Vom Hype zur belastbaren Wertschöpfung4 KI-Prognosen 2026
Ein Gastbeitrag von
Cody David*
6 min Lesedauer
Jedes Jahr bringt die KI-Landschaft neue Schlagworte und ambitionierte Versprechen hervor. Der Ton hat sich jedoch spürbar verändert: Unternehmen lassen sich nicht länger vom Hype leiten, sondern verlangen nach belastbaren Ergebnissen: messbar, verlässlich und sicher skalierbar.
Die ersten Schritte sind getan. 2026 muss sich künstliche Intelligenz – in welcher Form auch immer – bewähren.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
In Gesprächen mit Kunden zeigt sich dabei ein klares und konsistentes Bild. Nach zahlreichen Pilotprojekten sind die zentralen Schwachstellen deutlich geworden. Die meisten KI-Initiativen scheitern nicht an der Leistungsfähigkeit der Modelle, sondern an einer unzureichenden Datenbasis.
Dabei reicht „Datenbereitschaft“ weit über klassische Datenqualität hinaus. Sie umfasst ebenso Sicherheitsaspekte, Zugriffs- und Berechtigungskonzepte, Governance-Strukturen wie den notwendigen fachlichen und geschäftlichen Kontext. Das Jahr 2026 dürfte den Wendepunkt markieren, an dem Organisationen diese Realität nicht nur erkennen, sondern konsequent adressieren.
1. 2026 – das Jahr, in dem KI sich bewähren muss
2026 wird zunehmend zu dem Jahr, in dem sich KI bewähren muss: nicht im philosophischen, sondern im praktischen Sinne. Die grundsätzliche Begeisterung für KI bleibt bestehen, wird jedoch durch die Erfahrungen aus Pilotprojekten deutlich nüchterner eingeordnet. Immer klarer wird: KI ist nur so leistungsfähig wie die Daten und Kontrollmechanismen, die sie umgeben.
Das zeigt sich auch in vielen Gesprächen. Zu Beginn dominiert häufig der Optimismus rund um einen neuen Assistenten oder Agenten. Doch spätestens zwei einfache Fragen lenken die Diskussion in eine andere Richtung: Wie greift das System auf die Daten zu? Auf welcher Vertrauensbasis beruhen diese Daten? Ab diesem Moment verlagert sich der Fokus in der Regel von visionären Ideen hin zu den fundamentalen Voraussetzungen.
Organisationen, denen 2026 der Übergang von Pilotprojekten in den produktiven Einsatz gelingt, werden entsprechend disziplinierter vorgehen. Sie werden KI-Readiness als verbindliche Eintrittsvoraussetzung begreifen. Diese Eintrittsschwelle ruht auf vier zentralen Säulen: sicheren Zugriffspfaden, klar definierter Datenverantwortung, verbindlichen Mindeststandards für Datenqualität sowie einer dokumentierten, fachlichen Einordnung der Daten.
Ein Data-First-Ansatz ist der Weg dorthin: Readiness-Assessments, Bereinigung, Katalogisierung, Governance und kontinuierliches Monitoring. Keiner dieser Punkte ist glamourös. Aber sie sind unverzichtbar.
Zwei Wege zur Enterprise-KI: eingekaufte Fähigkeiten versus selbst entwickelte Agenten
Ein wesentlicher Grund für die Verwirrung rund um KI-Readiness liegt darin, dass Unternehmen häufig zwei unterschiedliche KI-Ansätze parallel verfolgen, mit jeweils eigenen Risiken und Fallstricken.
Eingekaufte KI umfasst paketierte Funktionen, die in Enterprise-Plattformen integriert sind, etwa Copiloten und Agenten in ERP-, HR-, Beschaffungs- oder Analytics-Systemen. Diese Tools basieren in der Regel auf etablierten Geschäftsobjekten und Standardprozessen. Der schnellste Weg zum Erfolg besteht darin, sicherzustellen, dass die dafür benötigten Daten vollständig, konsistent und überwacht sind.
Selbst entwickelte KI beinhaltet maßgeschneiderte Agenten und Workflows, die von internen Teams oder Partnern erstellt werden. Hier liegt die Herausforderung selten in der Leistungsfähigkeit des Modells selbst. Häufig fehlt vielmehr eine einheitliche, datenbasierte Bedienungsanleitung für die tatsächlichen Abläufe des Unternehmens. Der Zugriff eines Agenten auf eine Datenbank liefert Rohdaten, jedoch kein operatives Verständnis. Ohne klar definierte Begriffe, Richtlinien, Beziehungen sowie Freigaben können Agenten zwar selbstbewusst klingende Ergebnisse liefern, diese können jedoch fachlich falsch oder operativ unsicher sein.
Vereinfacht gesagt: Eingekaufte KI stellt zunächst Anforderungen an Datenqualität und Konsistenz, während selbst entwickelte KI vor allem fachlichen Kontext und kontrollierte Prozesse benötigt. Beide Ansätze erfordern Business-Ready Data, also das Zusammenspiel von Qualität, Kontext und Governance.
