Unternehmensstrategie greift

Netapp: Wiederaufstieg dank Cloud

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger / Tina Billo

Netapp-Erfolg durch Cloud-Filemanagement mit Ontap-Technologie – hier die Benutzerschnittstelle von AWS Cloud Volumes.
Netapp-Erfolg durch Cloud-Filemanagement mit Ontap-Technologie – hier die Benutzerschnittstelle von AWS Cloud Volumes. (Bild: Netapp)

Der Siegeszug der Cloud brachte für viele Hardware-Vendoren, namentlich die Anbieter von Storage und Servern, erhebliche Umsatzprobleme mit sich. Doch der Zug kann auch in die andere Richtung fahren, wie der NAS-Nestor Netapp beweist.

Wenn es etwas gibt, das den Wiederaufstieg von Netapp besonders deutlich demonstriert, ist es der Aktienkurs. Noch vor einem Jahr dümpelte er um 31 Euro dahin. Heute steht er bei stolzen 73 Euro.

Die vergangenen Jahre waren für Infrastrukturanbieter kein Kinderspiel. Dell EMC verschwand in dieser Zeit von der Börse. HPE war bis zum vergangenen Jahr mit einer grundlegenden Umstrukturierung ausgelastet. Und IBM versuchte sich mit Kooperationen wie mit Pure und einem weniger erfolgreich als erwartet laufenden KI-Geschäft über die Runden zu retten.

Die neuen Trends im Infrastrukturbereich setzen gerade Storage-Anbieter unter Druck: Das Geschäftsmodell, teure, schwer erweiterbare Standardmodelle mit relativ kurzen Gewährleistungsfristen zu definieren und darauf zu hoffen, dass die Datenflut schon dafür sorgen werde, die nötigen Gelder zur Verfügung zu stellen, funktioniert ja schon lange nicht mehr.

Mit wachsendem Vertrauen in Cloud-Technologien und dem Aufstieg der unstrukturierten Daten als am schnellsten wachsenden Datensegment sowie Amazons S3-Schnittstelle erhöhte sich der Druck auf die etablierten Produkt- und Vermarktungsmodelle der Hersteller noch einmal. Laut einer aktuellen Studie von IDC über den deutschen Cloud-Markt sind es gerade datenintensive Applikationen wie Big-Data-Analyse oder Backup und Disaster Recovery, die bevorzugt in die Cloud wandern. Hyperkonvergenz und andere softwaredefinierte Technologien nagten und nagen ebenfalls am Umsatz klassischer Produkte. Die Hersteller versuchen mit mehr oder weniger Erfolg, sich an dieses neue, recht raue Umfeld anzupassen. Das scheint Netapp in den vergangenen Jahren gut gelungen zu sein.

Solidfire-Akquise war der richtige Griff

Zunächst kaufte Netapp mit einem guten Händchen zu. Beispielsweise schon im Dezember 2015 den Flash-Spezialisten SolidFire für 830 Millionen Dollar, der nun in einigen erfolgreichen Produkten für die Cloud steckt und seitens Analysten viele Meriten, aber auch viel Umsatz einfährt. Die All-Flash-Systeme werden unter anderem als Storage-Technologie in Ciscos konvergente Infrastruktur FlexPod integriert beziehungsweise für sie zertifiziert. Im Mai 2016 kommt das Netapp-Betriebssystem Ontap in der auf Flash optimierten Version 9 auf den Markt. Im Juni 2016 wird für Netapps Flash-Systeme eine native Docker-Integration, nDVP, verfügbar.

Mit dem sogenannten FlashForward-Lizenzmodell entstand im Jahr 2016 auch ein konsumorientiertes Lizenzmodell. Danach wird Software hardwareunabhängig nach faktisch zur Nutzung freigeschalteter Kapazität lizenziert, bei einer Erneuerung der Hardware gilt die Lizenz weiter. Lizenzen gelten unternehmensweit nach einem Pool-Modell. Sprich: Provider und andere Anwender können in Storage-Services einsteigen, ohne sich gleich in große Unkosten zu stürzen, sondern mit dem Storage schrittweise wachsen.

