Interview mit Johan van den Boogaart von Zerto

"IT-Resilienz ebnet Unternehmen den Weg ins Cloud-Zeitalter"

| Autor / Redakteur: Storage-Insider / Rainer Graefen

Zertos IT-Resilience-Plattform sichert Daten Journal-basierend, das heißt ebenso wie bei CDP der Fall, fortlaufend. Der Vorteil: Müssen Informationen wiederhergestellt werden, kann hierfür wie mit einer Zeitmaschine zu jedem beliebigen Zeitpunkt in der Vergangenheit "zurückgefahren" werden.
Zertos IT-Resilience-Plattform sichert Daten Journal-basierend, das heißt ebenso wie bei CDP der Fall, fortlaufend. Der Vorteil: Müssen Informationen wiederhergestellt werden, kann hierfür wie mit einer Zeitmaschine zu jedem beliebigen Zeitpunkt in der Vergangenheit "zurückgefahren" werden. (Bild: gemeinfrei - Pete Linforth / Pixabay / CC0)

Zerto änderte mit der Ankündigung von Version 7.0 die Bezeichnung seiner Plattform von Zerto Virtual Replication zu IT Resilience Platform. Was sich dahinter verbirgt, welche Vorteile sie bietet, für welche Einsatzzwecke sie sich eignet und welche Ziele Zerto damit verfolgt, wollte Storage-Insider im Gespräch mit Johan van den Boogaart, Sales Manager DACH bei Zerto, erfahren.

Storage-Insider: Zerto bietet eine "IT-Resilience-Plattform" an. Was genau ist das?

Johan van den Boogaart: IT-Resilienz ist ein umfassender Ansatz, der darauf abzielt, die Infrastruktur so flexibel zu gestalten, dass sowohl geplante als auch ungeplante Ausfälle jederzeit vermieden werden können. Eine IT-Resilience-Plattform ist der Unterbau, um dies zu erreichen. Sie nutzt Technologien, mit denen sich unter anderem die immer schwerer wiegenden Nachteile herkömmlicher Backup- und Disaster-Recovery- (DR) Lösungen beseitigen lassen.

Worin genau bestehen denn die Nachteile des gängigen BC-/DR-Konzepts?

Johan van den Boogaart: Der bislang verfolgte Ansatz, mit synchronen Spiegeln sowie Backups und Snapshots zu arbeiten, ist zu komplex und verschwendet viel Speicherplatz. Hinzu kommt, dass sich Systeme sowie Daten nur in den langen Intervallen von gespeicherten Snapshots und Backups wiederherstellen lassen. Mit der steigenden Datenmenge und dem Anspruch, Dienste jederzeit unterbrechungsfrei anbieten zu können, ist dieser Ansatz heute nicht mehr vereinbar. Ein neues Konzept ist Journaling, das ähnlich wie Continuous Data Protection (CDP) funktioniert.

Also "Journaling" anstelle von Backup. Was genau kann man sich darunter vorstellen?

Johan van den Boogaart: Journaling setzt nicht wie herkömmliche BC/DR-Strategien auf vollständige Backups oder Snapshots, sondern jede einzelne E/A wird automatisch auf Blockebene gespeichert. Das bedeutet, dass die Sicherung nicht mehr in langen Intervallen, sondern kontinuierlich erfolgt und in einem Journal festgehalten wird. Der Vorteil liegt auf der Hand: Man kann Daten und Workloads wie in einer Zeitmaschine mit nur wenigen Klicks auf jeden Stand in der Vergangenheit wiederherstellen.

Warum sollte man denn überhaupt jeden einzelnen Arbeitsschritt aufzeichnen?

Johan van den Boogaart: Zum einen benötigt Journaling viel weniger Speicher als Backups und Snapshots. Zum anderen ist die Wiederherstellung aus Snapshots sehr kompliziert und zeitaufwändig. Mit Journaling ist die Wiederherstellung mit ein paar Mausklicks sogar von Laien machbar. Nebenbei verkürzt Journaling RPOs auf fast null und RTOs auf wenige Sekunden.

Welche weiteren Verbesserungen kann der Ansatz der IT-Resilienz bringen?

Johan van den Boogaart: Wie gesagt, ist BC/DR nur ein Beispiel, wie der Ansatz der IT-Resilience der IT bei den Herausforderungen der digitalen Transformation helfen kann. Andere Szenarien sind etwa Rechenzentrums-Migrationen, Cloud-Migrationen, Multi-Cloud-Szenarien, Automatisierung der Notfallwiederherstellung, RTO- und RPO-Reduzierung, Ransomware-Recovery, Speicherkonsolidierung, Replikation über Hypervisor-Grenzen hinweg oder Disaster-Recovery- (DR)Testing.

DR-Testing? Warum haben Unternehmen ein Problem damit?

