Weg von RPO und RTO – hin zu ständiger Datenverfügbarkeit

Paradigmenwechsel bei der Datensicherung

| Autor / Redakteur: Sven Haubold* / Dr. Jürgen Ehneß

Die Zeit drängt bei der Datenwiederherstellung – kein Unternehmen kann sich lange Ausfallzeiten leisten.
Die Zeit drängt bei der Datenwiederherstellung – kein Unternehmen kann sich lange Ausfallzeiten leisten. (Bild: Shaiith)

Backup und Wiederherstellung sind an sich technische Selbstverständlichkeiten. Es geht aber für große Unternehmen längst um mehr als nur um Sicherung, sondern um ständige Verfügbarkeit – sowohl von Daten als auch von Systemen und Anwendungen.

Backup und Wiederherstellung diktieren zwar immer noch häufig die Diskussion. Doch mit diesen Vokabeln erfasst man nur einen Teil der Aufgabe „Datensicherung“. Es geht nicht mehr um Wiederherstellung, wenn viele Unternehmen sich kaum mehr eine Unterbrechung ihrer Geschäftsabläufe leisten können. Es geht auch nicht mehr nur um Daten, sondern auch um Systeme und Anwendungen. Konnte früher mit dem Zurückspielen der Informationen noch ein Tag vergehen, erfordern digitalisierte und automatisierte Abläufe einen Recovery Point Objective (RPO, Zeitpunkt der letzten Sicherung) beziehungsweise ein Recovery Time Objective (RTO, notwendige Zeit für die Wiederherstellung) von Minuten oder Sekunden. „Wiederherstellung“ ist das falsche Wort. An ihre Stelle tritt die Forderung nach dauerhafter Verfügbarkeit.

Immer höhere Schaden durch Ausfälle

Kontinuierliche Verfügbarkeit wird auch deswegen immer wichtiger, weil Schäden durch den Ausfall von Anwendungen und Systemen oder durch das Fehlen von Informationen immer größer werden. Laut einer aktuellen IDG-Studie gaben 98 Prozent der Unternehmen mit 1.000 und mehr Angestellten an, dass eine einzelne Stunde Ausfallzeit sie im Schnitt 100.000 Dollar oder mehr kostet. 81 Prozent der Befragten bezifferten die Kosten auf 300.000 Dollar, jeder dritte sogar auf mehr als eine Million Dollar.

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Und das sind meistens nur die unmittelbaren Schäden durch Umsatzverlust. Kaum zu beziffern sind Folgeschäden: Etwa die Kündigung verärgerter Kunden oder potentielle Abschlüsse, die nicht gemacht werden konnten. Langfristig können unter Umständen Anfragen auf Information durch Kunden unter Inanspruchnahme von DSGVO-Rechten nun nicht mehr pflichtgemäß bearbeitet werden. Ganz zu schweigen von verloren gegangenem Unternehmenswissen.

Immer komplexere Anforderungen

Mit Unternehmensstrukturen wachsen zugleich auch die IT-Infrastrukturen sowohl an Größe als auch an Komplexität. Typischerweise geht es um die globale Sicherung dezentraler Windows- oder Linux-Umgebungen mit Recovery virtueller Maschinen – gegebenenfalls mit Anbindung an verschiedene Cloud-Strukturen.

Ein großes Unternehmen wie der Software-Hersteller PTV Group aus Karlsruhe mit 900 Mitarbeitern sichert etwa 1.000 virtuelle Server (500 VMware und 500 Hyper-V) mit einem unkomprimierten Datenvolumen von 700 Terabyte Produktivdaten, benötigt aber auch eine Hochverfügbarkeitslösung und eine zusätzliche E-Mail-Archivierung. Doch selbst Sicherungsinfrastrukturen im kleineren Unternehmen können schnell komplex werden, wenn drei Rechenzentrumsstandorte oder eine Zentrale und zahlreiche Filialen zu sichern sind. Schließlich haben kleinere Unternehmen meistens auch weniger Ressourcen zur Verfügung.

