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A3 Technology Live: Cerabyte, Keepit, Hammerspace, Piql Innovative Lösungen für die Langzeitarchivierung

Von Michael Matzer 8 min Lesedauer

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Auf der ersten diesjährigen Technology Live der Agentur A3 Communications, die in München stattfand, präsentierten Cerabyte, Piql, Keepit und Hammerspace Innovation oder den aktuellen Stand ihrer Produktentwicklung. Die deutsche Cerabyte und die norwegische Piql stellten Lösungen für die Langzeitarchivierung von Daten vor, die bis zu 5.000 Jahre lang überdauern sollen.

Neben den etablierten Speichertechnologien Tape, drehende Festplatte und Flash-Speicher entstehen Storage-Alternativen – vor allem zur digitalen Langzeitarchivierung mit einer Datenhaltbarkeit von bis zu 5.000 Jahren.(Bild:  Midjourney / KI-generiert)
Neben den etablierten Speichertechnologien Tape, drehende Festplatte und Flash-Speicher entstehen Storage-Alternativen – vor allem zur digitalen Langzeitarchivierung mit einer Datenhaltbarkeit von bis zu 5.000 Jahren.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Cerabyte

Der Münchener Anbieter Cerabyte hat die Langzeitaufbewahrung von Daten im Blick. Martin Kunze, der Marketingleiter, sieht bis 2040 eine Versorgungslücke bei Langzeitspeicher voraus. Speicher müsse kostengünstig, performant und langfristig haltbar sein. Die Lösung lautet: Keramik. Die von Cerabyte produzierten, beschichteten Silizium-Fliesen könnten mehrere Petabyte speichern.

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Sie seien mit einem Digital Mirror Device (DMD) beschreibbar und mit einem Sensor auszulesen. Auf der Bit-Ebene werden Millionen Bits per Laser in Mikroporen mit einem „Schuss“ geschrieben. Das Auslesen erfolgt mit „Mega-Pixel-Sensor“-Technologie, die ebenfalls Millionen von Bits mit einem „Schuss“ liest. Die Lesegeschwindigkeit liege bei einem bis zwei GB pro Sekunde, aber der Zugriff bis zum ersten Bit dauere noch 90 Sekunden, soll aber bis 2030 bis auf unter 10 s sinken.

Für die Lagerung der Keramikfliesen werden die Scheiben in Kassetten gesteckt, die den LTO-Formfaktor wie für Bandlaufwerke aufweisen. Mit einer automatisierten Bibliothek lassen sich alle Scheiben im Random-Access-Verfahren heranziehen und auslesen. Das Archivmedium selbst sei unveränderbar, und um die Daten zu löschen, müsse man das Medium zerstören und recyceln. Um das Medium noch in 100 Jahren zu lesen, stünden die heutigen Lesegeräte für die Kassetten bereit, „oder Sie bauen Ihr eigenes Lesegerät“, so Kunze.

Der Stand der Technik ist noch ausbaubar. Erst 2027 sollen kommerzielle Systeme auf den Markt kommen. „Dann werden die Technologie schneller und die Produktionskosten niedriger sein“, sagte Kunze, „von heute 9.500 US-Dollar auf weniger als 100 US-Dollar pro Medium.“ Angestrebt sei ein Preis von 1 US-Dollar pro Terabyte im Jahr 2030. Jedes Rack speichert derzeit 1 PB, doch bis 2030 soll diese Kapazität auf über 100 PB gesteigert werden.

Unterm Strich biete die Keramiktechnik dauerhafte (ca. 5.000 Jahre), unveränderliche und durch Open-Codecs abgesicherte Speichertechnik, die sich nachhaltig in vielen Industriebereichen und bei Behörden einsetzen lasse. Für den Einzelverbraucher ist das System eher weniger geeignet. „Wir kooperieren seit 2023 mit dem CERN in Genf, erhalten öffentliche und private Finanzierung und unterhalten Niederlassungen in USA und Österreich“, fasste Kunze zusammen.

Keepit

Die dänische Datensicherungsfirma Keepit sichert alle Kundendaten in der eigenen unabhängigen und europäischen Cloud. Vice President Henrik Brusgaard zeigte sich besorgt über den Trend, dass SaaS-Anwendungen eine immer höhere Bedeutung für Geschäftsprozesse erhielten, aber meist über unzureichende Datensicherungsfunktionen verfügten.

Die Gefahren für die Kundendaten nehmen zu. US-Präsident Donald Trump hat den Digital Equity Act gekündigt („Privacy Shield“ wurde bereits 2020 vom EUGH gekippt) und missachtet die Rechtsprechung des Internationalen Gerichtshofs. Microsoft folgt ihm in seiner Haltung, so dass die Europäische Kommission überlegt, MS Azure zu ersetzen. „Es ist notwendig, die Kundendaten über eine unbegrenzte Aufbewahrungsdauer sicher aufzubewahren“, so Brusgaard. MS365 gewähre aber nur höchstens 90 Tage Aufbewahrung im „Papierkorb“.

