Kosten für Cloud-Speicher

Cloud Computing könnte deutlich teurer werden

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Elke Witmer-Goßner

Auch deutsche Unternehmen werden in den kommenden fünf Jahren richtig viel Geld in die Hand nehmen müssen, um ihre Hybrid- und Multi-Cloud-Architekturen auszubauen.
Auch deutsche Unternehmen werden in den kommenden fünf Jahren richtig viel Geld in die Hand nehmen müssen, um ihre Hybrid- und Multi-Cloud-Architekturen auszubauen. (Bild: gemeinfrei, geralt / Pixabay)

Multi Cloud ist für viele Unternehmen alltägliche Realität; immer mehr nutzen sie, auch und gerade für Storage-Zwecke. Die Multi Cloud wird aber Opfer des eigenen Erfolges: Weil DR-as-a-Service und andere Cloud-Storage-Angebote zunehmend nachgefragt werden, könnten die Preise für Cloud Computing drastisch steigen.

Auch deutsche Unternehmen werden in den kommenden fünf Jahren richtig viel Geld in die Hand nehmen, um ihre Hybrid- und Multi-Cloud-Architekturen auszubauen. Der Enterprise Cloud Index 2019 von Vanson Bourne zeigte uns gerade, dass ganz aktuell eine gewisse Zurückhaltung bei den Ausgaben feststellbar ist; die Analysten erwarten jedoch für das kommende Jahr, dass die Bremse endgültig gelöst werden wird.

„Multi Cloud ist bereits 2019 Realität, doch dauerte es, bis die Managementpraktiken für den Betrieb mehrerer Workloads über Services, Regionen und Cloud-Anbieter hinweg ausgereift waren“, kommentiert auch Mike Sanders, VP und General Manager bei Unitrends. Aber der Trend hin zur Cloud ist insgesamt überwältigend – so dass die große Nachfrage bereits Preise steigen lässt. Und es soll noch schlimmer kommen.

Storage in der Cloud ein knappes Gut

Gerade Storage in der Cloud wird zunehmend zum knappen Gut. „Bei Rechenleistung und der Speicherung in der Cloud werden wir einer großen Herausforderung gegenüberstehen: Vielen physikalischen Grenzen der aktuellen Technologie nähern wir uns schneller, als wir ursprünglich dachten“, so Sanders. „Die bevorstehende Speicherkrise beschleunigt diese Entwicklung: Microsoft und andere Anbieter experimentieren mit innovativen Lösungen wie dem Speichern auf Glas. Wenn sie nicht schnell eine Lösung finden, könnten die Preise für Cloud-Speicher steigen.“

Die „bevorstehende Speicherkrise“ wird laut Marktbeobachtern wie denen von IC Insights durch eine enorme Nachfrage nach Flash-Speicherchips nicht zuletzt in den Rechenzentren der Hyperscaler erzeugt, welche die Preise im kommenden Jahr um rund 30 Prozent anziehen lassen wird. Zwar hätten die Hersteller sich gerade mit neuen Produktionsanlagen und der Umstellung auf 3D-NAND-Chips gerüstet, kämen aber dennoch mit der Herstellung vor allem von NVMe-Modulen nicht hinterher.

Wieso benötigen die Rechenzentren so viele Flash-Bausteine? Weil sich Strategien wie Disaster-Recovery-as-a-Service (DRaaS) durchgesetzt haben und vor allem bei großen Unternehmen im großen Stil umgesetzt werden. „Ich rechne damit, dass im Jahr 2020 dieser Trend bei kleinen und mittelständischen Unternehmen ankommt und diese vermehrt DRaaS einführen“, so Sanders. „Denn mittlerweile hat sich bei den Unternehmen herumgesprochen, dass IT-Abteilungen nicht für alle DRaaS-Dienste zu Experten für Hyperscale Cloud werden müssen. Stattdessen lagern KMU oft DRaaS zu einem Festpreis an Experten aus, was wenig Zeitaufwand und Wissen erfordert.“

Multi Cloud benötigt neue Security

Damit aber nicht genug: Mit dem Einsatz mehrerer Clouds steigt auch die Komplexität der Infrastruktur, was erhöhten Ressourceneinsatz in Sachen Security bedeutet. „Neben den Speichergrenzen gibt es noch die CPU-Seite. Im Jahr 2020 wird allgemein erwartet, dass mehr Workloads durch Edge-Computing wieder an die äußeren Ränder eines Netzwerks verlagert werden. Das bedeutet, dass es in den kommenden Jahren noch mehr Geräte [Endpunkte] zu schützen gilt als ohnehin schon“, so Sanders.

Die steigende Komplexität in der Cloud spiegelt sich auch im Angebot der Hyperscaler wieder: Allein Amazon Web Services bietet 250 verschiedene Dienste an; das jedenfalls war der Stand im Mai 2019. „Jeder dieser Dienste verfügt über eine eigene Managementkonsole und eine Reihe von APIs“, gibt Sanders zu bedenken.

