SSD vs. HDD

No-Flash oder All-Flash – Teil 2

| Autor / Redakteur: Filipe Martins und Anna Kobylinska* / Dr. Jürgen Ehneß

Die vier führenden Primärspeicherhersteller nach Gartner: Netapp, Dell EMC, Pure Storage und HPE.
Die vier führenden Primärspeicherhersteller nach Gartner: Netapp, Dell EMC, Pure Storage und HPE. (Bild: ©kardd - stock.adobe.com)

Festplatten oder Flash-Speicher? Die Preise für SSDs fallen, liegen aber nach wie vor über den Kosten für HDDs. Für Unternehmen sind jedoch neben den Anschaffungskosten die Gesamtbetriebskosten (TCO) entscheidend.

Nachdem wir in Teil 1 unseres Artikels „No-Flash oder All-Flash“ den Markt für Primärspeicher unter die Lupe genommen haben, werfen wir nun mehr als nur einen flüchtigen Blick auf das Portfolio und die Produktstrategie der vier führenden Primärspeicherhersteller.

Die vier führenden Primärspeicherhersteller in Gartners „Magic Quadrant“ sind nach wie vor Netapp, Pure Storage, Dell EMC und HPE.
Die vier führenden Primärspeicherhersteller in Gartners „Magic Quadrant“ sind nach wie vor Netapp, Pure Storage, Dell EMC und HPE. (Bild: Gartner, September 2019)

Netapp: Data-Fabric mit All-Flash zu HDD-Preisen

Das Produktportfolio von Netapp umfasst AFF-, FAS-, Solidfire-, E-Series- und EF-Series-Systeme für verschiedene Enterprise-Speicheranforderungen. Netapp verfeinert und erweitert sein Primärspeicherportfolio weiterhin im Einklang mit seiner Data-Fabric-Strategie, um das Datenmanagement in verteilten Core-, Edge- und Cloud-IT-Umgebungen zu vereinfachen.

Im vergangenen Jahr debütierte Netapp als einer der ersten Hersteller mit NVMe-Laufwerken und NVMe-oF-Front-End-Host-Konnektivität in seinem AFF A800. Im Mai 2019 konnte Netapp sein Portfolio um 100-GbE-Konnektivität, ein neues NVMe-Angebot der Mittelklasse (den AFF A320) und ein neues AFF-C190-Einstiegs-All-Flash-Array erweitern. Letzteres soll Flash-Speicher für den Preis von Festplatten bereitstellen.

Neben anderen neuen Software-Angeboten und -Updates zur Vereinfachung der Bereitstellung und Verwaltung sowie zur Integration von Active IQ, der AIOps-Plattform des Unternehmens, hat Netapp im vergangenen Jahr zwei neue Versionen von ONTAP ausgeliefert. Bei AIOps ist von Artificial Intelligence for IT Operations die Rede, also von sensordatengestützten, KI-getriebenen Lösungen zur IT-Betriebsoptimierung.

ONTAP 9.5 bietet synchrone Snapmirror-, Flexcache-Volumes und Hochverfügbarkeits-Failover für NVMe-oF. ONTAP 9.6 bringt REST-APIs, eine NVMe-oF-Ökosystemerweiterung und eine In-Flight-Verschlüsselung.

Die meisten großen Anbieter von Primärspeichern verfolgen eine Cloud-Strategie. Netapp ONTAP bietet die bisher umfassendste Integration der größten Anbieter von Cloud-Speicherdiensten (Amazon, Google und Microsoft). Netapp-Storage-Arrays in privaten Rechenzentren können Daten in der Public Cloud replizieren, sichern oder archivieren und ermöglichen darüber hinaus Hybrid-Cloud-basierte Anwendungsarchitekturen.

Pure Storage: NVMe ohne einen Preisaufschlag

Pure Storage positioniert sich auf dem Primärspeichermarkt mit seiner speziell entwickelten Solid-State-Array-Familie namens Flasharray//X sowie älteren Produkten der Flasharray//M-Reihe, die Blockschnittstellenprotokolle sprechen.

Das Flasharray//X verfügt über NVMe in seinen Modellen //X50, //X70 und //X90 ohne einen Preisaufschlag im Vergleich zu den Standard-SSDs des Anbieters mit einem SAS-Anschluss – eine sehr bedeutende Entwicklung.

NVMe-Erweiterbarkeit: Directflash Shelf von Pure Storage mit NVMe over Fabrics.
NVMe-Erweiterbarkeit: Directflash Shelf von Pure Storage mit NVMe over Fabrics. (Bild: Pure Storage)

Die Hardware-Innovationen von Pure Storage fügen sich in die grundlegende Purity-Betriebsumgebung, getauft auf den Namen „Purity Operating Environment“, und integrieren sich in die Verwaltungs- und Support-Software Pure1. Der Anbieter hat Pure1 mit einer Meta-AI-Engine erweitert, um Funktionen wie die Analyse virtueller Maschinen und die Planung der Arbeitslasten bereitzustellen. Die Lösung bietet seinen Kunden eine vollständige, Stack-übergreifende Übersicht über Möglichkeiten zur Fehlerbehebung bei virtuellen Maschinen sowie proaktive Tools zur Verwaltung von Kapazität, Portabilität und Leistungssteigerung in lokalen privaten und öffentlichen Clouds.

Anfang 2019 stellte Pure Storage Cloudsnap vor, ein Produkt, mit dem sich Dateisystem-Snapshots auf führende öffentliche Clouds portieren lassen.

Die Produktstrategie von Pure Storage ist auf Einfachheit ausgelegt. Das Unternehmen hat kürzlich sein Evergreen-Storage-Programm um eine goldene Stufe erweitert. Diese bietet Trade-In-Credits zur Modernisierung bestehender Controller und Kapazitäten. Das Unternehmen hat außerdem das Evergreen-Geschäftsmodell über Evergreen Storage Service (ES2) um ein Cloud-Abrechnungsmodell ergänzt.