„Besonders Unternehmen aus dem KRITIS-Umfeld sowie Organisationen, die unter die neuen Regelungen von NIS-2 und DORA (Digital Operational Resiliency Act) fallen, setzen auf unsere Lösungen – und zunehmend auch der öffentliche Sektor im Zuge der Microsoft-365-Einführung“, sagte Michael Heuer, VP DACH und Zentraleuropa bei Keepit. An dem neuen Angebot Azure Local ließ er kein gutes Haar: „Da besteht keinerlei Souveränität.“ Nicht zuletzt deshalb, weil der Patriot Act der US-Regierung das Recht einräumt, beliebige Daten aus der Azure-Cloud ausgehändigt zu bekommen.

Eine weitere Herausforderung sieht Brusgaard in der Infrastruktur, die KI-Workloads erfordere, also Training, Inferenz und so weiter, und spricht von „AI Data Readiness“. Das bedeute, dass solche gesicherten Daten stets aktuell und schnell abrufbar sein müssten. Keepit biete als einziger Backup/DR-Funktionen in der europäischen Cloud. „Das bedeutet die Beachtung der DSGVO und des Rechts-auf-Vergessenwerden“, betonte Brusgaard. Schrems II und Schrems III, benannt nach dem österreichischen Datenschutzpionier Max Schrems, würden ebenfalls umgesetzt.

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Dieses Jahr will Keepit acht weitere SaaS-Applikationen schützen, die zu den acht aktuellen hinzukommen. Dazu gehören die Helpdesk-Software Atlassian Jira (verfügbar), Atlassian Confluence (verfügbar), Okta (ab August), DocuSign (August), Miro (August), Slack (Q4/25), Bamboo HR (Oktober) und schließlich GitHub. Diese Microsoft-Plattform für Open-Source-Software soll im vierten Quartal 2025 eine neue Benutzeroberfläche erhalten, und diese und deren Kundendaten will Keepit schützen.

„Atlassians nativer Backup- und Wiederherstellungsdienst für Jira und Confluence speichert Daten nur für maximal 30 Tage – danach verfallen sie und lassen sich nicht wiederherstellen“, schreibt Mark Groves auf seinem Keepit-Blog. „Außerdem gibt es ein Limit für die Wiederherstellung ohne Unterstützung durch den Atlassian-Support: Backups über 60 GB erfordern die Hilfe des Supports. Und der Backup-Service steht nicht allen Atlassian-Nutzenden zur Verfügung.“

Die Keepit-Roadmap sieht die Unterstützung einer unbegrenzten Anzahl von SaaS-Apps vor, die der Kunde wählen kann. „Die Use-Cases werden zudem Intelligent Disaster Recovery und Intelligent Security Insights sowie Data-Preservation sein.“ CTO Jakob Östergard gewährte einen Blick ins Keepit-Labor. Dort spielt besonders das Thema KI eine Rolle. Nicht nur LLMs verändern sich, sondern auch KI-Agenten, die das Model-Context-Protocol (MCP) nutzen.

Östergard wollte im „Labor“ herausfinden, welche Modelle unsicher sind. Von den Modellen, die in einer abgesicherten Sandbox getestet wurden, fielen vier durch. Das ist nicht so ermutigend. „Es bleibt abzuwarten, wie sich Multi-Agenten-KI-Umgebungen gegenüber Backups verhalten“, sagte Östergard und zeigte weitere Use-Cases auf, die möglicherweise unethisch sind. „Hier müssen verfügbare Guardrails genutzt werden.“ Am Schluss zeigte er die Möglichkeit auf, dass Keepit in den Security-Markt eintritt.

Hammerspace

Hammerspace, ein Spezialist für globales Datenmanagement, wurde von Senior Technical Marketing Engineer Dan Duperron vertreten. Durch ein umfassendes, parallelisiertes Filesystem lassen sich Datensilos beseitigen, was beispielsweise den Zugriff von KI-Modellen auf Datenpools erleichtert und beschleunigt. Möglich wird dies durch Entkopplung der Metadaten von der Storage-Infrastruktur. Dadurch können die Daten an Ort und Stelle verbleiben.

Für diese Datenorchestrierung sind zahlreiche Konnektoren Voraussetzung, so etwa zu Bare Metal, On-Premises und Cloud-Quellen: mit File- und Object-Storage-Protokollen wie S3 und NFS. Konkurrenten sind das quelloffene Lustre sowie das proprietäre Panasas. Duperron stellte die jüngste Version 4.2 seines Parallel-NFS-Client vor. Er soll hohe Flexibilität hinsichtlich NFS-Datenpfaden und flexiblem Daten-Layout bieten (ab NFS 3.x) und bald auch als Container agieren. Denn Hammerspace unterstützt auch Kubernetes.

