Flash kann vieles besser, nur nicht preiswert

Hybride Storage-Arrays leisten viel bei geringen Investitionen

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger / Rainer Graefen

Dell sieht das hybride Storage-Array als Konsolidierungsplattform für heterogene Storage-Workloads
Dell sieht das hybride Storage-Array als Konsolidierungsplattform für heterogene Storage-Workloads (Bild: Dell EMC)

Die von den Herstellern gern propagierten All-Flash-Arrays sind für viele Anwender zu teuer, auch wenn die Preise fallen. Als Alternative kommen hybride Flash-Arrays in Frage. Sie vereinigen Flash und Festplatten in einem Gerät.

Flash als alleinseligmachende Alternative in der Speichertechnik wird wohl noch eine Weile auf sich warten lassen. Der wichtigste Grund dafür liegt in den Kosten von Flash. Vorläufig bestehen nämlich weiterhin große Preisunterschiede zwischen der festplattenlosen und der mittels rotierender Festplatten arbeitenden Speichertechnologie.

Aufgrund wachsender Produktionskapazitäten fallen Flash-Preise durchaus auch heute zehn bis 15 Prozent pro Quartal, allerdings können vorübergehende Knappheiten durch Produktionsausfälle, steigende Nachfrage und Ähnliches durchaus auch kurzfristige Aufwärtsbewegungen auslösen.

Performance kostet

SSD-Platten mit 1 TByte Fassungsvermögen und PCIe-Anschluss für direkten Prozessorzugriff kosten heute zwischen 0,38 Euro und 4,40 Euro pro GByte – Tendenz langfristig fallend, aber wie gesagt, durchaus mit Zwischenhochs. Anwender, die mit einer SATA-Schnittstelle zufrieden sind, können schon ab 20 Cent / GByte einsteigen – allerdings um den Preis einer geringeren Übertragungsgeschwindigkeit.

Wer die aktuelle NVMe-Technik möchte, muss pro TByte Flash über 900 Euro berappen. Besonders teuer schlägt die in Business-Systemen gern verwendete SAS-Schnittstelle zu Buche, hier nennen einschlägige Preisportale einen Einstiegspreis von über 1,40 € / GByte, was 1.400 Euro pro TByte entspricht.

Die Hardcore-Festplatte mit 12-GBit/s-SAS und 1 TByte Speicher gibt es schon ab 243 Euro, mit 6-GBit-SATA sogar schon ab 185 Euro. Das heißt, die Preise liegen je nach Vergleichsobjekt um mindestens einen höheren zweistelligen Prozentwert bis zum Mehrfachen unter denen von SSDs, und da auch bei Festplatten die Leistungen weiter steigen und die Preise verfallen, wird sich wohl so schnell noch nichts daran ändern, dass Festplatten günstiger sind.

Mancher Workload braucht keine Superleistung

Dazu kommen Workload-Charakteristiken, die durchaus nicht immer SSD-Performance fordern. Wer beispielsweise Streaming-Dienste bereitstellen will, kann dies meist auch gut mittels leistungsfähiger Festplatten tun, denn die Daten liegen hier auf der Festplatte direkt hintereinander – wenn also das Einstiegssegment gefunden ist, "flutscht" der Download auch ohne SSD, sofern alle anderen Komponenten mitspielen.

Hybride Arrays haben aus Sicht von Anwendern mehrere Vorteile: Sie können die zwar schrumpfenden, aber dennoch vorhandenen Preisvorteile der bewährten Festplattentechnik den Anwendern weiterhin erhalten, bieten aber gleichzeitig die Chance, von aktuellen Entwicklungen hinsichtlich der Storage-Technologie zu profitieren. Sie versuchen, das Beste zweier Welten zu Lösungen zusammenzufügen, deren Flash- und HDD-Kapazitäten häufig flexibel ausgelegt sind. Dann können Anwender bei Bedarf mal die eine, mal die andere Seite aufstocken. Wenn die Geräte eine Vielzahl von Schnittstellen unterstützen, was regelmäßig der Fall ist, lassen sie sich ohne Weiteres in bestehende Infrastrukturen einbinden.

Gerade für kleinere und mittelständische Unternehmen sind sie eine bezahlbare Alternative, auf professionellem Niveau von Flash-Technik zu profitieren, ohne gleich voll auf sie zu setzen. DellEMC sieht in hybriden Arrays gar die ideale Plattform für die Konsolidierung heterogener Speicher-Tasks, die vorher in Silos gehalten wurden.

Das sollten hybride Arrays können

Neben der Unterstützung möglichst vielfältiger Speicherschichten sollte ein modernes hybrides Flash-Array auf jeden Fall auch offen in Richtung Cloud und hier besonders für verbreitete Formate wie S3 sein. Denn immer öfter dient Cloud-Storage als ad-hoc- oder DR-Erweiterung der internen Speicherkapazitäten. Schnittstellen zu Tape-Systemen sorgen dafür, dass bereits vorhandene Tape-Archivierung ohne große Veränderungen fortgeführt werden können.

