Interview mit Jürgen A. Krebs, Hitachi Vantara „Auch Mittelständler benötigen eine solide Infrastruktur“

Autor / Redakteur: M.A. Dirk Srocke / Dr. Jürgen Ehneß

Mit den Modellen VSP E590 und E790 hat Hitachi Vantara neue All-Flash-Arrays für den Mittelstand vorgestellt. Auch das Virtual-Storage-as-a-Service-Angebot richtet sich an KMU. Wir haben nachgefragt, welche Vorteile sich den adressierten Unternehmen durch die Speicherlösungen bieten.

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All-Flash-Arrays und Storage-as-a-Service für KMU: Hitachi Vantara hat entsprechende Lösungen parat.
All-Flash-Arrays und Storage-as-a-Service für KMU: Hitachi Vantara hat entsprechende Lösungen parat.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Vor Kurzem wurde die Hitachi Virtual Storage Platform (VSP) E Series nach unten erweitert; mit den All-Flash-Speicherlösungen VSP E590 und E790 will der Anbieter insbesondere beim Mittelstand punkten. Darum haben wir jetzt mit Jürgen A. Krebs von Hitachi Vantara nicht nur über die Lösungen selbst gesprochen, sondern auch über das Marktumfeld diskutiert.

Storage-Insider: Bereits die im vergangenen Jahr vorgestellte VSP E990 zielte vor allem auf den Mittelstand. Wie passen die neuen Modelle VSP E590 und E790 in diesen Kontext?

Jürgen A. Krebs, Hitachi Vantara: Bei den Storage-Systemen für den Mittelstand hat die E990 neue Maßstäbe gesetzt, die wir jetzt auf kleinere, technisch ebenfalls hochperformante Systeme übertragen haben. Die Anforderungen dazu kamen aus dem Mittelstand, der sich noch kompaktere, günstigere, dabei aber kompromisslos leistungsfähige Systeme gewünscht hatte. Diesen Wünschen haben wir mit den neuen Systemen E590/E790 Rechnung getragen. Als reine nicht erweiterbare 2U-Systeme sind die „Neuen“ auf bis zu 24 NVMe-Medien ausgelegt und bereits auf den Betrieb mit SCM-Medien (Storage Class Memory) vorbereitet.

Insgesamt sind damit sind bis zu 361 Terabytes an internem Speicher erreichbar, virtuell lässt sich der Speicherraum auf bis zu 216 Petabytes erweitern. Darüber hinaus können die Systeme sowohl als zentraler Speicher für unsere neuen NAS-Köpfe (HNAS 5000) als auch als Objektspeicher in Verbindung mit unserer Hitachi Content Platform genutzt werden. Wie bei allen unseren VSP-Systemen kommt dabei unser Storage-Betriebssystem SVOS-RF zum Einsatz. Bei der gegebenen Flexibilität und dem zu erzielenden Datendurchsatz rechnen wir damit, dass die E590 und E790 mittelfristig unseren bis heute genutzten Dauerbrenner, die HUS VM, ablösen werden.

Interessanterweise erreicht die VSP E790 mehr IOPS und Bandbreite als die VSP E990, die als leistungsstärkeres System vermarktet wird. Worauf sollten Kunden bei der Auswahl ihrer Systeme achten?

Generell geht es bei der Auswahl vor allem um die maximal zu erwartende Speicherkapazität seitens des Kunden. Bei der E990 liegt diese bei 1,444 Petabytes, bei den neuen Systemen E590 und E790, wie bereits erwähnt, bei 361 Terabytes. Bei sehr hohem Speicherbedarf sollte daher eher zu dem größeren Modell gegriffen werden.

Ansonsten wurde bei den „Neuen“ aber nicht gespart: Bei der Konnektivität sind bis zu 24 Fibre-Channel-Kanäle mit bis zu 32 GB/s oder zwölf iSCSI-Kanäle mit 10 GB/s möglich. Neben dem klassischen Fibre-Channel-Protokoll soll in Zukunft auch NVMe oF integriert werden. Die IO-Performance reicht bei der E790 bis zu 6,8 Millionen IOPS und liegt damit durch die geringere Zahl der anschließbaren Medien sogar noch über der E990. Grundsätzlich gilt auch bei den kleinere Systeme die hundertprozentige Datenverfügbarkeitsgarantie und durch Datenreduktion eine um den Faktor höhere, garantierte Kapazität. Alles in allem sind das innerhalb dieser Klasse sicherlich einmalige Zusicherungen.

Bobby Soni, Ihr President Digital Infrastructure, spricht in diesem Zusammenhang nicht nur von attraktiven, sondern von „aggressiven“ Preisen. Was heißt das konkret?

Unsere Lösung richtet sich an Kunden im mittleren Marktsegment und bietet diesen ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Die neuen VSP E590 und E790 adressieren viele zentrale Probleme des Mittelstands, wie etwa das ungebremste Wachstum der Rechenzentren. Probleme wie die Verkabelung und das Clustering mehrerer Knoten werden beseitigt, dazu ist die Raumausnutzung besser, und die Lösung liefert deutlich mehr IOPS als vergleichbare Angebote von Wettbewerbern – und das alles bei nur zwei Höheneinheiten in einem Rack (2U). Die Preise beginnen konkret bei etwa 40.000 US-Dollar inklusive Support.

