Die Cloud-Storage-Abrechnungsmodelle von Amazon, Google, Azure, Telekom und OVH im Vergleich – Teil 1

Das kostet Storage in der Google Cloud

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Dr. Jürgen Ehneß

In Teil 1 unserer Cloud-Storage-Abrechnungsmodelle untersuchen wir Google Cloud Storage.
In Teil 1 unserer Cloud-Storage-Abrechnungsmodelle untersuchen wir Google Cloud Storage. (Bild: © metamorworks - stock.adobe.com)

Storage-Angebote aus der Cloud haben die verschiedensten Ausformungen. Leider auch die Abrechnungsmodelle dafür – gerne kochen die vielen Anbieter ein eigenes Süppchen. Abgerechnet wird mal nach Stunden oder sogar Sekunden, pro Nutzer oder pro übertragenem Gigabyte. Wir haben uns die Abrechnungsmodelle vorzugsweise für das angesagte Object-Storage genauer angesehen und vergleichen die Speicherangebote von AWS, Google Cloud, Azure, Telekom sowie OVH.

Cloud Computing bezeichnet heute in erster Linie „die bedarfsgerechte Nutzung von IT-Leistungen wie beispielsweise Software, Speicherplatz oder Rechenleistung über Datennetze“, so der Bitkom. Abgerechnet wird nach dem „Pay-as-you-use“-Prinzip, bei dem nur bezahlt wird, was auch wirklich genutzt wurde. Im Prinzip.

Denn wie sieht es in der Praxis aus? Wir betrachten im Folgenden die dafür nötigen An- und Eingaben der Nutzer und die konkreten Preismodelle der führenden Hyperscaler vorzugsweise für das angesagte Object-Storage, als da wären:Google, AWS und Azure (Preisangaben dazu in US-Dollar), dazu die Abrechnungsmodelle der Telekom und des französischen Anbieters OVH (Preisangaben dazu in Euro). Im ersten Teil unserer Übersicht nehmen wir die Google Cloud unter die Lupe.

Beispiel 1: Preisgestaltung für Google Cloud Storage

In diesem Abschnitt wird das Abrechnungsmodell für Google Cloud Storage Schritt für Schritt beschrieben. Der Anwender muss zunächst einen Bucket erstellen, der drei Attribute hat: einen global nur einmal vorkommenden Namen, einen Standort und eine standardmäßige Speicherklasse für Objekte, die dem Bucket hinzugefügt werden sollen.

Dann gilt es, die Region auszuwählen, in der sich das entsprechende Rechenzentrum befinden soll. Unsere Wahl fällt auf Frankfurt/Main, nicht irgendwo in der Welt oder gar in den USA, auch wenn das um einige Cent pro Gigabyte (GB) billiger wäre.

Als nächstes muss die Klasse der Speicherung ausgewählt werden: Es gibt „Multi-Regional Storage“, „Regional Storage“, „Nearline Storage“ und „Coldline Storage“.

Regional Storage eignet sich zum Speichern von Daten am selben regionalen Standort, an dem sich die entsprechenden Compute-Engine-Instanzen oder Google-Kubernetes-Engine-Cluster befinden. Nearline Storage offeriert etwas geringere Verfügbarkeit und eine Mindestspeicherdauer von 30 Tagen zu niedrigeren Kosten. Die Speicherklasse Coldline Storage eignet sich für „kalte“ Daten, auf die höchstens einmal pro Jahr zugegriffen wird; die Verfügbarkeit ist entsprechend niedrig, die Mindestspeicherdauer beträgt 90 Tage.

Unterschiedlich hohe Verfügbarkeiten

Der Standort Frankfurt weist in der Regional-Storage-Klasse eine Grundgebühr von 0,023 US-Dollar pro GB und Monat auf, in der Nearline-Klasse 0,013 und in der Coldline-Klasse 0,006 Dollar. Wenn Nutzer einen Bucket erstellen, ohne eine Speicherklasse anzugeben, wird er in der API automatisch als Standard Storage aufgeführt. Standard Storage entspricht normalerweise der Multi-Regional-Storage-Klasse, wegen der Standortwahl Frankfurt hier aber nun der Klasse Regional Storage. Die Speicherklassen weisen darüber hinaus weitere Merkmale wie unterschiedlich hohe Verfügbarkeiten, unterschiedliche SLAs zur Verfügbarkeit, verschieden hohe Kosten pro belegtem GB (abhängig von der Häufigkeit der Zugriffe) et cetera, et cetera auf. Die Klassen können mittels des „Object Lifecycle Managements“ so geregelt werden, dass Objekte automatisch in eine günstigere Storage-Klasse überführt werden, wenn sie festgelegte Kriterien erfüllen.

