Studie von Okta Wie geht es weiter mit dem Home-Office?

Autor: Heidi Schuster

Seit rund 15 Monaten sind viele Büroangestellte dauerhaft im Home-Office. Derzeit scheint sich die Corona-Pandemie langsam, aber sicher eindämmen zu lassen, und es gibt immer mehr Lockerungen. Aber wie geht es dann mit dem Home-Office weiter?

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Allmählich kehren immer mehr Büroangestellte in die Arbeitsstätten zurück.
Allmählich kehren immer mehr Büroangestellte in die Arbeitsstätten zurück.
(Bild: Halfpoint – stock.adobe.com)

Ende Juli endet vorerst die Home-Office-Pflicht, die im Rahmen der Bundesnotbremse ausgerufen wurde. Wie Arbeitgeber dann mit Home-Office-Regelungen umgehen, ist in vielen Fällen noch offen. Eine Studie von Okta zeigt, dass Arbeitnehmer selbst wählen möchten, wie sie zukünftig arbeiten. Allerdings glauben viele nicht, dass ihr Arbeitgeber ihnen diese Flexibilität gestattet.

Ganze 75 Prozent der 2.000 Befragten in Deutschland wären mit Gesetzesänderungen einverstanden, die es Unternehmen verbieten, sie zu zwingen, vor Ort im Büro zu arbeiten. 43 Prozent wünschen sich Ausnahmeregelungen, zum Beispiel für Personal bei Rettungsdiensten. Und ein Drittel (33 %) ist der Meinung, dass ein Vorschreiben des Arbeitsortes in allen Fällen gegen das Gesetz verstoßen sollte. Regierungen diskutieren bereits über die Anpassung bestehender Arbeitsrechte zur Erleichterung flexiblerer Arbeitsmodelle. Gleichzeitig plant die Europäische Union Gesetze wie das „Recht auf Nichterreichbarkeit“ außerhalb der festgelegten Arbeitszeiten, um Arbeitnehmerrechte zu stärken.

In der neuen Arbeitswelt geben die Mitarbeitenden den Ton an.

Sven Kniest, Regional Vice President Central & Eastern Europe bei Okta

„Viele Menschen in Deutschland haben mehr als ein Jahr lang von zu Hause aus gearbeitet“, sagt Sven Kniest, Regional Vice President Central & Eastern Europe bei Okta. „Es zeigt sich deutlich, dass Mitarbeitende sich zukünftig die Freiheit wünschen, selbst zu entscheiden, ob sie ins Büro zurückkehren, Remote arbeiten oder eine Kombination aus beidem bevorzugen. Ob durch eine Änderung der Gesetzeslage oder auch ohne – Unternehmen sollten die Möglichkeit nutzen, Althergebrachtes und Prozesse neu zu bewerten und bessere Arbeitsmethoden zu ermöglichen. Wie dies zu höherer Produktivität, Innovationskraft und Mitarbeiterzufriedenheit führt, machen bereits viele Unternehmen vor und sind so besser für die Zukunft aufgestellt und als Arbeitgeber attraktiver.“

Nur wenige Angestellte möchten Vollzeit ins Büro zurück

22 Prozent der Büroangestellten in Deutschland möchten fünf Tage pro Woche im Büro arbeiten. In einer vergleichbaren Umfrage, die Okta im Mai 2020 durchführte, waren es noch 30 Prozent. Obwohl in Deutschland im europäischen Ländervergleich der Wunsch, Vollzeit im Büro zu arbeiten, noch immer am stärksten ausgeprägt ist, geht der Trend hin zu dynamischeren Arbeitsmodellen. 42 Prozent wünschen sich einen hybriden Ansatz, bei dem sie sowohl Tage im Büro als auch zu Hause verbringen, 18 Prozent wollen dauerhaft von zu Hause arbeiten.

Arbeitnehmer haben individuelle Präferenzen. Diese stimmen jedoch nicht immer mit dem Arbeitsmodell überein, von dem sie erwarten, dass ihr Arbeitgeber es zukünftig umsetzen wird. Für die Zeit nach den Einschränkungen glauben 51 Prozent der Studienteilnehmer aus Deutschland, dass ihnen mehr Flexibilität geboten wird, zum Beispiel, dass sie nicht mehr an allen Tagen ins Büro müssen. Weitere 29 Prozent vermuten, dass sie Vollzeit an den Büroarbeitsplatz zurückkehren müssen. Bei 16 Prozent haben die Arbeitgeber das Thema Flexibilität am Arbeitsplatz für die Zeit nach den Einschränkungen noch nicht angesprochen.