Im September 2016 zeigt Netapp Flash-optimierte Lösungen für die Datenanalyse und damit einen Versuch, die Datenschutzbedenken von Anwendern mit dem Wunsch, am Cloud-Geschäft zu partizipieren, übereinzubringen. Sie ermöglichen Netapps besonders im datenschutzsensiblen Deutschland implementiertes Modell Netapp Private Storage. Diese Referenzarchitektur bedeutet: Beim Public-Cloud- oder Kolokationsprovider wird separat kundeneigener Netapp-Storage aufgestellt, deren Daten direkt im Rechenzentrum auf die Big-Data-Infrastruktur des Providers überführt werden. Dort werden sie mit seinen Services analysiert und anschließend sofort wieder samt der Ergebnisse in die privaten Netapp-Systeme zurückgespielt. Diese und andere Innovationen im Softwarebereich ermöglichen es Netapp heute, sehr geschickt vom Hybrid-Cloud-Modell zu profitieren.

Ontap, HCI und Kubernetes als Bringer

Nun erweist sich ein Evergreen von Netapp, das eigenentwickelte NAS-Betriebssystem Ontap, als nachhaltiger Motor in Richtung Softwaregeschäft. Denn inzwischen ist, so Peter Wüst, Senior Director Cloud Infrastructure & Cloud Data Services EMEA bei dem Hersteller, Netapp mit Ontap als Lösung für die File-Speicherung mit allen drei Hyperscalern im Geschäft. "Es gab bei den Hyperscale-Cloud-Anbietern einfach nichts qualitativ Entsprechendes für die Verwaltung von File-Storage", sagt Wüst.

Das entsprechende Produkt heißt bei Azure Netapp Files, auf AWS Cloud Volumes und bei Google Netapp Google Cloud Volumes. On Premises nennt sich das Angebot Cloud Volumes Ontap. Es steht auf Netapp HCI bereit. Seine HCI-Lösung brachte Netapp im Juni 2017 auf den Markt, mitsamt konsumorientierten Bezahlmodell.

Dazu kommen Installationen bei einer ganzen Reihe kleinerer Provider, etwa Bechtle, 1&1 oder dem vor allen Dingen für das SAP-Hosting bekannten Anbieter All-for-One. "Netapp Private Storage hat sich eher als Übergangslösung entpuppt", meint Wüst. Ob freilich bei den Großen außer Ontap auch Netapp-Hardware steht und gegebenenfalls welche, dazu will sich Wüst nicht äußern. Da die Hyperscaler Geld für eigene Hardwareentwürfe haben, mittelständische Provider aber eher nicht, ist die Wahrscheinlichkeit, auf Netapp-Hardware zu stoßen, bei letztgenannten sicher höher.

Um das Software- und Hybrid/Multicloud-Engagement sowie seine Attraktivität im Bereich der cloudnativen Softwareentwicklung zu verstärken, hat Netapp am 18. September nun den Kubernetes-Spezialisten StackPointCloud gekauft, der eine servicebasierte Multicloud-Kubernetes-Kontrollebene realisiert. Die braucht man, wenn Container in Multicloud-Umgebungen reibungslos orchestriert und verschoben werden sollen. Daraus entsteht nun zusammen mit Netapp Cloud Data Services der Netapp Kubernetes Service.

Der Dienst erleichtert es, in Multicloud-Umgebungen Cluster und Apps zu managen und Daten dort unterzubringen, wo es am sinnvollsten ist. Das Produkt soll auch mit Netapps Open-Source-Storage Provisioner Trident zusammenarbeiten. Er löst das Problem, dass Container im Naturzustand kein persistentes Storage unterstützen – stirbt der Container, sind auch die Daten für diesen Container nicht mehr greifbar. Das ist aber für viele Applikationen ein untragbarer Zustand. Gemeinsam entsteht aus diesen Produkten eine Entwicklungsumgebung für DevOps.

Fazit

Netapp hat nach einigem Hin und Her eine glückliche Hand bei der Umsetzung vorhandener Fähigkeiten in Cloud-Erfolg bewiesen. Ob sich das dauerhaft auch in höheren Gewinnen auszahlt, bleibt abzuwarten. Umsatz und Aktienkurs befinden sich derzeit jedenfalls im Steigflug. Das Engagement schlug sich im Finanzjahr 2018 auf einen um rund 5,9 Milliarden Dollar gestiegenen Umsatz nieder.

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