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Backup-Spezialist Rubrik intensiviert Europageschäft „Auf Enterprise-Kunden fokussieren“

Autor / Redakteur: lic.rer.publ. Ariane Rüdiger / Dr. Jürgen Ehneß

Rubrik, spezialisiert auf Backup & Recovery, intensiviert das Deutschland- und Europageschäft. Für Storage-Insider sprach Ariane Rüdiger mit Achim Freyer, seit Februar dieses Jahres Regional Director Central and Eastern Europe bei dem Unternehmen, über seine Ziele und die Trends im Markt für Datensicherung.

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Auf dem Weg zur unkomplizierten Datensicherung: Rubrik.
Auf dem Weg zur unkomplizierten Datensicherung: Rubrik.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Storage-Insider: Herr Freyer, Sie sind seit Februar für das Geschäft von Rubrik im Bereich Zentral- und Osteuropa zuständig. Bevor Sie bei Rubrik angefangen haben, waren Sie lange bei Dell EMC. Erst Bolide, jetzt Start-up – wie fühlt sich das an?

Achim Freyer, Rubrik: Ganz anders, aber gut. Man hat mich ja seitens Rubrik ins Unternehmen geholt, und ich bin gekommen, weil ich Backup und Recovery gern einfacher und unkomplizierter für die Kunden machen würde. Viele Lösungen sind unnötig kompliziert, weil sich so besser Produkte und Services verkaufen lassen. Bei Rubrik war ich zuerst für das Geschäft im deutschsprachigen Raum zuständig, das sich erfreulich entwickelt hat. Deshalb haben wir nun die Rubrik Germany GmbH in Frankfurt gegründet.

Können Sie diese Entwicklung durch Zahlen untermauern?

Freyer: Rubrik gibt grundsätzlich kaum Regionaldaten nach außen. Ich kann Ihnen aber mitteilen, dass wir weltweit einen Umsatz von rund 600 Millionen Dollar machen und derzeit etwa 1.600 Mitarbeiter beschäftigen, im deutschsprachigen Raum etwa 60. Weltweit haben wir rund 2.500 Kunden.

Sie beginnen Ihre Aufgabe in herausfordernden Zeiten. Hat das irgendwie beeinflusst, worauf Sie sich fokussieren?

Freyer: Einige Kunden haben Projekte verschoben, andere beschleunigen sie aber sogar, um effizienter und schneller zu werden. Der wirtschaftliche Einfluss von Corona wird sich wohl erst wirklich im dritten Quartal zeigen, und wir hoffen, dass Kunden die Reduktion von Total Cost of Ownership und die Vereinfachungen im Betrieb zukünftig mehr denn je schätzen werden.

Was haben Sie sich für das erste Jahr vorgenommen?

Freyer: Ich habe mir aktuell zwei Ziele vorgenommen: Erstens ein noch besseres Verhältnis zu unseren Partnern, von denen es in Deutschland etwa 20 gibt. Dazu gehören neben den Großen wie AWS, Google und Azure MSPs und Cloud-Provider wie Bechtle und Noris sowie Integratoren wie SVP. Wir verkaufen ausschließlich über Partner, und denen möchte ich noch intensiver vermitteln, dass sich das für sie lohnt. Zweitens möchte ich in meiner Region vor allem Enterprise-Kunden gewinnen. Wir haben das Team durch erfahrene Mitarbeiter, die sich genau mit diesem Kundenkreis auskennen, erweitert und führen vielversprechende Gespräche, die, so hoffen wir jedenfalls, innerhalb des laufenden Jahres auch in Abschlüssen resultieren werden.

Wie groß ist denn Ihr Marktanteil weltweit oder in Ihrem Verantwortungsbereich?

Freyer: Auch dazu darf ich nichts sagen. Aber es ist da noch Platz nach oben. Marktführer ist ja zur Zeit Veeam mit 35 Prozent. Allerdings gehören zu Veeams Kunden, besonders hier in Deutschland, viele KMUs, und das ist überhaupt nicht unsere Zielgruppe.

„Fokus auf der Intensivierung der Partnerbeziehungen und Enterprise-Kunden“ – Achim Freyer, Regional Director Central and Eastern Europe Rubrik im Interview.
„Fokus auf der Intensivierung der Partnerbeziehungen und Enterprise-Kunden“ – Achim Freyer, Regional Director Central and Eastern Europe Rubrik im Interview.
(Bild: Ariane Rüdiger)

Wen sehen Sie vor allem als Wettbewerb?

Freyer: Natürlich die großen, angestammten Player, deren Infrastrukturen heute meist etwas veraltet und vor allem kompliziert wirken. Auch neue Anbieter wie Cohesity, wobei es hier eher um Storage geht, während der Backup als Zusatzleistung daherkommt. Und natürlich Backup-Spezialisten wie Commvault.

Zielen Sie bevorzugt auf Unternehmen aus besonderen Branchen?

Freyer: Wir haben viele Kunden aus dem öffentlichen Sektor; auch der Gesundheitssektor ist für uns wegen der Sensibilität der Daten interessant. Das ist übrigens ein Markt, in den man ohne entsprechende Partnerschaften kaum hineinkommt.

