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Digitale Aufbewahrung Was ist Digital Preservation?

| Autor / Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Stefan Luber / Dr. Jürgen Ehneß

Unter Digital Preservation sind Strategien, organisatorische Abläufe und technische Maßnahmen zusammengefasst, um digital vorliegende Informationen über lange Zeiträume aufzubewahren und deren Lesbarkeit zu erhalten. Für die Digitale Aufbewahrung sind zahlreiche Aspekte wie eingesetzte Speichermedien, Hard- und Software, Datenformate und Schnittstellen zu berücksichtigen.

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Die wichtigsten IT-Fachbegriffe verständlich erklärt.
Die wichtigsten IT-Fachbegriffe verständlich erklärt.
(Bild: © aga7ta - Fotolia)

Deutsche Begriffe für Digital Preservation sind „Digitale Aufbewahrung“, „Digitale Langzeitaufbewahrung“ oder „Digitale Langzeitarchivierung (LZA)“. Digital Preservation legt keinen konkreten Aufbewahrungszeitraum fest, wie er beispielsweise für Backups oder die Kurzzeitarchivierung oft definiert ist. Es sollen viel mehr Strategien, organisatorische Abläufe und technische Maßnahmen bereitgestellt werden, um digital vorliegende Informationen prinzipiell unbefristet verfügbar und lesbar zu halten.

Hierfür muss die Digitale Langzeitarchivierung Möglichkeiten schaffen, den ständigen Fortschritt und Wandel in der Informationstechnik zu bewältigen. Es sind Aspekte wie eingesetzte Speichermedien, Hard- und Software, Datenformate und Schnittstellen zu berücksichtigen. Um die Herausforderungen der Digitalen Langzeitarchivierung zu meistern, kommen Verfahren wie Migration, Emulation oder Refreshing zum Einsatz.

Herausforderungen der Digitalen Aufbewahrung

Für die Langzeitaufbewahrung digitaler Informationen sind zahlreiche Herausforderungen zu meistern. So verlieren magnetische oder optische Speichermedien aufgrund von chemischen, magnetischen oder anderen Einflüssen mit der Zeit einen Teil ihrer gespeicherten Informationen. Daten müssen mit hohem Aufwand rekonstruiert werden oder sind gar nicht mehr lesbar.

Der schnelle technische Fortschritt im IT-Bereich führt zudem dazu, dass die eingesetzte Hard- und Software oder die verwendeten Schnittstellen zum Lesen der Daten nach einigen Jahren nicht mehr verfügbar sind. Auch das Format der Daten ist eventuell nach einem längeren Zeitraum nicht mehr interpretierbar. Obwohl die digitalen Informationen auf den Speichermedien noch vollständig vorhanden sind, stehen sie aufgrund fehlender Geräte oder nicht interpretierbarer Formate nicht mehr zur Verfügung.

Lösungsstrategien und Technologien zur Bewältigung der Herausforderungen

Damit digitale Informationen in einem Archiv über lange Zeiträume verfügbar und lesbar bleiben, nutzt Digital Preservation folgenden Lösungsstrategien und Technologien:

Als Datenformate kommen offene Standards zum Einsatz. Aufgrund der öffentlich vorliegenden Spezifikationen dieser Standards lassen sie sich auch nach vielen Jahren noch interpretieren. Darüber hinaus kann regelmäßig eine Konvertierung in aktuellere Formate stattfinden.

Um zu verhindern, dass die Alterung der Speichermedien die Daten unlesbar macht, müssen sie nach definierten Zeitabständen auf neue Datenträger kopiert werden. Werden Daten unverändert und Bit-gleich auf ein identisches Speichermedium kopiert, bezeichnet man dies als „Refreshing“.

Beim Umkopieren lassen sich bei Bedarf alte, nicht mehr gebräuchliche Speichermedien, Speicherformate und Speichertechniken ersetzten. In diesem Fall findet kein Refreshing, sondern eine Migration der digitalen Informationen auf eine neue Systemumgebung statt.

Eine weitere Strategie ist es, die Eigenschaften und das Verhalten veralteter Hard- oder Software auf neuen Systemen zu emulieren. Durch die Emulation bleibt die ursprünglich eingesetzte Technik länger nutzbar, und ältere Daten können auf aktuellen Rechnerumgebungen gelesen werden.

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