„Es kann praktisch unmöglich werden, eine dynamische, hochelastische Multi-Cloud-Umgebung mit herkömmlichen Sicherheitslösungen und -strategien angemessen zu sichern. Isolierte Geräte, die für klassische Netzwerkumgebungen mit vorhersagbaren Datenströmen und Performance-Anforderungen entwickelt wurden, sind dieser Aufgabe nicht mehr gewachsen“, berichtete Christian Vogt, Senior Regional Director Germany bei Fortinet. Stattdessen seien integrierte, Fabric-basierte Security-Konzepte nötig.

„Dies beginnt mit der Auswahl von Sicherheitsgeräten und -lösungen, die so schnell und effektiv arbeiten, wie es heutige Netzwerke erfordern. Um aber eine Security-Lösung richtig einzuschätzen, müssen bei der Messung der Bedrohungsabwehr und Performance alle wichtigen Funktionen aktiviert sein – einschließlich erweiterter Firewall-Schutz, Application-Control, Intrusion Prevention (IPS), Anti-Virus, Anti-Malware, Zero-Day-Erkennung/Sandboxing und SSL-Inspektion“, so Vogt.

Security-Technologien im gesamten Netzwerk müssten zudem gesammelte Bedrohungsdaten austauschen können. Der Security-Experte rät: „Tools wie Next-Gen-Firewalls (NGFW), Web Application Firewalls (WAF), Internal Segmentation Firewalls (ISFW), Anti-Virus und Anti-Malware (AV) sowie Advanced Threat Protection (ATP) müssen selbstverständlich an verschiedenen Stellen im Netzwerk und in mehreren Formfaktoren bereitgestellt werden.“

Die Hyperscaler AWS, Azure und Google böten Sicherheitslösung für die verschiedenen Cloud-Umgebungen und entsprechende APIs. Dennoch müssten Anwender eine eigene Implementierung Fabric-basierter Security-Frameworks vornehmen. „Nur so lassen sich Daten, Workflows und Ressourcen schützen und zugleich die Herausforderungen an Performance, Skalierbarkeit und Komplexität einer sich ständig weiterentwickelnden Multi-Cloud-Umgebung erfolgreich meistern.“

Da der Markt für IT-Fachkräfte abgegrast ist, können das die IT-Teams in Unternehmen immer öfter nicht allein schultern. Hier kommen die Managed Service Provider ins Spiel.

Nachfrage nach Hilfe durch MSP steigt

Versprach Openstack vor zwei Jahren noch, immer mehr Hybrid- und Multi-Cloud-Ansätze in den IT-Strategien der Unternehmen vergleichsweise simpel abbilden zu können, so ist das Management ebendieser Infrastrukturen mittlerweile zu einer Wissenschaft für sich geworden: Nicht nur Recovery-as-a-Service wird von den Unternehmen gerne an Experten ausgelagert, auch die Cloud-Orchestrierung kann von den Unternehmen eigentlich nur mehr gemeinsam mit Partnern geschultert werden. Schließlich gilt es, gleich mehrere verschiedene Infrastrukturen zu verwalten und dabei für eine gute Performance die neuesten Tools einzusetzen.

„Die deutsche Unternehmens-IT sucht dringend nach Dirigenten. Jedoch nicht für die musikalische Untermauerung ihrer täglichen Arbeit, sondern für den erfolgreichen Betrieb ihrer digitalen Infrastrukturplattformen. Die Orchestrierung derselben ist für viele Unternehmen eine bevorstehende Herkulesaufgabe, die durch den kommenden Wandel der IT-Infrastrukturen in Richtung Multi Cloud noch deutlich erschwert wird. Die Suche nach den versierten Dirigenten, die mit den entsprechenden Werkzeugen und Plattformen umgehen können und die Sinfonie der Multi Cloud bereits beherrschen, ist für Unternehmen oftmals aussichtslos oder exorbitant teuer“, berichtete schon vor Monaten Maximilian Hille, Senior Analyst und Practice Lead bei Crisp Research.

Das ist aber kein Grund für Unternehmen, zu verzweifeln. Seiner Meinung nach sollten sich die Anwender fügen und die Hilfe von Managed Service Providern (MSP) aller Art dankbar annehmen. Neueste Trends und Technologien versprächen mittlerweile großen Erfolg: „Durch die zahlreichen Entwicklungen der Cloud-Anbieter in Richtung Hybrid Clouds, seien es Partnerschaften, eigene On-Premises-Produkte oder auch Machine Learning und Cloud-Management-Tools, haben die Unternehmen nach langer Anlaufphase endlich die Möglichkeit, Cloud-Architekturen als De-facto-Standard und Grundlage für ihre Enterprise-T zu nutzen.“

Die große Nachfrage – nach der Multi Cloud, nach Storage in der Cloud inklusive Recovery-as-a-Service, nach Flash-Bausteinen, die das erst ermöglichen, sowie nach Service-Partnern, die über das entsprechende Know-how verfügen – wird die Preise für Leistungen rund um die Multi Cloud bestimmt nicht sinken lassen.

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