Unentbehrlich und in der Regel auch selbstverständlicher Lieferbestandteil ist eine Tiering-Software, die die Daten nach mehr oder weniger ausgefeilten Mechanismen auf die einzelnen Speicherschichten verteilt. Je leistungsfähiger sie ist, desto besser die Datenverteilung und desto kürzer die Zugriffszeiten. Zusätzliche, weit verbreitete Softwarefunktionen hybrider Flash-Storageplattformen sind Deduplizierung und Kompression, um den teuren Flash optimal zu nutzen sowie Snapshot- und DR-Mechanismen. Die Zahl der möglichen Speicherschichten unterscheidet sich je nach Gerätetyp. Zudem sollte man darauf achten, dass das gewählte Flash-Array alle Virtualisierungstgechnologien unterstützt, die das Unternehmen einsetzt. Schließlich soll das System ja in der Regel ermöglichen, die Daten diverser Workloads, die auf möglicherweise unterschiedlich virtualisierten Serverplattformen laufen, auf einem Gerät zusammenzuführen. Aus diesem Grund ist es vorteilhaft, wenn das Array auch mit Containern umgehen kann.

Geräte wichtiger Hersteller

Für die Praxisrelevanz hybrider Storage-Lösungen spricht, dass nahezu alle großen Storage-Anbieter entsprechende Systeme im Programm haben. Es sind sogar auf Basis hybrider Storage-Ansätze erfolgreich am Markt agierende neue Firmen wie Infinidat entstanden.

Die hochintegrierten All-in-One-Hybridarrays des israelisch-amerikanischen Herstellers haben inzwischen auch in Europa Kunden gefunden. Hier sorgt Softwareintelligenz für höchste Zuverlässigkeit und dafür, dass auch SSD-Komplettausstattung schnelle Zugriffe möglich sind. Einen ähnlichen Weg beschreitet HPE mit seinem HPE Nimble Storage Adaptive Flash.

Ein Teil des Lieferumfanges ist HPE InfoSight, eine Software, die Daten aus weltweit allen Nimble-Flash-Storage-Systemen und den sie umgebenden Infrastrukturen sammelt, auswertet und korreliert. Dann erhalten Anwender auf ihre individuelle Infrastruktur angepasste Konfigurationshinweise.

Weitere Beispiele für hybride Storage-Systeme sind: DellEMCs Unity-Serie mit Intels E5-2000-Prozessoren für Block- und Filedaten sowie VMware VVols. Zudem bietet DFellEMC hybride Ausstattung bei Vmax, VNX, dem Referenzsystem VSpec und vBlocks an. Netapp lieferst hybride Konfigurationen bei Geräten der FAS-Serie für heterogene Konsolidierungsumgebungen und der E-Serie für dedizierte Anwendungen, die möglichst schnell, aber trotzdem ökonomisch arbeiten sollen.

IBMs Storwize für Enterprise- oder mittelständische IT-Umgebungen mit den Modellserien Storwize V7000 für den Enterprise-Bereich und V5000 als Einsteigerlösung. Alle Systeme gibt es hier aber auch als Voll-Flash-Ausführung. Hitachi hat als Hybridlösung Virtual Storage Platform G-Serie mit fünf Modellen zwischen G200 und G1500 für Block, File und Mainframe im Programm. Die Maximalkapazität beträgt 255 PByte.

Fujitsu liefert beispielsweise seine Eternus-Serie mit hybrider Speicherausstattung aus. Die Systeme gibt es in sieben Größenklassen: von der Eternus DX mit 96 Laufwerken für SSD, Nearline-SAS oder SATA bis zur DX8900 mit bis zu 4608 Laufwerken und 2 bis 24 Controllern. Die Systeme sind mit zahlreichen Funktionen insbesondere für schnelles Kopieren und Sichern von Daten ausgerüstet und kommen mit vielfältigen Verbindungsoptionen.

Fazit

Nahezu jeder große Storage-Hersteller hat heute Hybrid Flash Arrays im Programm. Noch enthalten sie selbstverständlich Festplatten. Man darf gespannt sein, welche Auswirkungen die schnelle Weiterentwicklung der Flash-Technologien auf die Gestaltung dieser Geräteklasse haben wird. 3DXpoint ist ja bereits verfügbar. Möglicherweise wird sich der Begriff Hybrid Flash Array irgendwann auf Systeme beziehen, die verschiedene Flash-Typen mit Cloud-Connectivity vereinigen, aber keine Festplatten mehr besitzen. Das ist derzeit aber (noch) nicht der Fall.

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