Boston Server & Storage Solutions „Storage wächst bei uns absolut und relativ“

Beim Lösungsanbieter Boston Server & Storage Solutions GmbH, seit 2019 Teil der Unternehmensgruppe 2CRSI, wächst das Storage-Geschäft. Für Storage-Insider sprach Ariane Rüdiger mit Georg Klauser, CEO von Boston DACH, über aktuelle Trends im Storage-Markt.

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Die Datenmengen und der Speicherbedarf steigen – und damit das Storage-Geschäft bei der Boston Server & Storage Solutions GmbH.
Die Datenmengen und der Speicherbedarf steigen – und damit das Storage-Geschäft bei der Boston Server & Storage Solutions GmbH.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Storage-Insider: Wie ist das Storage-Geschäft innerhalb der Boston Consulting derzeit aufgestellt?

Georg Klauser, Boston: Das Storage-Segment umfasst derzeit etwa 40 Prozent unserer Umsätze und wächst nicht nur absolut, sondern auch im Verhältnis zu anderen Geschäftsfeldern unseres Unternehmens stark.

Was sind die Wachstumsmotoren, mal abgesehen von dem allgegenwärtigen Datenwachstum?

Klauser: Mit unserem Portfolio von ausgewählten Partnern können wir so ziemlich jede Storage-Anforderung befriedigen, auch bei Software-definierter Storage. Deshalb können wir unseren Kunden in der Regel eine Lösung anbieten, die genau zu ihren Bedürfnissen passt.

Sind Sie auf bestimmte Märkte spezialisiert?

Klauser: Nein, wir bedienen alle vertikalen Märkte sowie alle Systemgrößenordnungen von klassischen Virtualisierungs- oder Kapazitäts-Storage-Lösungen für ein mittelständisches Unternehmen über Hochverfügbarkeits-Storage bis hin zur HPC-Lösung für die wissenschaftlichen Forschung. So haben wir dieses Jahr einen großen Vertrag mit CERN über 15 Millionen USD abgeschlossen. Wir durften mehrere hundert Petabyte Storage, die im Datenzentrum des CERN und an den Standorten der Experimente eingesetzt werden, und mehrere Tausend AMD-basierende Rechenknoten liefern.

Mit welchen Storage-Problemen kommen die Kunden zu Ihnen?

Klauser: Das ist ganz unterschiedlich. Manche haben schon sehr klare Vorstellungen, was sie benötigen, andere brauchen auch bezüglich der Realisierungsmöglichkeiten für ihre Anforderungen Beratung. Oft geht es um sehr spezielle Einsatzszenarien, beispielsweise um die Videoüberwachung für Kreuzfahrtschiffe oder für öffentliche Einrichtungen für zum Beispiel Verkehrsinfrastruktur, wo wir involviert sind. Da fallen massive Datenmengen an, die performant und sicher gespeichert werden müssen. Wird wie bei der aktuellen Kamerageneration die 4K- zugunsten einer 8K-Auflösung mit 256 Graustufen ersetzt, steigen die Datenmengen erheblich. Als lokalen Zwischenspeicher dafür nutzen wir oft Edge-Speicherlösungen. Da beraten wir die Kunden hinsichtlich der Systemformate, Packungsdichten und Schnittstellen.

Wie sieht es mit NVMe aus? Gibt es viel Nachfrage?

Klauser: Da sehen wir in den vergangenen drei Jahren großes Wachstum. Weil wir technologisch eher weit vorn agieren, arbeiten wir mit dem Thema seit dem Start dieser Technologie und platzieren entsprechende Lösungen. Wir sehen hier momentan einen massiven Zuwachs – manches braucht eben einen langen Anlauf.

Hat das auch mit der Fertigstellung von NVMe-oF (NVMe over Fabric) zu tun?

Georg Klauser, Geschäftsführer Boston Server & Storage, DACH, eröffnet den diesjährigen Technology Innovation Day.
Georg Klauser, Geschäftsführer Boston Server & Storage, DACH, eröffnet den diesjährigen Technology Innovation Day.
(Bild: www.marcushassler.de / Boston)

Klauser: Ja, genauer damit, dass NVMe-oF jetzt auch TCP/IP-ready ist. Mit NVMe over TCP kann man direkt über Standard-Ethernet auf die Daten zugreifen. Bisher ging das ja nur in entsprechend spezialisierten Infrastrukturen. Firmen wie Kioxia profitieren von diesem Trend.

Welche Anwender, Branchen oder Anwendungen setzen heute NVMe oder NVMe-oF ein?

Klauser: Der Bedarf an sehr schnellen Storages wächst. Man braucht eine sehr gut abgestimmte und sehr schnelle Kombination von Storage beispielsweise für AI. Das zeigen die Projekte, die wir mit Nvidia abwickeln. Wir sind einer ihrer Elite-Partner. In den nächsten Jahren gehe ich von weiter steigendem Bedarf nach NVMe-Flash aus, beispielsweise bei HPC-Umgebungen oder in Hochleistungsumgebungen von Unternehmen.

Wo ist aus Ihrer Sicht heute noch der Platz der Festplatte?