Wie viel Storage muss denn ein Unternehmen brauchen, damit sich Ihre Lösung lohnt, und wie viel sichert der durchschnittliche Kunde?

Freyer: Wir gehen davon aus, dass man rund 200 virtuelle Maschinen betreiben muss. Und der Durchschnitt unserer Kunden dürfte Backup-Volumina im höheren dreistelligen Terabyte-Bereich haben, mit großen Abweichungen nach oben und nach unten.

Womit punkten Sie bei Ihren Kunden besonders?

Freyer: Unsere wichtigsten Argumente sind die hohe Geschwindigkeit bei der Datenwiederherstellung und auf Metadaten basierende optionale Dienste wie RADAR und SONAR. RADAR ist etwa ein Jahr im Markt und ein Service, der mit AI-Mechanismen Ransomware-Angriffe sehr frühzeitig erkennt und eine sehr schnelle Wiederherstellung ermöglicht.

Wie funktioniert das?

Freyer: Wir bewahren die Metadaten aller gesicherten Daten entweder auf Bricks auf, unseren Appliances, oder auf der Storage, die beim Kunden an unsere Software angebunden ist. RADAR analysiert die Metadaten für den Ransomware-Schutz vor allem auf Veränderungshäufigkeit. Die liegt meist im niedrigen einstelligen Prozentbereich aller Daten. Wenn sie plötzlich steigt, ist mit Sicherheit etwas passiert. Entweder ein ungewöhnlicher, aber nicht bösartiger Vorgang – etwa wenn jemand ein ganzes Verzeichnis löscht. Oder jemand greift an. Ist das der Fall, meldet das System das, sorgt dafür, dass es aufhört, und wir wissen, wo von jeder Datei die letzte nicht korrumpierte Version liegt. Auf die können Kunden dann sofort und einzeln zurückgreifen. So lassen sich genau die Dateien als erstes wiederherstellen, die man fürs Anlaufen der Systeme braucht. Das schlägt sich in sehr kurzen Recovery-Times nieder.

Und SONAR?

Freyer: Dieser Service ist ganz neu. Wir führen ihn gerade bei einigen Kunden ein, die von uns zunächst besonders viel Unterstützung erhalten. SONAR sorgt dafür, dass Unternehmen alle Compliance-Anforderungen einhalten. Damit sind Regelwerke wie PCI, GDPR oder firmeninterne Regelwerke gemeint. Das System analysiert alle archivierten Daten, ob sie mit den Regeln übereinstimmen. Daten werden zum Beispiel von vornherein nur da gelagert, wo sie auch sein dürfen. Außerdem generiert das System Berichte, die entsprechende Daten in der geforderten Form liefern. Das ist für die Unternehmen gerade bei Prüfungen eine große Entlastung.

Wie sonst schützen Sie gesicherte Daten?

Freyer: Wir haben ein eigenes Filesystem und verschlüsseln mit militärischer Sicherheit von Ende zu Ende. Dazu verwenden wir einen selbstentwickelten Algorithmus. Unsere gesicherten Daten sind deshalb gegen Ransomware immunisiert. Einer unser Schweizer Kunden, bei dem es einen Ransomware-Angriff gab, konnte so schon wenige Stunden später wieder online gehen.

Vorläufig.

Freyer: Ja, natürlich. Hacker entwickeln sich ständig weiter, aber wir tun das auch.

Was hat Rubrik in den kommenden Jahren konkret in Sachen Weiterentwicklung vor?

Freyer: Wir wollen noch mehr mit den Metadaten und ihrer Analyse machen; sie sollen die Grundlage für neue Services werden.

Wie sieht es mit der Unterstützung neuer Umgebungstypen aus, zum Beispiel Container-Landschaften oder Hybrid Clouds?

Freyer: Was in unseren Laboren gerade entwickelt wird, können wir nicht verraten. Wir haben in den vergangenen Jahren viele grundsätzliche Veränderungen in der IT erlebt. Erst die Virtualisierung, dann Hyperkonvergenz, jetzt Container-Infrastrukturen und die Cloud. Backup hinkt meist etwas hinterher und passt sich dann an die neuen Gegebenheiten an. Beispielsweise gibt es unsere Lösung inzwischen auch als reinen Cloud-Service, also SaaS, allerdings nur für Kunden, die wirklich alles in der Cloud sichern. Aktuell sehen wir den Trend zu mehr Disaster Recovery aus der Cloud, weil Kunden dann unter Umständen eines oder mehrere Redundanzrechenzentren abschalten und so Geld sparen können. Auf spezialisierte Backup-Lösungen für Container-Umgebungen wird man sicher noch zwei bis drei Jahre warten müssen. Aber kommen werden sie mit Sicherheit.

Vielen Dank für das Interview, Herr Freyer!

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Über den Autor

lic.rer.publ. Ariane Rüdiger

lic.rer.publ. Ariane Rüdiger

Freie Journalistin, Redaktionsbüro Rüdiger