Suchen

60jähriges Festplattenjubiläum IBM RAMAC 305 / IBM 350

| Autor / Redakteur: Sebastian Gerstl / Diplom-Betriebswirtin Tina Billo

Im September 1956 und damit vor sechzig Jahren erblickte die erste Festplatte das Licht der Welt. Die IBM 350 als Bestandteil des IBM Computers 305 RAMAC war nicht nur gut eine Tonne schwer, sondern nahm mit Ausmaßen von zwei Kühlschränken, auch "ein wenig" mehr Platz als ihre Nachfolger in Anspruch. Der Speicher verfügte über die für damalige Verhältnisse gigantische Kapazität von fünf Megabyte.

Firma zum Thema

Bild aus dem Jahr 1956: Die Schreibtisch-Rechenanlage IBM 305 RAMAC (rechts) mit zwei der damals brandneuen IBM 350 Festplatten (mitte und links).
Bild aus dem Jahr 1956: Die Schreibtisch-Rechenanlage IBM 305 RAMAC (rechts) mit zwei der damals brandneuen IBM 350 Festplatten (mitte und links).
(Bild: gemeinfrei)

Anfang der Fünfzigerjahre war die Datenverarbeitung auf Rechenanlagen noch eine aufwändige Angelegenheit. Das Speichermedium der Wahl waren Lochkarten, die durch ihre Stanzung Dateninhalte abbilden konnten. Eine so genannte Hollerith-Lochkarte konnte auf diese Weise prinzipiell etwa 80 Byte an Daten abspeichern.

Doch Daten über ein Lochkartensystem abzulegen und abzurufen war oft ein mühsamer Prozess, denn sie mussten in der richtigen Reihenfolge sortiert und einzeln eingelegt werden. Kam es bei der Anordnung zu nur einem Fehler oder einer eingerissenen Papierkarte ging stunden- oder gar tagelange Arbeit unrettbar verloren.

Ein zufälliger, schneller Abruf eines ganz bestimmten Datensatzes war auf diese Weise nicht möglich. Da Rechenanlagen immer effizienter wurden und in Folge dessen immer größere Datenmengen verarbeiten konnte, wurde dieser Umstand zu einem zunehmenden Problem.

IBM gründet Entwicklungslabor

Um diese Problematik zu adressieren, rief IBM 1952 ein Storage Development Laboratory ins Leben. Aus diesem Entwicklungslabor stammte schon nach kurzer Zeit die erste Methode zum magnetischen Speichern von Daten. Am 14. September 1956 stellte das Unternehmen schließlich den IBM 305 RAMAC (Random Access Method of Accounting and Control) vor: Die erste Rechenanlage, die über eine Festplatte zum Abspeichern von Daten verfügte. Tatsächlich konnte die RAMAC sogar mit bis zu zwei Festplatten des Typs IBM 350 ausgestattet werden, die extra für dieses System erhältlich war.

Restaurierter Plattenstapel einer IBM 350: Die Festplatte enthielt 50 beidseitig magnetisierbar beschichtete Aluminiumplatten, auf denen insgesamt knapp 5 Millionen 7-Bit-Zeichen abgespeichert werden konnten.
Restaurierter Plattenstapel einer IBM 350: Die Festplatte enthielt 50 beidseitig magnetisierbar beschichtete Aluminiumplatten, auf denen insgesamt knapp 5 Millionen 7-Bit-Zeichen abgespeichert werden konnten.
(Bild: IBM 350 RAMAC / DingirXul / Wikimedia Commons / BY-SA 2.5)

Die Technik

Die erste Festplatte war in ihren Abmessungen größer als die Rechenanlage, für die sie betrieben wurde. Das Gehäuse einer IBM 350 war 1,72 Meter hoch, 1,52 Meter lang sowie 74 Zentimeter breit, insgesamt brachte es die Festplatte auf ein Gewicht von 971 Kilogramm.

Im Inneren befanden sich 50 Aluminiumplatten mit einem Durchmesser von 61 Zentimetern, die auf beiden Seiten Mit einer Magnetschicht überzogen waren und im Abstand von acht Millimetern gestapelt wurden. Die Platten selbst rotierten mit bis zu 1.200 RPM (Revolution per Minute, Umdrehungen pro Minute).

Zwei Arme mit Schreib- und Leseköpfe fuhren zum Lesen oder Beschreiben der Platten erst den Stapel vertikal ab und griffen dann auf den gewünschten Datenbereich unter- oder oberhalb der Platte zu. Auf jeder dieser Platten befanden sich je 50.000 Sektoren auf Ober- und Unterseite, in denen 7-Bit-Zeichen gespeichert wurden. Das ergab ein Datenvolumen von 5.000.000 Bits pro Festplatte. Die Datendichte betrug 0,000002 MByte pro mm².

Um das Verhältnis Größe und Kapazität zu verdeutlichen, ein Beispiel: Für die Speicherung der Daten, die heute auf einer Festplatte mit 8 Gigabyte Platz finden, müssten 1.600 der IBM 350-"Kühlschränke" gestellt werden.

Höheres Datenvolumen war technisch bereits machbar

Technisch gesehen hätte die IBM 350 auch mehr als 5 Millionen Zeichen pro Festplatte speichern können. Die Marketing-Abteilung von IBM hatte sich allerdings angeblich gegen ein größeres Volumen entschieden: Man wüsste nicht, wie man eine so hohe Datenmenge verkaufen könnte.

60 TByte Kapazität wie sie Seagate auf der Halbleiter-Leistungsshow ,dem Flash Memory Summit 2016, präsentierte, wären vor 60 Jahren allerdings unvorstellbar gewesen.

Miete statt Kauf

Wie es für das Geschäftsmodell von IBM zu jener Zeit üblich war, konnten weder das RAMAC 305 noch die zugehörige Festplatte gekauft werden. Statt dessen musste man die Geräte bei IBM mieten. Ein RAMAC 305 kostete 1956 monatlich 3.200 US-Dollar, eine zusätzliche Festplatte schlug mit jeweils 650 US-Dollar pro Monat zu Buche.

IBM fürchtete Kannibalisierungseffekt

Übrigens stand die Festplatte anfänglich nicht unter einem guten Stern. Während der Entwicklungsphase drohte das Projekt vom IBM Board of Directors gestoppt zu werden: Die Manager fürchteten, der dauerhafte Festplattenspeicher könnte IBMs zu jener Zeit noch gut laufendes Geschäft mit den Lochkarten gefährden. Schließlich brauchte man keine Karten mehr, wenn die Daten einfach gesichert werden konnten.

(ID:44269902)

Über den Autor