Definition

Was ist ein Bandlaufwerk?

| Autor / Redakteur: Walter Schadhauser / Rainer Graefen

Fortschritt der Technik: 1951 konnte das IBM Modell 726 auf einem Rollenband 1,44 Megabyte Daten speichern, heute bringt man auf einer LTO-8-Cartridge 30 Terabyte komprimierter Daten unter.
Fortschritt der Technik: 1951 konnte das IBM Modell 726 auf einem Rollenband 1,44 Megabyte Daten speichern, heute bringt man auf einer LTO-8-Cartridge 30 Terabyte komprimierter Daten unter. (Bild: IBM)

Ein Bandlaufwerk ist ein motorgetriebenes Gerät, das Daten auf einem Magnetband aufzeichnet. Bandlaufwerke werden vorzugsweise bei der Datensicherung eingesetzt. Sie werden aber zunehmend bei der Erzeugung einer temporären Datenkopie verwendet, mit der dann eine initiale Datensicherung in der Cloud gestartet wird. Auch in der Filmbranche wird das Magnetband gerne zum Austausch großvolumiger Videodaten eingesetzt.

In den guten alten Science-Fiction Filmen stehen Bandlaufwerke noch für die ersten Formen digitaler Überwachung. Groß waren, gemessen an der heutigen Datensammelwut, die Speichermengen nicht, die auf ein Bandspeichersystem IBM 726 passten. Auf 720 Metern Magnetband konnte das System 1,44 MByte Daten aufzeichnen. Verglichen mit den zeitgleich in der IT genutzten Lochkartenspeichern war indes die Speichermenge gewaltig, da auf der Bandrolle 18.000 Lochkarten abgelegt werden konnten.

Vielfalt datenkritischer Bandtechnik

Ausbildungen von Bandlaufwerken gab es in der Folgezeit viele, selbst Kassettenrecoder wurden in der privaten IT zur Datensicherung eingesetzt. Lange Zeit wurde ein erbitterter Streit um das mechanische Aufzeichnungsverfahren geführt: Schrägspur oder Linear-Aufzeichnung, waren die zwei großen Lager. Hochtechnologie waren zwei Motoren, die die Bandwickel in jede Richtung beschleunigen oder abbremsen konnten.

Lange Zeit war auch unklar, ob nun Kassetten (zwei Wickel) oder die Cartridge (1 Wickel), wo am Bandende ein Aufnehmer sitzt, der vom Bandlaufwerk auf eine interne Spule herausgefädelt wird, die bessere Spultechnik boten. Durchgesetzt hat sich letztlich die Cartridge, da sie in einem stabilen Gehäuse und mit nur einem Wickel, das größere und sichere Datenspeichervolumen besitzt.

Eine zweite Bewegung war die Miniaturisierung. Formate wie 4mm, QIC (Quarter Inch= 6,35 mm), 8mm, Halbzoll (12,7 mm) zeigten die Bandbreite an Produkten. Je breiter das Band, desto hochwertiger war die Qualität der Datenkopie.

In klein- und mittelständischen Unternehmen (SMB) sehr populär waren beispielsweise 4 mm DAT-Kassetten, die ähnlich wie Kassetten in damaligen Anrufbeantwortern aussahen. Die Miniaturisierung hatte jedoch fast immer den Nachteil, dass das Bandmaterial eine extreme Dünne auswies und im Laufe der Zeit gelängt wurde.

Ein zweites Phänomen war, dass die Schreib-/Leseköpfe sich bei den preiswerten Geräten im Lauf der Zeit einschliffen. Das Ergebnis: Eine Datensicherung, die sich nur noch mit dem dazu passenden Aufzeichnungsgerät lesen ließ. Die Katastrophe eines Laufwerkdefekts war absehbar und lauerte immer im Hintergrund.

Professionelle Bandlaufwerke werden im Unternehmensbereich gerne mit Beladesystemen kombiniert, die ein automatisches Wechseln der Bandmedien ermöglichen. So gab und gibt es raumfüllende Bandroboter, die mehrere tausend Bandmedien beherbergen, die der Roboter bei Bedarf aus dem Archiv holt.

Kleinere Beladesysteme mit etwa 20 Medien laufen unter der Bezeichnung Bandbibliotheken. Eine einfache Mechanik befördert hier die Bänder zum Laufwerk und schiebt diese dann in den Laufwerksschacht. Ein Druck auf den Auswurfknopf leitet die Rückwärtsbewegung ein.

LTO löst DLT ab

Der positive Höhepunkt einer immer schlechter beleumundeten Bandlaufwerkstechnik in diesem sehr diversifizierten Markt kam 1998 mit LTO, dem Linear Tape Open. Beherrschte Quantum mit DLT und SDLT zu diesem Zeitpunkt noch den semi-professionellen Markt (die professionellen Laufwerke kamen von IBM, Storagetek und Sony), so schafften es die Kooperationspartner IBM, Hewlett-Packard und Seagate innerhalb von 6 Jahren den Markt für Bandlaufwerke aufzumischen.

Quantums Nachteil war, dass sich weder eine Second Source noch die wirtschaftlichen Mittel fanden, die den Anwendern eine zukunftssichere Alternative geboten hätte. Bei der LTO-Organisation waren das die Gründungsprinzipien.

Mit der ersten LTO-Roadmap war dann auch entschieden, dass keine andere Bandlaufwerkstechnik mehr mithalten konnte. IBM Forschungsabteilung war durch die eigenen High-end-Laufwerke so visionär, dass sie für viele Jahre die technische Entwicklung von LTO sehr zielsicher voraussagen konnte. Mit der aktuellen LTO-8-Generation wurde inzwischen der Vorsprung der profeesionellen Laufwerke eingeholt und es scheint sogar wahrscheinlich, dass auch dieser High-end-Markt an die LTO-Technik fällt.

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