Oracle-Kunden beklagen Service- und Kommunikationswüste

Der steinige Weg von Oracle zum One-Stop-Shop

04.08.2011 | Autor / Redakteur: Kriemhilde Klippstätter / Ulrike Ostler

„Das Oracle vom Silicon Valley“ blickt bis 2015. Soweit reicht derzeit die Roadmap für SPARC-Rechner; Tarot-Karten-Bild: Wikipedia
„Das Oracle vom Silicon Valley“ blickt bis 2015. Soweit reicht derzeit die Roadmap für SPARC-Rechner; Tarot-Karten-Bild: Wikipedia

Oracle sorgt für Schlagzeilen, derzeit aber nicht nur wegen neuer Produkte oder Verkaufserfolge. Dabei hat das ehemalige Softwarehaus – vor allem nach der Übernahme von Sun – einiges an interessanter Hardware zu bieten. Neben Cisco und Dell ist auch die Ellison-Company auf dem Weg zum Allround-Anbieter à la IBM und HP.

Oracle liefert sich derzeit Grabenkämpfe mit neuen Lieblingsfeinden wie Hewlett-Packard, denen man in Zukunft die Unterstützung des Itanium-Prozessors verweigern will oder mit Google um Patente zur Java-Technik.

Das lenkt ein wenig von dem ab, was die eigene Kundschaft umtreibt: Klagen über den Support, Enttäuschung über das Lizenzmodell bei der Virtualisierung, die Bürokratisierung der Abläufe für Kunden und Partner sowie seit neuestem Unruhe bei den Resellern über das angedachte „Hybrid-Verkaufsmodell“. Dazu kommt, dass die Company offenbar ihre Kommunikation nach außen strikt kontrolliert und neben Firmenchef Ellison nur Ex-HP-Chef Mark Hurd beispielsweise sagen darf, welche Erfolge man für das kommende Jahr erwartet.

Die Aufgabe: Sun-Hardware integrieren und neues Angebot schaffen

Tatsache ist, dass das Hardwaregeschäft rückläufig ist und weniger zum Gesamtumsatz beiträgt: Im vierten Quartal des Oracle-Finanzjahres, das am 31. Mai endete, verkaufte die Company um sechs Prozent weniger Hardware als im entsprechenden Quartal des Vorjahres. Trugen die Hardwareverkäufe damals noch 13 Prozent zum Gesamtumsatz bei, machen sie im vierten Quartal 2011 nur mehr elf Prozent aus.

Dennoch scheint die Integration von Sun auf einem guten Weg zu sein. Laut IDC konnte Oracle/Sun im ersten Quartal 2011 – nach Rückläufen in zahlreichen Perioden zuvor - seinen Marktanteil bei den weltweiten Umsätzen mit Servern im Vergleich zum Vorjahr sogar leicht steigern: von 6,4 Prozent im ersten Quartal 2010 auf 6,5 Prozent.

Um das Geschäft weiter zu beleben, hat Oracle zum einen die Marketing-Devise ausgegeben, wonach „Oracle Software am besten auf Oracle Hardware“ läuft. Das soll den Absatz der beiden Spezialmaschinen „Exadata“ und „Exalogic“ befördern, die für die hauseigene Datenbank beziehungsweise Middleware optimiert wurden (dazu in der kommenden Woche mehr bei DataCenter-Insider).

Die Zusatzaufgabe: einen durchgängiger Stack aufbauen

Die zweite Strategie fußt auf dem breiten Produktportfolio über das Oracle verfügt: Man setzt auf den „durchgängigen Stack“. Das versuchen andere IT-Anbieter allerdings ebenfalls. Das Verfahren ist auch unter der Bezeichnung „Unified Computing“ bekannt und benennt den Versuch, vertikal aufgebaute Lösungen bestehend aus Hardware, Virtualisierungstechnik, Netzwerk, Storage, Management und wenn möglich Applikation anzubieten.

Oracle hat kürzlich eine Studie in Auftrag gegeben, die überprüfen sollte, wie weit die Unternehmen in ihren Bemühungen um Virtualisierung und Konsolidierung schon gekommen sind. „Es ging dabei unter anderem um die Frage, wie flexibel die Firmen neue Applikationen einsetzen oder bei Mergern die zugekaufte IT-Landschaft integrieren können“, beschreibt Mike Schroeder, Senior Director Technology Business Development bei Oracle EMEA, ein wichtiges Thema der Untersuchung. „Das Ergebnis war erschreckend: die Unternehmen sind längst noch nicht so weit, wie immer geglaubt wird“.

Oracle zieht daraus den Schluss, dem Markt einen durchgängigen Stack anzubieten, damit die Unternehmen ihre Rechenzentren konsolidieren und über flexible, auf Standards basierende Ressourcen-Pools verfügen (siehe dazu auch: Oracle packt fast alles in die Kapsel ). Im Vergleich zu Mitbewerbern wie HP und IBM glaubt sich Oracle im Vorteil, weil man laut Schroeder von der Applikation bis zum Speicher „zu jeder Ebene des Stacks ein Angebot“ vorweisen könne.

weiter mit: Die Zukunft von Sparc-Servern

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