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Eine kostengünstige Backup-Infrastruktur für kleine, mittelständische Unternehmen Mit Wechselfestplatten gegen Datenverluste und Katastrophen

Autor / Redakteur: Rainer Graefen / Nico Litzel

Explodierende Datenmengen sind in den Marketingabteilungen von Storage-Herstellern das scheinbar unschlagbare Argument, um für die eigenen skalierbaren und flexiblen und modularen Produkte zu werben. Dass Anwender auch mit ganz normalen Speichermedien ihre Daten vor großen und kleinen Katastrophen schützen können, zeigt das nachfolgende Beispiel.

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Kleinere Unternehmen können auch mit einfachen Mitteln ihre Daten kostengünstig schützen, wie das Beispiel AxiCom zeigt.
Kleinere Unternehmen können auch mit einfachen Mitteln ihre Daten kostengünstig schützen, wie das Beispiel AxiCom zeigt.
( Archiv: Vogel Business Media )

Lange Zeit galten Speichertechniken schlicht als langweilig, als ein Thema, das nicht einmal IT-Enthusiasten zu begeistern vermochte. In letzter Zeit hat es den Anschein, dass sogar Technikmuffel sich über das Thema ereifern können. Die Anbieter groß angelegter Speichersysteme versuchen verstärkt, ihre Produkte auch kleinen und mittelständischen Unternehmen schmackhaft zu machen.

Man erhält leicht den Eindruck, als habe ein Mittelständler mit 15 Angestellten den Anschluss an den IT-Zug verpasst, wenn er nicht wenigstens ein iSCSI-Speichernetz vorzuweisen hat, um Datenmengen von mehreren Terabyte zu sichern und verfügbar zu halten. Bei näherer Betrachtung der tatsächlichen Erfordernisse zeigt sich allerdings, dass auch bei der Datensicherung die Devise gilt: Kleiner ist besser.

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Die für ITK-Unternehmen tätige PR-Agentur AxiCom beispielsweise hat auf Anfrage von Storage-Insider.de ein Resümee über den eigenen Speicher- und Datensicherungsbedarf gezogen. Die Agentur hat vor einigen Jahren mithilfe des externen IT-Dienstleisters Volker Brück ein Netzwerk installiert, in dem elf Mitarbeiter „Daten“ für eine größere Anzahl an Kunden produzieren. Brück ermittelte auf unsere Nachfrage für das Jahr 2007 bislang eine Datenmenge auf dem Server von weniger als 20 Gigabyte. Seit 2003 summiert sich das Datenvolumen der Agentur auf insgesamt 113 Gigabyte.

„Angesichts öffentlicher Debatten um Datenmengen im Tera- und Petabyte-Bereich war das Ergebnis für mich fast enttäuschend“, gibt Geschäftsführerin Martina Brembeck augenzwinkernd zu. Sie hatte sich zuvor schon größere Sorgen gemacht, ob ihr Unternehmen in Streitfällen gerüstet sei, um behördlichen Vorschriften nachkommen zu können. Angesichts der „geringen“ Datenmenge wäre die Suche in E-Mail- und anderen Dokumentdateien aber noch mit einer Desktop-Suchmaschine und in einem überschaubaren Zeitraum zu bewältigen.

Mit Struktur gegen das Datenwachstum

Bei AxiCom werden sämtliche Daten, die allgemein verfügbar sein müssen, auf einem zentralen Server mit lokalem Speicher abgelegt. Darunter fallen die Presse-Datenbank, wichtige Kundendokumente und sämtliche Pressematerialien. Auf diesen Server greifen aktuell elf Clients über ein Ethernet-LAN zu. Auch auf den Clients sind wichtige Daten gespeichert. So setzt man bei AxiCom beispielsweise keinen zentralen Mailserver ein, da jeder Benutzer seinen eigenen E-Mail-Account verwaltet.

Die Bedarfsanalyse zeigt, dass die zu sichernde Datenmenge in dieser Infrastruktur bei entsprechend strukturierter Vorgehensweise überschaubar ist. Selbst bei einer Vollsicherung würden auch langsame Bandlaufwerke wie Hewlett-Packards DAT 72 reichen. Bei einer Geschwindigkeit von heute langsamen drei Megabyte pro Sekunde respektive 10,8 Gigabyte pro Stunde würde ein Backup-Fenster von zwei Stunden ausreichen und damit eine Übernachtsicherung erfordern. Bei einem Brand beispielsweise hätte diese zur Folge, dass die Daten eines ganzen Arbeitstages verloren wären.