Johan van den Boogaart: Insbesondere für sehr große Unternehmen mit einem hohen Datenbestand stellt ein DR-Test eine Herausforderung dar. Alleine die Planung kann mehrere Tage Vorbereitungszeit in Anspruch nehmen, da verschiedene IT-Abteilungen involviert sind, die alle zur selben Zeit bereit sein müssen. Die einzige Zeit im Jahr, in der sich tatsächlich ein DR-Test durchführen lässt, ist zudem zwischen Weihnachten und Neujahr. Denn sollte tatsächlich etwas schief gehen, kann das System dann im Notfall noch gerichtet werden.

Dennoch gibt es Fälle, in denen Großunternehmen einen DR-Test sogar innerhalb von acht Tagen nicht erfolgreich abschließen konnten. Ganz einfach, weil die Menge an zu bewegenden Daten schlicht und ergreifend zu groß war, um den Test einhundert Prozent sicher zu gestalten. Mit einer IT-Resilience-Plattform wie sie Zerto anbietet, lässt sich ein DR-Test hingegen mit ein paar Mausklicks in wenigen Sekunden erledigen.

Stichwort Automatisierung! Dafür wird ja schon lange getrommelt, insbesondere bei BC/DR. Getan hat sich allerdings noch nicht viel. Warum sollte man BC/DR überhaupt automatisieren?

Johan van den Boogaart: Ein Beispiel: wenn Systeme wieder hochgefahren werden sollen, spielen die zwischen den VMs bestehenden Abhängigkeiten mittlerweile eine zentrale Rolle. Ein einfaches Wiederhochfahren von Diensten ist nicht ohne weiteres möglich. Realistisch gesehen wäre hierfür eine komplette Automatisierung des Prozesses nötig, da die manuelle Wiederherstellung einfach zu lange dauern würde.

Neue Automatisierungslösungen, wie die innerhalb Zerto, berücksichtigen vorliegende Abhängigkeiten wie etwa die Bootreihenfolge von VMs und Datenbanken, Delay-Zeiten und sich ändernde IP-Adressen. All dies lässt sich für den K-Fall automatisieren und orchestrieren. So kann man mit Zerto beispielsweise den kompletten virtualisierten Teil des Rechenzentrum in der Azure- oder AWS-Cloud nachbauen und im Notfall von dort aus automatisiert neu starten.

Welchen Vorteil soll es bringen, das Backup von aktiven Workloads in die Cloud zu verschieben?

Johan van den Boogaart: VMs direkt in die Cloud zu replizieren kann mehrere Vorteile haben. Solange diese inaktiv ist, fallen beispielsweise keine Compute-, sondern nur Storage-Kosten an, die relativ überschaubar sind. Erst wenn das Rechenzentrum in der Cloud hochgefahren wird, beispielsweise im K-Fall, fallen weitere Gebühren an. Besonders praxisrelevant ist die Tatsache, dass IT-Verantwortliche in einem solchen Szenario auch den Beweis antreten können, dass sie in der Lage sind, die IT andernorts schnell und dokumentierbar wieder hochzufahren.

Welche Clouds unterstützt Zerto? Und warum sollten Kunden Multi-Cloud-Modelle nutzen?

Johan van den Boogaart: Zerto unterstützt alle großen Public Clouds und mehr als 250 kleinere Anbieter. Da Zerto Hypervisor- und Cloud-agnostisch ist, und gleichzeitig in eine Vielzahl von Clouds replizieren kann, können Unternehmen einen Cloud-Lock-in vermeiden und die für jeden einzelnen Workload passende Cloud wählen. Das schafft die vielerorten verzweifelt gesuchte Flexibilität des Rechenzentrums.

Bei uns haben die meisten Unternehmen aber bereits in eigene, gespiegelte Rechenzentren investiert. Wie können diese Unternehmen von IT-Resilienz profitieren?

Johan van den Boogaart: Klar, wer einmal in teure Hardware investiert hat, löst sich natürlich nur ungern davon, bevor sie abgeschrieben ist. Andererseits bietet IT-Resilienz IT-Teams einen Weg, Komplexität aus dem System zu nehmen und es deutlich flexibler zu gestalten. So bieten sich ganz neue Möglichkeiten, Infrastrukturen bis hin zu Multi-Cloud-Konzepten umzusetzen.

Mit dieser Flexibilität im Köcher hat man dann sogar die Option, eben diese gespiegelten, teuren Notfallrechenzentren zu vermeiden oder sogar ganz aufzulösen. So bietet IT-Resilienz Unternehmen einen einfachen und klaren Weg ins Cloudzeitalter.

Der Gesprächspartner: Johan van den Boogaart, Sales Manager DACH bei Zerto.
Der Gesprächspartner: Johan van den Boogaart, Sales Manager DACH bei Zerto. (Bild: Zerto)

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