Unsicherheiten seitens der Arbeitnehmer

Neben der Umsetzung flexibler Arbeitsmodelle stehen Unternehmen vor der zusätzlichen Herausforderung, sicherzustellen, dass die physischen Arbeitsplätze für all jene, die wieder ins Büro zurückkehren möchten, sicher sind. 32 Prozent der Deutschen geben an, sich sicherer zu fühlen, wenn eine geringere Anzahl von Personen gleichzeitig im Büro zugelassen ist.

Weitere Maßnahmen, die zum Sicherheitsgefühl der Mitarbeitenden beitragen sind:

  • Maskenpflicht (28 %),
  • Social Distancing (26 %),
  • flexiblere Arbeitszeiten, um die Rushhour beim Pendeln zu vermeiden (19 %),
  • Technologie zur Verbesserung der Sicherheit, wie Telefone, die helfen, den nötigen Abstand zu halten (16 %).

14 Prozent der Büroangestellten befürworten außerdem verpflichtende Impfpässe. Weitere 14 Prozent unterstützen freiwillige Impfausweise. Es wurde bereits bestätigt, dass Impfzertifikate eine Rolle beim internationalen Reisen spielen werden. Außerdem wird diskutiert, ob sie auch bei der sicheren Rückkehr an den Arbeitsplatz unterstützen können.

„Unternehmen sollten auf die Wünsche ihrer Teams reagieren und die notwendigen Maßnahmen treffen, um sie zu unterstützen – ganz egal, wo sie arbeiten“, sagt Kniest. „Wenn Mitarbeitende ins Büro zurückkehren wollen, müssen entsprechende Sicherheitsvorkehrungen am Arbeitsplatz getroffen werden. Möchten sie lieber im Home-Office arbeiten, braucht es eine geeignete technische Ausstattung, die es erlaubt, jederzeit sicher und produktiv zu arbeiten und auf nötige Ressourcen zuzugreifen. In der neuen Arbeitswelt geben die Mitarbeitenden den Ton an. Der Standort hat nicht mehr oberste Priorität, und neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden sich für den Arbeitgeber entscheiden, der ihre individuellen Anforderungen und Bedürfnisse am besten erfüllt und berücksichtigt.“

Noch viel Verbesserungspotenzial bei der IT-Security

Neben der Vorbereitung der physischen Büroräume haben Unternehmen auch in puncto Sicherheit noch Aufholbedarf. Mehr als ein Drittel (35 %) der Büroangestellten in Deutschland geben an, noch immer Passwörter als einzige Sicherheitsmaßnahme zu nutzen, um sich vor Cyber-Bedrohungen zu schützen – mehr als in den Niederlanden (23 %), Schweden (29 %) und Frankreich (32 %). Nur im Vereinigten Königreich und in Italien kommen noch häufiger nur Passwörter zum Einsatz. Knapp ein Drittel (30 %) gibt außerdem an, VPNs zu verwenden, 23 Prozent nutzen Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA), und 16 Prozent wissen nicht, ob ihr Arbeitgeber Sicherheitsmaßnahmen einsetzt.

„Es ist positiv, dass bereits einige Mitarbeitende und Unternehmen Technologien wie Multi-Faktor-Authentifizierung zum Schutz vor Cyber-Bedrohungen nutzen. Die Tatsache, dass es bisher jedoch noch weniger als ein Viertel sind und viele noch immer allein auf Passwörter oder veraltete Technologien wie VPNs setzen, zeigt aber auch, dass es bei den Sicherheitsmaßnahmen noch viel Verbesserungspotenzial gibt“, kommentiert Sven Kniest. „Zu Beginn der Pandemie mussten Unternehmen schnell auf Remote-Work umstellen und haben kurzfristig Maßnahmen ergriffen, um sich zu schützen. Heute, ein Jahr später, sind viele dieser provisorischen Lösungen noch immer in Betrieb. Ein erfolgreiches und sicheres hybrides Arbeitsmodell erfordert die Konsolidierung aller Aspekte der IT. Um dies zu erreichen, brauchen Unternehmen Flexibilität bei der eingesetzten Technologie und einen strategischen Ansatz, wie sie den sicheren Zugriff ihrer Mitarbeiter auf Unternehmensdaten und -informationen verwalten, egal, wo sie sich befinden. Denn eines ist sicher: Die Arbeitswelt wird nie wieder so sein, wie wir sie vorher kannten.“

Über die Studie

Die Umfrage wurde von Okta in Auftrag gegeben und von Censuswide im März 2021 über eine Online-Plattform durchgeführt. Bei der Umfrage handelte es sich um eine landesweit repräsentative Stichprobe von Büroangestellten in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Schweden, der Schweiz und Spanien. Der Gesamtumfang der Stichprobe betrug 10.070 Menschen, darunter 2.003 Befragte aus Deutschland.

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Über den Autor

 Heidi Schuster

Heidi Schuster

Redakteurin, Online CvD, Vogel IT-Medien