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Datenflut Perspektive: Die Welt aus Daten

| Autor: Dr. Stefan Riedl

Die Datenflut steigt an, weil vermehrt gespeichert wird. Die Herausforderungen wachsen mit. Ein Grund dafür ist der Hunger nach Rohdaten, weil Unternehmen erkennen, dass sie mitunter noch gar nicht wissen, welche Mehrwerte später daraus generiert werden können.

Die Realität lässt sich mit Daten beschreiben.
Die Realität lässt sich mit Daten beschreiben.
(Bild: ngaga35 - stock.adobe.com)

Beim Thema „Datenflut“ wird eine Prog­nose der Marktforscher von IDC immer wieder gerne zitiert. Demnach soll sich das Datenaufkommen im Jahr 2025 auf 175 Zettabyte belaufen, während es 2018, dem Zeitpunkt der Prognose, noch 33 Zettabyte waren. Doch stellen sich Fragen in diesem Zusammenhang: Wie kommt man auf ­diese Zahlen? Sind das Hochrechnungen produzierter Datenträger? Entstehen Daten erst in dem Moment, wenn sie gespeichert werden? Denn nicht erfasste Daten können sich logischerweise nicht in Zettabyte-Angaben niederschlagen. Sind diese Angaben dann aber nicht folgerichtig eher als prognostizierte Speicherkapazitäten zu betrachten?

Flüchtige Sensor- und Streaming-Daten

Wie sind vor diesem Hintergrund flüchtige (Sensor-)Daten einzuordnen, die nur kurz erfasst, aber nicht dauerhaft gespeichert werden? Was ist mit Streaming-­Diensten, die dafür sorgen, dass an einem Endgerät ein Film abgespielt wird, die Daten dort aber nicht gespeichert werden? Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang der IT-Trend Edge Computing, bei dem Datenströme ressourcenschonend teilweise ohne zentrale Speicherung am Endgerät verarbeitet werden?

Rasantes Wachstum voraus

„Ressourcenschonend“ heißt in dem Zusammenhang auch, dass teilweise an der Edge verarbeitet wird und nur Ergebnisse gespeichert werden, was die Datenflut eindämmen könnte. Im IT-BUSINESS-Podcast, Folge 18, der dieses Thema behandelt, zeigt sich Thomas Sandner, Regional Technical Director CEMEA bei Veeam Software, eher skeptisch zur Frage, ob überhaupt belastbare Prognosen oder Bestandsaufnahmen abgeben werden können, was das Datenwachstum angeht. Die Richtung sei hingegen klar: rasantes Wachstum.

Im Zweifel Rohdaten

Dass vermehrt nur Ergebnisse gespeichert ­werden, während Rohdaten verworfen werden, hält Sandner jedoch für eine Fehl­annahme. Denn wenn später neue Daten hinzukommen, ergeben sich neue Verknüpfungs- und Analysemöglichkeiten, die man vorher womöglich noch gar nicht in Betracht gezogen hat. Unternehmen, die Mehrwerte aus Daten generieren wollen, werden daher tendenziell mehr als weniger Rohdaten speichern.

In einer Studie, die Splunk bei den Marktforschern von True Global Intelligence in Auftrag gegeben hat (siehe Kasten), bestätigte sich, dass der Wert von Daten in ­Unternehmen erkannt wird. 81 Prozent der Befragten sehen demnach einen Wert in Daten, der sich auf den Geschäftserfolg auswirkt. Allerdings sehen sich lediglich acht Prozent der Unternehmen vorbereitet. Doch es wird daran gearbeitet.

Positive Grundhaltung in Unternehmen

Heruntergebrochen auf Deutschland zeigt sich: 86 Prozent der Befragten erklären, dass ihre Unternehmen sich derzeit gezielt zukunftssicher für den Umgang mit großen Datenmengen aufstellen. Nur 19 Prozent der hiesigen Befragten geben an, dass es in ihrem Unternehmen eine große Verunsicherung diesbezüglich gibt. 41 Prozent verspüren hingegen keinerlei oder nur eine geringe Verunsicherung. Es zeigt sich eine generell positive Grundeinstellung: Fast drei Viertel der Unternehmen sind überzeugt davon, dass sie die Flut von Daten ­erfolgreich meistern werden. Nur die Befragten aus China sind mit 96 Prozent noch positiver eingestellt.