Klauser: Die behält auf jeden Fall ihre Daseinsberechtigung, insbesondere die Platten mit hohen Kapazitäten für Backup oder Archivierung. Auch das CERN-Projekt haben wir mit klassischen 3,5-Zoll-Platten hoher Kapazität realisiert. Sie hatten im geforderten Leistungsspektrum das beste Preis-Leistungs-Verhältnis.

Wie sieht es mit HCI-Systemen aus? Werden sie weiter an Boden gewinnen?

Klauser: Wir denken, dass sie weiter und auch noch mehr als heute Erfolg haben werden. Dabei haben wir uns für eine Kooperation mit der US-Firma Scale Computing entschieden. Es gibt sie zwar schon seit 2008, aber sie waren lange hauptsächlich in den USA aktiv. Wir haben ihre Lösung, wie übrigens alle Partnerlösungen, in unseren Labors getestet, und das hat uns gefallen.

Worin unterscheidet sich Scale HC3 von vergleichbaren Lösungen?

Klauser: Durch die einfache Handhabung, Flexibilität und auch das Geschäftsgebaren. Mit Thorsten Schäfer haben wie auf Scale-Seite einen Partner, mit dem wir sehr gut harmonieren und auf den wir uns voll verlassen können. Das ist besonders bei den mittelständischen und kleineren Kunden, die die primäre Zielgruppe von Scale sind, wichtig. Gleichzeitig skaliert ein Scale-System sehr gut, so dass es mit der Lösung oder dem Unternehmen mitwachsen kann.

Viel wird derzeit über Computational Storage geredet und geschrieben. Wann wird dieses Thema für einen breiten Markt interessant?

Klauser: Natürlich befinden wir uns noch in einem frühen Stadium der Marktentwicklung, es ist ein sehr neues Feld. Aber wir haben mit Scaleflux bereits einen Partner, der Rechenleistung in NAND-Module integriert. Wir gehen davon aus, dass das Thema im Kontext von Edge-Computing nach vorn kommen wird. Denn die Edge-Daten kann man wegen der Latenz unmöglich alle in ein zentrales RZ transportieren.

Wie sieht es mit Composable Infrastructure aus?

Klauser: Das ist noch sehr weit weg. Es gibt heute einige wenige spezialisierte Anbieter – wir kennen zum Beispiel Liquid, weil einer unserer langjährigen Partner mit dem Unternehmen arbeitet. Aber ich denke, für eine breitere Implementierung ist es bei dem Thema noch zu früh. Wir haben da manchmal die Tendenz, zu schnell zu agieren, weil wir neue Technologien spannend finden.

Wie beeinflusst die Cloud als Datenspeicherort Ihr Geschäft, und welche Trends sehen Sie hier?

Klauser: Die Cloud beflügelt unser Geschäft eher. Denn einerseits werden mehr und mehr Daten in die Cloud verschoben, auch in Deutschland. Gleichzeitig gibt es in den vergangenen zwei Jahren einen starken Trend zurück zu Private/Hybrid-Cloud oder anderen On-Prem-Storage-Systemen. Viele wollen ihre Daten zumindest teilweise unter eigener Regie behalten. Außerdem werden die Betriebskosten für stark Cloud-lastige Dateninfrastrukturen immer höher, und wenn sie merken, dass sie für weniger Geld etwas On-Prem haben könnten, entscheiden sich viele Anwender dafür.

SSG-6029p ist eine hochleistungsfähige und kompakte Storage-Lösung von Supermicro.
SSG-6029p ist eine hochleistungsfähige und kompakte Storage-Lösung von Supermicro.
(Bild: Boston)

Beliefern Sie Cloud-Provider, und wenn ja, welche?

Klauser: Wir sind bislang nicht mit den Hyperscalern im Geschäft als Boston, das ist mehr der Fokus unserer Konzernmutter 2CRSi. Aber wir beliefern durchaus eine Vielzahl kleine und mittlere Cloud-Provider, die sich beispielsweise als Managed Service Provider positionieren. Beispielsweise sind das Bringe Informationstechnik, teuto.net oder die Ventus Cloud AG.

Welchen Einfluss haben aus Ihrer Sicht Modelle, die On-Prem-Installation mit dem Management durch den Lieferanten und On-Demand-Zahlung kombinieren, auf den Storage-Markt? So etwas bieten derzeit etwa Dell mit Apex und HPE mit Greenlake an.

Klauser: Wichtig ist, dass es solche Angebote nicht nur von den ganz Großen gibt. Wir haben mit Ventus beispielsweise einen Partner, der einen Hybridansatz fährt: Der Kunde bekommt Vor-Ort-Infrastruktur, die von Ventus gemanagt und on demand abgerechnet wird, kann aber zudem auch die Angebote von Hyperscalern nutzen und hat eine einheitliche Managementoberfläche für alles wie zum Beispiel managed Kubernetes und managed DB, die Transparenz schafft. Auch Kubernetes wird übrigens sehr gern gemanagt konsumiert. Hier arbeiten wir mit Quobyte zusammen. Insgesamt denke ich, dass es großes Interesse an diesen Lösungen geben wird.

Herr Klauser, wir danken Ihnen für das Gespräch!

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