Jürgen A. Krebs verantwortet seit 2016 das CTO Office für die Central Region bei Hitachi Vantara.
Jürgen A. Krebs verantwortet seit 2016 das CTO Office für die Central Region bei Hitachi Vantara.
(Bild: Hitachi Vantara)

Kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) können Hitachi Virtual Storage „as a Service“ in einem verbrauchsbasierten Modell erwerben. Für wen lohnt sich das, und wer sollte besser auf eigene Hardware setzen?

Hitachi Virtual Storage as a Service ist ein von Partnern bereitgestelltes Storage-as-a-Service-Angebot für mittelständische Unternehmen. Es verbindet eine Public-Cloud-ähnliche Nutzung und SaaS-Verwaltungsschnittstelle mit den Kontrollmöglichkeiten einer On-Premises-Infrastruktur. Wie alle anderen Unternehmen auch benötigen Mittelständler eine solide Infrastruktur, die in der Lage ist, mit „Nachfragewellen“ umzugehen, die oft unerwartet auf sie einprasseln. Um auf solche schnellen Nachfrageänderungen reagieren zu können, benötigen sie einen Service, mit dem sie Ressourcen zuweisen und umverteilen können. Solche Kunden können sich für Hitachi Virtual Storage as a Service entscheiden. Sobald Datenanforderungen vorhersehbarer werden, und zwar in immer größeren Intervallen, ist der Zeitpunkt erreicht, an dem die Verwendung eigener Hardware Vorteile gegenüber einem Cloud-Service mit sich bringt.

Apropos Marktstruktur: Gartner hat Hitachi Vantara kürzlich als Leader im Magic Quadrant für Primary Storage Arrays eingestuft. Es gibt aber noch eine Reihe von Herstellern, die vor Ihnen liegen. Wie wollen Sie den Rückstand aufholen?

Aus unserer Sicht müssen wir dabei zwei Sachverhalte unterscheiden: Im erwähnten Magic Quadrant, in dem Unternehmen bewertet werden, ist Hitachi Vantara zum wiederholten Mal im Leaders-Quadranten vertreten und wurde von Gartner explizit für Fortschritte bei seinem VSP-Plattform-Angebot hervorgehoben. Was uns aber noch wichtiger ist: Im „Solid-State Array Critical Capabilities Report“, in dem Produkte bewertet werden, wurde die VSP 5000 in den vier wichtigsten Anwendungsfällen in einem Feld von 17 Wettbewerbsprodukten auf Platz eins oder zwei eingestuft und schlug dabei unter anderem Dell EMC PowerMax, IBM FlashSystem und Pure FlashArray. Die VSP 5000 belegte Platz eins für OLTP und in den beiden Kategorien Anwendungskonsolidierung und Performance. Bei Server-Virtualisierung/ VDI und Containern lag sie auf Platz zwei und ist auch in diesem Jahr wieder die Nummer eins bei RAS. Die E990 wurde erst kurz vor Ende des Evaluierungszeitraums auf den Markt gebracht, rangiert aber ebenfalls in der oberen Hälfte der Konkurrenzangebote.

Zu den unbestrittenen Pluspunkten zählt auch die gemeinsame Architektur der Midrange-Systeme mit dem High-End-Portfolio. Welche Vorteile bietet das Ihren Anwendern?

Eines der Unterscheidungsmerkmale der VSP-Familie ist, dass es sich um eine einzige Speicherarchitektur handelt. Sie wurde speziell entwickelt, um die Datenanforderungen von „Core to Cloud“ bis hin zum Mikro-Rechenzentrum abzudecken. Dadurch können wir kosteneffiziente, abgespeckte Versionen unserer „großen“ VSP-Speicher-Arrays anbieten, ohne dass dabei die Enterprise-Funktionalität verloren geht. Unser Betriebssystem und unsere Management-Tools decken das gesamte Portfolio vom Einstiegs- bis zum Enterprise-Bereich ab. Der Hauptvorteil ist, dass Kunden bei der Entscheidung, welches System für sie das richtige ist, nicht zwischen verschiedenen Architekturen, Funktionen oder Tools wählen müssen. Stattdessen können sie sich einfach auf die Eigenschaften und Anforderungen ihrer Anwendungen konzentrieren.

Vielen Dank für das Interview, Herr Krebs!

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Jürgen A. Krebs ist seit Juli 2004 bei Hitachi Vantara tätig und verantwortet seit 2016 das CTO Office für die Central Region. Mit Hilfe seiner umfangreichen Branchenerfahrung von mehr als 30 Jahren gestaltet er die strategische Ausrichtung von Hitachi Vantara mit Fokus auf die Kernkompetenzen des Unternehmens. Der begeisterte Techniker beschäftigt sich in seiner Freizeit leidenschaftlich mit jeglicher Art von Elektronik, Motorenbearbeitung und dem Motocross.

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