klassifizierung auch mehr Erkenntnisse aus der Datenanalyse. Unternehmen können ihre Compliance-Risiken besser verstehen, indem sie Einblick in ihre Dark Data erhalten, die laut Gartner zwischen 55 und 80 Prozent der in einem Unternehmen gespeicherten Daten betreffen. Sie können sicher entscheiden, ob sie bestimmte Datensätze aufbewahren oder risikolos löschen wollen.

All diese Synergieeffekte einer modernen Datenplattform erhöhen die Cyber-Resilienz, reduzieren die Betriebs- und Speicherkosten und helfen Unternehmen, die wachsenden Datenmengen langfristig zu verwalten.“

Christoph Linden, Field Technical Director bei Cohesity.(Bild:  Das Fotostudio)
Christoph Linden, Field Technical Director bei Cohesity.
(Bild: Das Fotostudio)

Zur Person:

Seit Juli 2019 ist Christoph Linden bei Cohesity als Field Technical Director tätig und berät Firmen strategisch und technisch, wie sie ihre Rechenzentren in Multi-Cloud-Szenarien hochverfügbar betreiben und ihre Daten klug sichern können. Er verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung im Bereich IT-Betrieb und Software-, Cloud- und Datenmanagement. Vor seinem Eintritt bei Cohesity zeichnete er auf Unternehmensseite bei Diebold Nixdorf als Leiter Enterprise Architektur und beim IT-Systemhaus Freudenberg IT als COO und Global Director Design and Engineering verantwortlich.

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