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.NEXT-Konferenz Nutanix baut Brücken zu Storage

Ein Gastbeitrag von Dr. Jakob Jung 5 min Lesedauer

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Nutanix zieht auf der .NEXT-Konferenz in Chicago die Grenzen seiner Hybrid-Cloud-Strategie neu – und setzt dabei auf Storage-Allianzen, Bare-Metal-Kubernetes und eine KI-Infrastruktur, die Token-Kosten im Zaum halten soll.

Der diesjährigen Nutanix-Konferenz .NEXT wohnten rund 5.000 Teilnehmer bei.(Bild:  Nutanix)
Der diesjährigen Nutanix-Konferenz .NEXT wohnten rund 5.000 Teilnehmer bei.
(Bild: Nutanix)

Rund 5.000 Teilnehmer, über 100 Sponsoren, ein Anteil von mehr als 20 Prozent Interessenten, die noch keine Nutanix-Kunden sind – die Zahlen der diesjährigen .NEXT-Konferenz, die vom 7. bis 9. April im McCormick Place in Chicago stattfand, sprechen eine deutliche Sprache, vor allem wenn man bedenkt, dass es vor vier Jahren lediglich 31 Sponsoren waren. Beim nächsten Mal wird Las Vegas der Austragungsort sein, weil schlicht kein anderer Standort in den USA die nötige Kapazität bietet. Für eine Hersteller-Konferenz ist ein Interessentenanteil von über 20 Prozent bemerkenswert – bei vergleichbaren Events in den USA liegt dieser Wert typischerweise nahe null. Die Dynamik dahinter ist bekannt: Broadcoms Übernahme von VMware und die anschließenden Preiserhöhungen haben in vielen Enterprise-IT-Abteilungen einen Evaluierungsprozess angestoßen, der noch längst nicht abgeschlossen ist.

Während 2025 die Workload-Flexibilität im Vordergrund stand, rückt Nutanix nun die Plattformvollständigkeit in den Mittelpunkt: ein einheitliches Betriebsmodell für virtuelle Maschinen, Container, GPU-dichte KI-Infrastruktur und Cloud-Umgebungen – unabhängig davon, wo diese Workloads physisch laufen.

Storage: Die Architektur wird offener

Der technisch bedeutsamste Schritt der Konferenz betrifft den Storage-Stack. Nutanix hat die Unterstützung für externe Speichersysteme erheblich ausgebaut. Neu hinzugekommen ist die Integration von NetApp-Systemen als Compute-Only-Node-Storage – neben dem bereits angekündigten Support für Everpure/Pure Storage FlashArray//C und Dell PowerStore, der sich noch in der Early-Access-Phase befindet.

Die NetApp-Partnerschaft ist dabei mehr als eine weitere Kompatibilitätsmeldung. Für Organisationen, die jahrelang in eine klassische Drei-Schichten-Architektur aus Compute, Netzwerk und separatem Storage investiert haben, öffnet sich damit ein Migrationspfad zu Nutanix, ohne dass bestehende Speicherinvestitionen sofort abgeschrieben werden müssen.

Die technische Grundlage: NFS-basierte Integration zwischen der Nutanix Cloud Platform (NCP) und NetApp ONTAP, ergänzt durch das NetApp Shift Toolkit und Nutanix Move für VM-Konvertierungen im Minutenbereich. Zudem wird ONTAP-basiertes Autonomous Ransomware Protection mit KI (ARP/AI) in den gemeinsamen Stack eingebunden – ein Punkt, der in regulierten Umgebungen erhebliches Gewicht hat.

Technisch arbeitet das Gespann folgendermaßen: Die Nutanix Cloud Infrastructure (NCI) übernimmt die Compute-Virtualisierung über den AHV-Hypervisor, während der NetApp-Speicher via NFS angebunden wird. Administratoren verwalten beides weiterhin über die Nutanix-Prism-Oberfläche – eine einheitliche Managementebene, die VM-granulare Operationen für Performance, Kapazität und Recovery ermöglicht. Der Speicher skaliert unabhängig vom Compute, was für Storage-intensive Workloads ein erheblicher Vorteil ist.

Für Everpure/Pure-Storage-Umgebungen sieht die Architektur etwas anders aus: Hier verbindet sich das Nutanix-Compute-Cluster über NVMe over TCP mit dem FlashArray. Das FlashArray liefert dabei Latenzen von unter 150 Mikrosekunden und bis zu 45 GB/s Durchsatz bei den Top-Modellen der //XL-Serie. Der Nutanix-AHV-Hypervisor steuert die Compute-Seite, während das FlashArray-Purity-Betriebssystem Storage-Resilienz, globale Deduplizierung und Komprimierung sowie SafeMode-Snapshots für Ransomware-Schutz bereitstellt. Neu ist die Verfügbarkeit von Nutanix Data Lens als reine On-Premises-Variante – ohne SaaS-Abhängigkeit, was für souveräne Cloud-Deployments unter regulatorischen Auflagen zwingend notwendig ist.

Ebenfalls neu: Cisco FlexPod, die seit Jahren etablierte Referenzarchitektur aus NetApp-Storage und Cisco-Netzwerktechnik, wird nun offiziell um Nutanix erweitert. Damit entsteht für Cisco-Kunden ein direkter Integrationspfad, ohne bestehende Infrastrukturkomponenten ersetzen zu müssen. Die Kompatibilitätsliste wächst weiter: AMD-GPUs und Edge-Systeme sowie Lenovo-ThinkSystem-Speicher wurden ebenfalls aufgenommen.