Mehrfachkopien helfen bei Katastrophen

Aufgrund solcher Erwägungen riet der IT-Dienstleister Martina Brembeck zum Einsatz einer Wechselfestplatte von Iomega. Beim aktuellen Laufwerk REV 70 GB werden Kopiergeschwindigkeiten von 30 Megabyte pro Sekunde erreicht. Damit ließe sich bei AxiCom selbst eine Gesamtsicherung noch schnell vor dem Feierabend ausführen, da 16 Gigabyte Daten unter optimalen Bedingungen innerhalb von zehn Minuten kopiert wären.

Parallel dazu macht man bei AxiCom noch zusätzlich ein Backup auf eine externe USB-Festplatte, die in der Regel am Server verbleibt, sodass sich versehentlich gelöschte Dateien sehr schnell wiederherstellen lassen.

Das Wechselfestplattenmedium ist für die anderen Wechselfälle des Lebens da, sodass man in der Agentur auch vor Viren, Würmern oder Überspannungen geschützt ist, die den Server lahmlegen könnten. Regelmäßig hinterlegt Brembeck zusätzlich eine „Offline“-Wechselfestplatte an einem sicheren Ort, um auch für den wirklich schlimmsten Katastrophenfall, wie einen Brand im Bürogebäude, gewappnet zu sein.

Dieses mehrstufige Datensicherungskonzept dürfte ausreichend sein, um auch kleinere Katastrophen zu überstehen. Sollte beispielsweise ein Hardware-Fehler den Server außer Gefecht setzen, könnten die AxiCom-Mitarbeiter sogar auf alle Server-Daten zugreifen, da sich die externe USB-Festplatte an jedem beliebigen Rechner ohne zusätzliche Software anschließen lässt. Dazu wäre nur eine Freigabe der Festplatte oder untergeordneter Verzeichnisse notwendig.

Auch für die Datensicherung der Clients ist gesorgt. Diese werden täglich abends auf mobile 2,5-Zoll-Iomega-Festplatten gesichert, die ebenfalls abends mitgenommen oder im Tresor eingeschlossen werden können. Da die Festplatten über USB-2.0-Schittstellen angeschlossen sind, ist der Einsatz unproblematisch, und zudem ist für eine schnelle Datenübertragung gesorgt.

Als Backup-Software setzt AxiCom die Freeware DriveImage XML von Runtime Software ein, die ein komplettes Image des Original-Laufwerks erstellt. Bei Bedarf kann neben der Wiederherstellung einzelner Dateien oder Verzeichnisse auch die gesamte Festplatte wiederhergestellt werden. Das hat den Vorteil, dass sich im Falle eines Hardware-Fehlers auf dem Client, der neben den Daten auch Anwendungen und die Betriebssysteminstallation unbrauchbar macht, das gesamte System in kurzer Zeit auf neuer Hardware wieder herstellen lässt und nicht komplett wieder aufgebaut werden muss.

Archivieren entlastet die Produktivsysteme

Da „Altdaten“ auf den Clients im Jahresrhythmus auf DVD gesichert werden, bleibt die Datenmenge auf den Clients gering, und eine Kapazität von 120 Gigabyte der Iomega-Festplatten reicht auch für Berater aus, die Präsentationen, Datenblätter und Bildmaterial der Kundenprodukte auf ihren Rechnern installiert haben. Selbst mehrere Betriebssysteme in virtuellen Maschinen von VMware werden hierbei täglich gesichert.

Eins ist klar bei diesem Backup-Konzept. Es funktioniert nicht vollautomatisch. „Alle unsere PR-Berater verfügen über ausgeprägtes technisches Know-how und haben per se keine Probleme mit der Umsetzung unserer Backup-Strategie“, erläutert Brembeck. „Das System lässt sich jedoch so einfach bedienen, dass auch die Assistenzkräfte leicht damit zurechtkommen.“

Aus Gesprächen mit anderen Anwendern weiß Storage-Insider.de, dass Geschäftsführerin Brembeck mit ihrem Lösungsansatz nicht alleine dasteht. Das Beispiel AxiCom belegt, dass kleinere Unternehmen erstens nicht mit riesigen Datenmengen zu kämpfen haben und zweitens auch die Unwägbarkeiten des Lebens mit einfachen Mitteln in den Griff zu bekommen sind.

Vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen ist am besten mit einer so weit als möglich automatisierten Backup-Strategie gedient, die mit kleinen, zuverlässigen Speichermedien arbeitet, statt auf eine komplexe und damit teure zentrale Infrastruktur zu bauen, die geschultes Personal benötigt. Solche Konzepte lassen sich flexibel und trotzdem sicher genug handhaben, sehen jedoch durch ihre individuelle Ausgestaltung häufig jedoch sehr unterschiedlich aus, obwohl sie auf einem gemeinsamen Ansatz basieren.

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