Als nächstes sind Gebühren für die Netzwerknutzung zu entrichten, egal, ob es sich um Traffic zu anderen Cloud-Storage-Buckets oder Google-Cloud-Platform-Diensten (GCP) handelt, um die Nutzung bestimmter GCP-Netzwerkprodukte oder um Traffic nach außerhalb der GCP oder zwischen Kontinenten. Wenn Objektdaten oder Objektmetadaten aus Buckets gelesen werden, fallen innerhalb der GCP am selben Standort keine, ansonsten ab 0,01 Dollar pro GB an.

Für unser Beispiel Frankfurt werden für ausgehenden Traffic an Ziele auf der ganzen Welt (außer Asien und Australien) wenigstens 0,12 Dollar pro GB und Monat fällig, ab 10 Terabyte (TB) sind es nurmehr 0,08 Dollar. Am teuersten ist ausgehender Traffic an Ziele in China (außer Hongkong) mit 0,23 Dollar pro GB und Monat, wenn man bis zu einem TB versendet. Größere Mengen werden leicht günstiger.

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Zusätzliche Kosten

Leider kommt es noch komplizierter: Für die Nutzung spezieller Netzwerkdienste wie „Cloud CDN“, „CDN Interconnect“, „Cloud Interconnect“ oder „Direct Peering“ fallen zusätzliche Kosten an. Ach ja, wenigstens das: Eingehender Traffic ist immer kostenlos.

War’s das? Nein, auf keinen Fall. Nutzer müssen darüber hinaus Vorgangsgebühren entrichten. Ein Vorgang ist eine Aktion, bei der Änderungen an einem Bucket oder einem Objekt in Cloud Storage vorgenommen oder entsprechende Informationen abgerufen werden. Es gibt zwei Klassen von Vorgängen, jeweils entweder für Objekte oder für Klassen (die werden unterschiedlich bepreist!): A und B – und diese gelten jeweils für 10.000 Vorgänge, die mit einem weiteren komplexen und gestaffelten Preissystem versehen sind. Bis zu 5.000 Vorgänge sind übrigens bei A kostenlos, bei B gibt es bis zu 50.000 Gratisvorgänge.

Die Variablen einer Vorabberechnung der anfallenden Kosten sind spätestens hier so viele, dass kein IT-Verantwortlicher der Welt sie mehr überblicken kann. Ein Preisrechner soll ihnen deswegen das Abschätzen der auf Sie zukommenden Kosten erleichtern. Zudem gibt Google Preisbeispiele an die Hand – hier ein einfaches (es geht auch sehr viel komplizierter):

Angenommen, Sie wollen 50 GB in das Multi-Regional Storage schieben (1,30 Dollar), dazu kommen 10 GB ausgehender Traffic nach Nord-/Südamerika und EMEA (1,20 Dollar), 10.000 Vorgänge der Klasse A (Hinzufügen von Objekten, Auflisten von Buckets und Objekten/0,05 Dollar) sowie 50.000 Vorgänge der Klasse B (Abrufen von Objekten sowie von Bucket- und Objektmetadaten/0,02 Dollar), dann würden Sie im Monat 2,57 Dollar berappen müssen.

Abrufkosten und Mindestspeicherdauer

Dumm nur, wenn Sie etwa unter Google Cloud Storage Nearline oder Google Cloud Storage Coldline Daten oder Metadaten lesen, kopieren oder neu schreiben wollen, denn dann fallen zusätzliche Abrufkosten an. Zudem gilt eine Mindestspeicherdauer. Generell gilt laut Google: „Für das vorzeitige Löschen fallen Gebühren an, wenn Sie ein vorhandenes Objekt vor Ablauf der Mindestspeicherdauer überschreiben oder verschieben, weil in beiden Fällen die ursprüngliche Datei gelöscht wird. Beim Verschieben eines Objekts fallen außerdem Kosten für den Datenabruf an, weil die ursprüngliche Datei an ihren neuen Standort kopiert werden muss. Sowohl beim Überschreiben als auch beim Kopieren fallen die üblichen Speicherkosten für das Objekt an, das durch den Überschreibungs- oder Kopiervorgang entsteht.“

Wenn man sich die vielen Variablen des großen Fallbeispiels ansieht, bekommen IT-Verantwortliche vielleicht noch eher ein Gespür dafür, was sie Storage auf der GCP wirklich kostet. Da kommen bei ordentlichen Mengen im Monat schnell 10.000 US-Dollar und mehr zusammen.

In Teil 2 unserer Übersicht widmen wir uns Amazon S3 und Microsoft Azure Storage, in Teil 3 folgt die Open Telekom Cloud, und den Abschluss macht in Teil 4 der französische Anbieter OVH.

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