Test: Western Digital My Cloud Expert EX4100 Allzweck-NAS mit Zusatzfunktionen

Von Dr. Jürgen Ehneß

NAS-Systeme (Network Attached Storage) stehen nach wie vor hoch im Kurs, bei Heimanwendern genauso wie bei Selbständigen oder in Unternehmen – kein Wunder, bieten sie doch überzeugende Vorteile. Wir haben das Modell EX4100 aus der My-Cloud-Expert-Reihe von Western Digital unter die Lupe genommen.

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Das WD My Cloud Expert EX4100 erweist sich als praktisches und einfach zu handhabendes NAS-System.
Das WD My Cloud Expert EX4100 erweist sich als praktisches und einfach zu handhabendes NAS-System.
(Bild: Western Digital)

Prinzipiell ist jedes NAS, auf das mehrere Anwender zugreifen können, eine Cloud-Lösung, genauer gesagt: eine Private Cloud. Selbstverständlich kann ein Network Attached Storage – also ein an ein Netzwerk angeschlossener Speicher – auch deutlich größere Dimensionen aufweisen, doch bewegen wir uns hier im Bereich der handlichen Dateiserver für den Einsatz in kleineren Unternehmen oder im Heim- („Consumer“) und Kreativbereich („Prosumer“). Die bekannten Vorteile eines derartigen NAS-Gerätes sind nichtsdestotrotz identisch zu denen einer „großen“ Lösung. Es kann

  • einfach installiert und konfiguriert,
  • einfach bezüglich der Speicherkapazität skaliert,
  • dank grafischer Benutzeroberfläche übersichtlich bedient,
  • als redundantes System (RAID) konfiguriert,
  • für mehrere Anwender über das Netzwerk zur Verfügung gestellt,
  • als Private-Cloud-Speicher mit Zugriff übers Internet eingerichtet und
  • als Multimedia-Server eingesetzt werden.

Vor allem für viele Heimanwender dürfte gerade der letzte Punkt ein Hauptgrund für den Erwerb eines NAS-Gerätes sein – der Bedarf an Speicherplatz für Videos und Fotos ist in den vergangenen Jahren immens gestiegen. Ähnliches gilt für den so genannten „Kreativbereich“, in dem es sich um bewegte oder unbewegte Bilder dreht: Bei Videoproduzenten, Grafikdesignern und natürlich Fotografen wachsen die Datenmengen stetig und stark. Diesbezüglich können die Geräte der My-Cloud-Expert-Serie von Western Digital schon einmal als mustergültig durchgehen, wirbt der Hersteller doch beispielsweise mit dem Einsatz des Plex Media Servers. Zudem soll die Einrichtung des Gerätes „problemlos“ vonstattengehen, so dass es nach wenigen Minuten einsatzbereit sei.

Das Gerät bietet sich demnach für kleinere Unternehmen, Selbständige oder natürlich für Heimanwender an, die ihre Fotos, Filme und sonstige Dateien zentral verwalten wollen. Darüber hinaus lässt sich das NAS selbstverständlich auch als reiner Backup-Server einsetzen. In Kombination mit einer Cloud-Lösung kann man damit außerdem im überschaubaren Rahmen eine Hybrid-Cloud aufbauen.

NAS mit vier HDDs

Western Digital bietet seine My-Cloud-NAS-Geräte in drei Baureihen an: „Home“, „Expert“ und „Pro“. Wir haben uns das Modell WD My Cloud EX4100 aus der Expert-Serie mit vier Festplattenschächten vorgeknöpft und auf Alltagstauglichkeit getestet. Bestückt ist unser Testgerät mit vier 3,5-Zoll-SATA-HDDs aus der WD-Red-Pro-Serie – die für den Einsatz in NAS-Stationen konzipiert wurde – mit je einer Kapazität von 6 Terabyte (WD60EFRX). Zusammen ergibt sich damit ein üppiger Speicherplatz von 24 TB.