In Zusammenarbeit mit Meta Platforms habe Hammerspace eine Speicherkapazität von 42 PB sowie die hohe Übertragungsgeschwindigkeit von 12,5 TB/s demonstriert. „Damit eignet sich das Hammerspace-NAS als schnellste Lösung für das Trainieren von KI-Modellen“, strich Duperron heraus. In der Oracle Cloud würden Nvidia-GPUs genutzt, die Nvidia GPU Direct unterstützen.

Viele GPUs sind in Nvidia-DGX-Appliances verbaut, doch ihr schneller NVMe-Speicher ist häufig kaum ausgelastet. Um den Speicher auszulasten und anderen Zwecken wie etwa Modelltraining zur Verfügung zu stellen, hat Hammerspace Ende 2024 „Tier Zero“ angekündigt, das nun verfügbar ist. Tier-Zero-NVMe-Speicher ist um ein Vielfaches schneller als Tier-1-Speicher, erfordert aber weder neue Treiber oder Agenten.

Seit Mai 2025 sei zudem das RPC-Protokoll „Localio“ auch in Red Hat Linux enthalten. Localio erlaubt dem Linux-NFS-Client und dem Linux-NFS-Server einen zuverlässigen Handshake, um festzulegen, ob sie sich auf demselben Host befinden. Ist das der Fall, können sie das Netzwerk-RPC-Protokoll umgehen, so dass die entsprechenden Lese-, Schreib- und Bestätigungs-Vorgänge schneller erfolgen können.

In jüngster Zeit, so Duperron, habe Hammerspace an sogenannten „Objectives“ gearbeitet, die ungefähr Policies und Richtlinien entsprechen, aber weniger verpflichtend zu verstehen seien: „Es sind Absichtserklärungen und lassen sich auf verschiedenen Ebenen für das Datenmanagement implementieren, auf Datei-, lokaler und S3-Bucket-Level.“ Zweck dieser Skripte ist es, die vorliegenden Metadaten für verschiedene Zwecke auszunutzen: Datenplatzierung, Replikation und Spiegelung, Performance und Datensicherheit. Auch die Belange von Governance und Compliance wie DSGVO ließen sich so umsetzen.

Piql

Die norwegische Firma Piql, die 2002 von Rune Bjerkestrand gegründet wurde, strebt keine 5.000 Jahre, sondern lediglich bescheidene 500 bis 1.000 Jahre „Lebensdauer“ für den speziellen Film an, auf dem Off- und Online-Daten gespeichert werden können. Um den Film lesen zu können, sei kein gesondertes Lesegerät nötig, führte der Gründer vor Publikum aus. Der 35-mm-Film sei nicht nur unveränderbar, sondern auch ein nachhaltiges Medium. Ein Bitstream schreibt hochauflösenden 4K-QR-Code, der auch mit bloßem Auge zu betrachten ist, etwa ein Bild der „Mona Lisa“, für den Rest reicht ein Vergrößerungsglas.

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An Kunden wie der Bibliothek des Vatikans oder dem Arctic World Archive lässt sich ablesen, dass der Film und sein zugehöriges Geräte- und Software-System nicht für die breite Masse gedacht sind. „Es gibt drei zentrale Anwendungsfälle“, fasste Managing Director Bjerkestrand zusammen:

  • 3. nachhaltige Datenspeicherung für lange Zeiträume (was auf ungefähr 60 Prozent aller Daten zutrifft). Denn der Film sei gegen elektromagnetische und radioaktive Einflüsse „immun“.

Kunden wie der Vatikan oder der tschechische Rundfunk benötigen automatisierte Lösungen: Ein Lesegerät – die Bauanleitung ist auf jedem Film lesbar – für den QR-Code, einen Acrobat Reader und auf einem Computer oder in der Cloud eine Virtuelle Maschine (VM). Ein neuer PiqlWriter erzeugt den Piql-Film, und ein PiqlReader ist bereits Open Source. Die SaaS-App „PiqlConnect“ verbindet alle Komponenten und lässt sich um weitere Services, etwa für Security, erweitern. Mit diesen Diensten verdiene Piql sein Geld, sagte Bjerkestrand. Eine PiqlVault lässt sich für einen kleinen Obolus mieten, um die Filme, von denen jede Rolle etwa 950 m lang ist, zu lagern. „Die komplette Lösung eignet sich als Franchise für B2B-Partner“, so der Gründer, „und wurde auch schon nach Brasilien, Indien und die VAE verkauft.“

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