„Vorsichtig, aber vorbereitet“

Wie James Hodge, Chief Technical Advisor bei Splunk, erläutert, haben die Ergebnisse zudem gezeigt, dass „die Befragten hierzulande vorsichtig, aber vorbereitet sind“. Während weltweit 67 Prozent der Befragten glauben, dass ihre Daten wertvoller werden, seien es in Deutschland nur 58 Prozent. Das sei der niedrigste Wert im weltweiten Vergleich, so Hodge. Auch würden sich deutsche Unternehmen vorsichtiger zeigen, was die Rolle aufkommender Technologien wie 5G, AR/ VR, Blockchain, Edge Computing, IoT und AI/ ML für das Wachstum der Daten betrifft. „Gleichzeitig sieht man aber“, so der Splunk-Manager, „dass die Unternehmen sich bereits aktiv auf die Datenwelle und die damit verbundenen Änderungen vorbereiten.“ Im Channel haben jene Akteure gute Karten, die sich als Berater in dem Umfeld positionieren können.

Datenkompetenz ist die Grundlage

In der Wissenshierarchie heißt es: Das Verständnis von Beziehungen in Daten führt zu Informationen. Das Verständnis von Mustern in Informationen führt zu Wissen. Und das Verständnis von Grundsätzen im Wissen führt zu Weisheit. Datenkompetenz bildet also die Grundlage.

Unternehmensberater Accenture und ­Datananalysetool-Hersteller Qlik haben sich in einer Studie mit der so genannten „Datenkompetenzlücke“, also mit fehlendem Know-how beim Umgang mit Daten in ­Unternehmen, beschäftigt. Dass Daten-Know-how ausbaufähig ist, zeigt folgendes Umfrageergebnis: Mit 87 Prozent aller ­befragten Mitarbeiter weltweit (n = 9.000 Vollzeitmitarbeiter) nimmt das Gros Daten erfolgskritisch für die Arbeit wahr. Allerdings nutzen nur wenige Befragte Daten, um auf deren Grundlage Entscheidungen zu treffen: Nur 25 Prozent der interviewten Mitarbeiter sind der Meinung, dass sie gut auf die effektive Nutzung von Daten in ­ihrem Job vorbereitet worden sind (in Deutschland sogar nur 14 Prozent). Und nur 21 Prozent haben Zutrauen in ihre eigene Datenkompetenz und in ihre Fähigkeit, souverän mit digitalen Informationen umzugehen – also Daten zu lesen, zu verstehen, zu hinterfragen und mit ihnen zu arbeiten (Deutschland unterdurchschnittlich mit 17 %). Darüber hinaus ­vertrauen nur 37 Prozent der befragten Mitarbeiter ihren Entscheidungen mehr, wenn diese auf Daten basieren (Deutschland: 42 %).

Daten zu Geld machen

Der Begriff „Datenmonetarisierung“ nimmt ebenfalls die Datenanalyse in den Fokus und beschreibt die Fähigkeit, Mehrwerte aus Daten zu generieren. Die Marktforscher von BARC haben das Thema in einer Studie aus dem Jahr 2019 für den Hersteller Tableau unter die Lupe genommen. Demnach haben 17 Prozent der Unternehmen Initiativen zur Datenmonetarisierung etabliert, zwölf Prozent bauen derzeit Prototypen dafür, und weitere zehn Prozent befinden sich noch in der Konzeptionsphase. 25 Prozent der Großunternehmen und 23 Prozent der größeren mittelständischen Unternehmen, die an der Umfrage teilgenommen haben, haben bereits Produkte zur Monetarisierung eingeführt. Im Gegensatz dazu haben nur neun Prozent der kleineren sowie 13 Prozent der kleinen bis mittleren Unternehmen bereits Datenprodukte implementiert. Marktpotenzial für Datenanalyseprojektgeschäft ist demnach hinreichend gegeben.

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Über den Autor

Dr. Stefan Riedl

Dr. Stefan Riedl

Leitender Redakteur