Kubernetes auf dem Blech: NKP Metal

Parallel dazu hat Nutanix NKP Metal angekündigt – eine Erweiterung der Nutanix Kubernetes Platform (NKP), die deutsche Wurzeln hat und Kubernetes-Orchestrierung direkt auf physische Server ohne Hypervisor-Schicht bringt. Das Unternehmen bezeichnet sich als einzigen Anbieter einer echten Dual-Native-Architektur: Container laufen entweder innerhalb virtueller Maschinen auf AHV oder direkt auf Bare Metal – mit identischer Verwaltungsoberfläche, denselben Sicherheitsrichtlinien und denselben Datendiensten in beiden Umgebungen.

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Auf den ersten Blick klingt das nach einem klassischen Trade-off: Hypervisor bedeutet Isolation und Ressourcen-Overcommit, Bare Metal bedeutet maximale Performance ohne Overhead. Beim Pressebriefing auf der .NEXT kam prompt die naheliegende Frage: Kann Bare-Metal-Kubernetes die Sicherheitsisolation einer Hypervisor-Schicht wirklich ersetzen? Die Antwort bleibt technisch offen. Nutanix argumentiert mit der Ausdehnung von Mikrosegmentierung und konsistenten Netzwerkrichtlinien auch auf Bare-Metal-Deployments – ein Ansatz, den das Unternehmen „Follow-me-Security“ nennt: Richtlinien, die dem Container vom Edge über den Rechenzentrumscore bis in die Public Cloud folgen.

Für Storage setzt NKP Metal auf Cloud Native AOS – eine speziell für Bare-Metal-Kubernetes entwickelte Speichervariante, die Nutanix Data Services auch in Container-nativen Umgebungen verfügbar macht. Der primäre Anwendungsfall ist klar: Edge-Deployments, bei denen Hypervisor-Overhead aus Energie-, Kosten- oder Platzsicht nicht zu rechtfertigen ist, sowie GPU-dichte KI-Trainingsinfrastruktur. NKP Metal befindet sich aktuell in der Early-Access-Phase für NKP PRO und NKP ULT; die allgemeine Verfügbarkeit ist für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant.

Ebenfalls in die Early-Access-Phase eingetreten ist der Nutanix Database Service (NDB) auf Containern – ein Meilenstein des mehrjährigen Project Beacon, das beliebige Workloads überall in der Hybrid Cloud ermöglichen soll. NDB unterstützt Oracle, MySQL, MongoDB sowie SQL Server und bietet neu eine zertifizierte Integration mit MongoDB Ops Manager.

KI-Gateway: wenn Tokens zur Kostenfalle werden

CEO Rajiv Ramaswami skizzierte in seiner Keynote die Entwicklung von HCI-Spezialist zur breiteren Hybrid-Cloud-Plattform. Ein zentrales Thema dabei: KI-Infrastruktur und der praktische Umgang mit agentischen Workloads. Das KI-Gateway der Nutanix-Plattform – erstmals auf der NVIDIA GTC öffentlich gezeigt und auf der .NEXT um Multi-Mandanten-Fähigkeiten erweitert – übernimmt semantisches Routing und Lastverteilung über verschiedene Sprachmodelle hinweg. Was abstrakt klingt, hat einen konkreten betrieblichen Hintergrund: Agentische Systeme erzeugen Kaskaden von Agenten, die Token in großem Maßstab verbrauchen. Nutanix Chief AI Officer Debo Dutta formulierte das Problem direkt – unkontrollierter KI-Einsatz kann unerwartete Kostenexplosionen verursachen. Das Gateway begrenzt die Token-Generierung pro Nutzer und Anwendungsfall.

Für Neoclouds – KI-native Cloud-Anbieter mit GPU-dichter Infrastruktur – bietet Nutanix einen strukturierten Dienstkatalog, der von GPU-as-a-Service bis zu Models-as-a-Service reicht, über gemeinsam genutzte physische Ressourcen mit Mandantentrennung. Für Sommer 2026 sind ein KI-Katalog sowie Entwicklungstools inklusive Vektordatenbanken und MLOps-Funktionen angekündigt. Die AMD-Partnerschaft – mit einem strategischen Investment von 150 Millionen US-Dollar und bis zu 100 Millionen US-Dollar für gemeinsame Engineering-Initiativen – bringt AMD Instinct GPUs und EPYC CPUs als offene Alternative zum NVIDIA-dominanten AI-Stack in die Nutanix-Plattform.

Lieferkette und Lizenzflexibilität

Ein Querschnittsthema der Konferenz war Supply-Chain-Resilienz. Hardware-Engpässe dauern derzeit drei bis acht Monate, getrieben durch den KI-Bedarf und ein angespanntes geopolitisches Umfeld. Nutanix adressiert das mit vollständig portablen Lizenzen: Kunden können Lizenzen in die Public Cloud verlagern – inklusive AWS European Sovereign Cloud und Google-Cloud-C3-Instanzen mit Hyperdisk-Block-Storage – und bei Hardwarelieferung wieder zurückholen. Das Karenzzeit-Modell, das Kunden Lizenzen vor physischer Hardware-Verfügbarkeit nutzbar macht, wurde von mehreren deutschen Partnern explizit als vertrauensbildende Maßnahme gelobt.

CEO Ramaswami bezifferte das Potenzial aus VMware-Migrationen auf rund 160.000 mögliche Displacement-Accounts bei Broadcom-Kunden. Ob die Strategie der einheitlichen Plattform über alle Bereiche – KI-Services, Kubernetes, Hardware-Integrationen, Sovereign Cloud und Dienstanbieter-Werkzeuge – trägt, hängt von der Ausführung ab. Die 105 Konferenz-Sponsoren und der ungewöhnlich hohe Interessentenanteil signalisieren jedenfalls, dass das Fenster offen ist.

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