Um einen Datenverlust bei einem technischen Defekt (Ausfall einer Festplatte) zu vermeiden, bietet sich eine redundante Datenhaltung an – mittels RAID. Das WD My Cloud EX4100 lässt sich neben der Einrichtung als JBoD (Just a Bunch of Disks, also ohne Datenredundanz) in den Modi RAID 0, RAID 1, RAID 5 und RAID 10 betreiben. Dabei steht natürlich weniger Speicherplatz zur Verfügung, als die Summe der Plattenkapazität rechnerisch ergibt – die Gesamtkapazität reduziert sich abhängig von der verwendeten RAID-Konfiguration; bei einer Datenspiegelung (RAID 1), wie sie häufig verwendet wird, können demnach 12 Terabyte belegt werden, wobei dann eine schnell verfügbare Datenkopie zu Backup-Zwecken vorhanden ist.

Das NAS-System lässt sich übrigens auch mit weniger als vier Platten betreiben, sogar mit nur einer HDD – dabei ist natürlich kein RAID möglich.

Vor der Installation noch ein Blick auf die technischen Daten: Der Dual-Core-Prozessor mit 1,6 GHz (Marvell Armada 388) und ein 2 Gigabyte großer DDR3-Arbeitsspeicher lassen eine ordentliche Geschwindigkeit bei der Datenübertragung erwarten. Western Digital gibt für den Upload 114 Megabyte pro Sekunde und für den Download 108 MB/s an.

Schnelle Installation

Mit dem NAS kommt ein äußerst knapp gehaltener „Quick Installation Guide“; das komplette Handbuch steht online auf der Western-Digital-Seite bereit – leider nur auf Englisch.

An Anschlüssen sind auf der Rückseite des Gerätes ein USB-2.0-, ein USB-3.0- sowie zwei Gigabit-Ethernet-Buchsen vorhanden. Auf der Vorderseite gibt es einen weiteren USB-3.0-Port. Einen HDMI-Anschluss sucht man allerdings vergeblich, was in Hinblick auf den Einsatz als Medienserver etwas verwundert.

Die Installation könnte kaum weniger aufwendig sein: Über das mitgelieferte Ethernetkabel wird das NAS-System ans Unternehmens- oder Heimnetzwerk (Router oder Netzwerk-Switch) angedockt, das Netzteil wird in eine der beiden ebenfalls auf der Rückseite vorhandenen Buchsen gesteckt und ans Stromnetz angeschlossen, und schon wird der Anschaltknopf betätigt, woraufhin das System hochfährt. Das dabei entstehende Geräusch ist relativ laut, doch sobald die zugehörige blaue LED nicht mehr blinkt, sondern durchgehend leuchtet, verebbt es – das System ist bereit. Der komplette Prozess nimmt weniger als drei Minuten in Anspruch.

Anschließend wird die im „Quick Installation Guide“ angegebene URL im Browser (Internet Explorer, Firefox, Safari oder Google Chrome) auf einem PC oder Mac aufgerufen, der an dasselbe Netzwerk angeschlossen ist, und dort wird das NAS in wenigen Schritten eingerichtet – selbsterklärend und auch für weniger geübte Nutzer problemlos machbar. Im erscheinenden Log-in-Fenster ist als User automatisch „Admin“ eingetragen; bei der ersten Eingabe ist kein Passwort erforderlich. Es folgen die Auswahl der Sprache und die Lizenzvereinbarung, die natürlich wie üblich bestätigt werden muss. Sodann kann ein Nutzer-Account kreiert werden, dem (gleich oder später) weitere Accounts hinzugefügt werden können.

Die Verwaltung des Systems erfolgt über denselben Online-Zugang, wobei das Dashboard erfreulich übersichtlich und selbsterklärend ist. Über den Reiter „Benutzer“ sind ebendiese zu managen, unter „Freigaben“ ist es möglich, den unterschiedlichen Nutzern gespeicherte Inhalte zugänglich zu machen. Auch die weiteren Funktionen sind hier zu finden, wie etwa die Synchronisierungsmöglichkeiten mit Cloud-Speichern, die Einrichtung und Änderung von RAID-Funktionen oder die Überwachung der Betriebstemperatur der eingesetzten Platten.