Dell EMC: Standard-SSDs mit NVMe

Dell EMC versucht mit seinem Storage-Portfolio, jedes erdenkliche Marktsegment abzudecken.

Das Enterprise-Storage-Produktportfolio des Unternehmens umfasst All-Flash der Powermax- und XtremIO-Reihe sowie All-Flash- und hybride Arrays der Unity- und SC-Serien.

Powermax ist führend in Hinsicht auf leistungsstarke unternehmenskritische Workload-Anforderungen. Die Powermax-Speicherarrays basieren auf einer Aktiv-Aktiv-Controller-Architektur, lassen sich auf bis zu 16 Controller erweitern und verwenden Standard-SSDs auf NVMe-Basis. Die Arrays unterstützen Inline-Komprimierung und -Deduplizierung und reduzieren so den Gesamtspeicherverbrauch und die Gesamtinvestitionskosten in SSDs. In den vergangenen zwölf Monaten hat Dell EMC die Powermax-Produktlinie schrittweise erweitert und ein neues Powermax-Betriebssystem herausgebracht, welches die Integration mit der Cloud-basierten Predictive Analytics Engine CloudIQ ermöglicht.

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Dell EMC aktualisierte auch sein Unity-Produktportfolio mit der Unity XT-Serie, einem NVMe-fähigen Array. (Unity XT hat genauso wie HPE Primera die Aufnahme in den Gartner Magic Quadrant vom September 2019 knapp verpasst.)

Dell EMC investiert auch weiterhin in die Entwicklung von Software für die SC-Serie und XtremIO für bestimmte Anwendungsfälle, da diese Systeme über eine große installierte Basis verfügen.

HPE: Migrationspfade zur unterbrechungsfreien Umstellung auf NVMe- und SCM-Technologie

Auch HPE überlässt nichts dem Zufall. Das Portfolio des Anbieters umfasst die Marken Nimble Storage, 3PAR Storeserv, XP7 und das neue HPE-Primera-Speichersystem.

Die AIOps-Plattform von HPE, Infosight, bietet eine proaktive infrastrukturübergreifende Diagnose und KI-basierte Empfehlungen von Storage-Performance. Infosight lässt sich im Übrigen auch in VMware integrieren für eine proaktive Fehlerbehebung und Automatisierung von Level-1- und Level-2-Support auf Nimble und 3PAR.

Bei dem 3PAR Storeserv handelt es sich um ein hochleistungsfähiges, skalierbares Array für High-End-Anwendungsfälle. Auf Grund von Produktüberschneidungen im eigenen Portfolio nach der Akquisition von Nimble Storage hat HPE das 3PAR-Storeserv-Produkt auf anspruchsvollere Workloads ausgerichtet, während Nimble mit einem benutzerfreundlichen Angebot das mittlere Marktsegment abdecken soll.

Sowohl die Nimble- als auch die 3PAR-Storserv-Plattform bieten kostengünstige SSD-Technologie und Migrationspfade zur unterbrechungsfreien Umstellung auf NVMe- und SCM-Technologie (Storage Class Memory) der nächsten Generation.

Sowohl Nimble als auch 3PAR Storserv unterstützen HPEs Cloud Bank Storage, eine Software, die in Verbindung mit HPE-Storeonce-Systemen Sicherheits-Backups auf öffentlichen Clouds ermöglicht. Kunden von Nimble Storage können HPE Cloud Volumes, einen Cloud-Block-Speicherdienst von HPE, für Datenreplikation in Anwendungsfällen wie Softwareentwicklung und Disaster Recovery (DR).

Die Zeichen der Zeit

David Barker, technischer Direktor von 4D Data Centres, macht sich keine Illusionen. „Wessen Budgeteinschränkungen nicht den Handlungsraum zu stark einschränken“, sollte bei der nächsten Gelegenheit von (magnetischen) SAS-Laufwerken zugunsten von SSDs endgültig Abschied nehmen.

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Eine Umstellung auf All-Flash sei nicht zuletzt „ganz klar der beste Tipp, um die Stromkosten in den Griff zu bekommen“. Denn eine typische SAS-HDD der Enterprise-Klasse mit 15.000 RPMs in 2,5-Zoll-Ausführung verbrauche im Durchschnitt 9 Watt, rechnet er vor. Das sei mehr als eine haushaltsübliche LED-Birne mit 800 Lumen Helligkeit. Im Vergleich dazu punkte ein SSD-Laufwerk mit einem Leistungsverbrauch von bloß 2 Watt im Betrieb und sogar 0 Watt im Idle-Modus (zu beachten: einige SSD leiden in diesem Zustand möglicherweise unter Speicherdegradierung). In Folge der Umstellung ließen sich die Stromkosten seiner Erfahrung nach tatsächlich um 70 bis 75 Prozent reduzieren, bestätigt er.

Fazit

Die Analysten sind sich einig: RAID-Arrays und HDDs haben ausgedient. Zu dieser Erkenntnis gelangen auch zunehmend die Nutzer. Die fallenden Preise rechtfertigen einen zweiten Blick auf All-Flash-Arrays. Unternehmen sollten dabei auch gleich die langfristige Investitionssicherheit unterbrechungsfreier Storage-Upgrades mit ins Auge fassen.

*Die Autoren: Anna Kobylinska und Filipe Pereira Martins arbeiten für McKinley Denali Inc. (USA).

Im Fokus: Flash-Storage

Lesen Sie hier die Beiträge zu unserem Schwerpunktthema Im Fokus: Flash-Storage.

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