Unabhängig von der Unternehmensgröße laufen in Betrieben und Behörden verschiedene Geschäftsprozesse ab. Jede Abteilung hält dabei die eigenen Abläufe für die wichtigsten. In der Realität diktieren dann die Fachabteilungen den Rahmen von RPOs und RTOs. In einem Autohaus verlangen sowohl die Werkstattabteilung wie auch die Abteilung für Finanzierungshilfen im Zweifelsfall immer höhere Service-Wiederherstellungszeiten und häufigere Wiederherstellungspunkte.

Bedienoberfläche einer RHA-Software (Replication and High Availability).
Bedienoberfläche einer RHA-Software (Replication and High Availability). (Bild: Arcserve)

Auch wenn jeder der erste sein will: Angesichts knapper Ressourcen und unterschiedlicher Meinungen zur Priorisierung von Systemen, Anwendungen und Daten können Verfügbarkeit und Sicherung nur granular realisiert werden – nach RTOs und RPOs, die für Abteilungen und Anwendungen unterschiedlich festgelegt werden müssen. Die Herausforderung an die Datensicherer ist enorm. Im Zweifelsfall müssen RPO und RTO gleichermaßen berücksichtigt werden können: 53 Prozent der im Auftrag von Arcserve 2018 befragten 754 Entscheider aus den USA, Großbritannien und Deutschland konnten sich nämlich nicht entscheiden, welche der beiden Größen die entscheidendere sei. Beide Parameter waren für sie gleich wichtig.

Mehrwert durch Verfügbarkeit

Für viele Unternehmen im Enterprise-Segment und im gehobenen Mittelstand findet ein Paradigmenwechsel statt: weg von der Wiederherstellung hin zur permanenten Hochverfügbarkeit für alle Fälle. Das ist technisch ohne weiteres möglich. Hochverfügbarkeitslösungen replizieren in Echtzeit Daten und sichern sie damit kontinuierlich. Eine journalbasierte Technologie für die Replikation von Dateiveränderungen auf Byte-Applikations- und Full-Systems-Level macht RPOs und RTOs als Kriterien obsolet. Sie ermöglicht das beliebige Rückspulen auf zurückliegende Datenzustände vor einem Ausfall. Die Replikation bietet zudem das automatische Failover auf das Replikasystem. Eine Lösung, die hersteller- und Hardware- und prozessorunabhängig die Sicherung aus verschiedenen virtuellen Servern und Umgebungen ermöglicht, schafft die notwendige Flexibilität. So werden sowohl historisch gewachsene als auch sich schnell verändernde Infrastrukturen gesichert. Eine Replika eröffnet zudem weitere Mehrwerte. Sie ist ein hilfreiches Zwischenglied für die Migration von physikalischen zu virtuellen Umgebungen. Failover und Failback können auch genutzt werden, um Systeme im laufenden Betrieb mit geringeren Kosten, ohne Zeitdruck und damit besser warten zu können. Außerdem bieten Replikas System- und Applikationsklone für die Entwicklung und das Testen neuer Anwendungen und Abläufe.

Sven Haubold, Territory Account Director bei Arcserve.
Sven Haubold, Territory Account Director bei Arcserve. (Bild: Arcserve)

Für kleinere Unternehmen empfiehlt sich dagegen eine einheitliche Plattform zur Sicherung von Infrastrukturen, Daten und Anwendungen. Solche Lösungen arbeiten mittlerweile Hardware-unabhängig und ermöglichen eine vergleichbare Granularität und Flexibilität der Sicherung. Durch eine zentrale Verwaltung aller Prozesse können auch kleineren Unternehmen, Datensicherungen effizient bewältigen. Mit RPOs und RTOs, die im Rahmen von 15 Minuten liegen. Für kleinere und nicht technikaffine Unternehmen kommt dies oft einer de-facto-kontinuierlichen Verfügbarkeit von Daten, Systemen und Anwendungen gleich.

*Der Autor: Sven Haubold, Territory Account Director bei Arcserve

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