Externer Zugriff

Über einen Browser ist es möglich, auch von extern auf das NAS zuzugreifen, Dateien entsprechend zu nutzen oder zu verschieben. Für den reinen Einsatz im Unternehmens- oder Heimnetzwerk kann die Funktion für den Internetzugriff aber auch deaktiviert werden – das mag zwar nicht im Sinne des Erfinders liegen, ist aber durchaus sinnvoll, wenn sie sowieso nicht benötigt wird. Via USB an einen Rechner anschließen und als zusätzliches Laufwerk nutzen lässt sich das NAS allerdings nicht.

Der Zugriff auf die gespeicherten und zu speichernden Daten erfolgt übersichtlich und einfach. Auf Netzwerkrechnern erscheint das NAS in der Ordnerstruktur als Ordner, der als Unterordner neben dem von Haus aus vorhandenen „Public“-Verzeichnis weitere Ordner mit den Namen der Nutzer enthält. Diesen Ordnern können wiederum in gewohnter Weise zusätzliche Verzeichnisse untergeordnet werden, und ebenso werden alle Ordner via Drag-and-drop mit Daten befüllt oder diese je nach Bedarf verschoben oder gelöscht. Der große Vorteil gegenüber herkömmlichen NAS-Systemen liegt darin, dass, wie erwähnt, über den Browser jederzeit auch von extern auf die gespeicherten Daten zugegriffen werden kann – beispielsweise auch übers Smartphone.

Beim Upload und Download von Daten erweist sich das System zwar nicht als extrem rasant, so doch als ziemlich zügig. Für den Einsatz im Büroalltag oder für den Heimbedarf gibt’s an dieser Stelle nichts zu meckern.

Festplattenaustausch im laufenden Betrieb

Zum Schluss überprüfen wir noch den Ernstfall, für den die RAID-Funktion aktiviert wurde: den Ausfall einer Festplatte, oder besser gesagt: den dann fälligen Austausch einer HDD. Ein Hot Swapping ist immer auch reine Nervensache, aber der Versuch gelingt reibungslos; der Laufwerksschacht unserer Wahl lässt sich leicht öffnen, ebenso einfach ist die Platte zu entnehmen. Das System läuft währenddessen ohne Fehlermeldung weiter, und genauso problemlos lässt sich eine andere Hard Disk einsetzen. Eine Arretierung im Schacht selbst ist nicht vorhanden, aber man benötigt nicht viel Fingerspitzengefühl, um die neue HDD mit dem Daumen im Schacht zu halten, während man die Klappe schließt.

Fazit

Das My Cloud Expert EX4100 von Western Digital erweist sich als platzsparende und praktische Storage-Lösung für den Einsatz im Unternehmen oder zu Hause. Die Einrichtung geht problemlos und zügig vonstatten, und die Handhabung sowie die Verwaltung des NAS-Gerätes stellen sich als ebenso unkompliziert heraus. Die Speicherkapazität kann durch den Einsatz entsprechend großer Festplatten problemlos an den jeweiligen Bedarf angepasst werden, und durch die Verwendung der vorgesehenen RAID-Level werden die gespeicherten Daten NAS-typisch abgesichert.

Der Zugriff unterschiedlicher User auf das System funktioniert in der Praxis unkompliziert und reibungslos. Von herkömmlichen NAS-Geräten unterscheidet sich das My Cloud Expert EX4100 vor allem durch die Möglichkeit, von außerhalb auf die gespeicherten Daten zuzugreifen. Wird diese Funktion nicht benötigt, lässt sie sich deaktivieren. Darüber hinaus kann das NAS zudem als Basis einer Hybrid-Cloud dienen.

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(Bild: Storage-Insider)

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