2. Sicherheit und Datenzugriff werden zum entscheidenden Engpass
Im Jahr 2026 wird die zentrale Frage nicht mehr lauten: „Welches Modell nutzen Sie?“, sondern vielmehr: „Können Sie nachweisen, dass diese KI den richtigen Zugriff für den richtigen Zweck unter den richtigen Kontrollen nutzt?“
KI repräsentiert eine neue Klasse privilegierter Nutzer: Sie arbeitet schneller als Menschen, greift auf deutlich mehr Systeme zu und kann sowohl positive als auch negative Effekte massiv verstärken. Sicherheit und Zugriffskontrollen dürfen daher nicht als nachträglicher Gedanke behandelt werden. Unternehmen werden zunehmend auf Prinzipien wie Least Privilege, robuste Identitäts- und rollenbasierte Zugriffskontrollen, die Trennung von Umgebungen sowie vollständige Audit-Logs bestehen. Zusätzlich werden klare menschliche Freigabepunkte für Aktionen erforderlich sein, die Stammdaten ändern, Transaktionen auslösen oder Kunden und Lieferanten betreffen.
Stand: 08.12.2025
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Viele Pilotprojekte umgehen diese Anforderungen zunächst stillschweigend: Kuratierte Datenextrakte beschleunigen den Start, und weitreichende Berechtigungen vermeiden vermeintliche Verzögerungen. Später überrascht das Management jedoch oft, dass der Übergang in die produktive Nutzung deutlich langsamer verläuft als die Demo. Erfolgreiche Teams werden 2026 von Anfang an sichere Zugriffsmodelle implementieren, sodass Geschwindigkeit nicht auf Kosten von Risiko und Compliance geht.
3. Intelligent Operations werden zum Standard (mit nachvollziehbaren Daten)
Mit der zunehmenden Integration von KI in Geschäftsprozesse werden Unternehmen Intelligent Operations in den Bereichen Finanzen, Supply Chain Management und Personalwesen zunehmend als Grundvoraussetzung erwarten. Automatisierung wird ausgeweitet, jedoch nur dort, wo Daten verlässlich, harmonisiert und kontrolliert sind.
Vertrauenswürdige Skalierung erfordert Nachvollziehbarkeit: Lineage, Herkunftsnachweise und Entscheidungsprotokolle, die beantworten, was geschehen ist, warum es geschehen ist und welche Daten das Ergebnis beeinflusst haben. Ebenso entscheidend sind klare Verantwortlichkeiten und ein effektives Data-Stewardship, sodass Fachbereiche jederzeit wissen, wer für die Eingaben verantwortlich ist.
Die Modernisierung von ERP-Landschaften, robuste Kernarchitekturen sowie harmonisierte Prozesse bilden die notwendige Grundlage. Ohne Business-Ready Data können Intelligent Operations zwar die Geschwindigkeit erhöhen, gleichzeitig aber auch die Fehleranfälligkeit steigern. Im Jahr 2026 wird Vertrauen daher zur entscheidenden Kennzahl für den Erfolg automatisierter Geschäftsprozesse.
4. Agentenbasierte Validierungstests werden bei Transformationen unverzichtbar
KI liefert im Enterprise-Umfeld bereits heute deutlichen Mehrwert bei der Validierung großer Transformationen, etwa bei ERP-Migrationen oder auch bei umfassenden Datenprogrammen. Validierung war traditionell ein Engpass: langsam, manuell und schwer über mehrere Testzyklen hinweg konsistent durchführbar.
Agentenbasierte Validierungstests revolutionieren diese Prozesse. Sie verkürzen Testzyklen von Wochen auf Tage, automatisieren repetitive Prüfungen und liefern konsistente, erklärbare sowie revisionssichere Ergebnisse. Hunderte manuelle Stunden lassen sich so auf einen Bruchteil reduzieren, bei gleichzeitig höherer Genauigkeit und Verlässlichkeit.
Ab 2026 wird Validierung zudem zum zentralen Kontrollpunkt für KI selbst: Tests prüfen nicht nur Datenkorrektheit, sondern auch Richtlinientreue, Zugriffsbeschränkungen und die Nachvollziehbarkeit von KI-Ergebnissen. Hier trifft Data-First mit klar messbaren Resultaten auf praxisnahe KI.
GenAI als Werkzeug, nicht als Denkmaschine
Eine der vielversprechendsten Entwicklungen ist der Einsatz generativer KI als Werkzeug, etwa zum Entwerfen von Regeln, Vorschlagen von Mappings, Skizzieren von Transformationslogik oder auch zur Beschleunigung von Dokumentation und Lieferobjekten.
Dieses Vorgehen kann die Geschwindigkeit erheblich steigern, jedoch nur auf einer soliden Grundlage. Geschwindigkeit ohne Governance bedeutet lediglich, Fehler schneller zu produzieren. Erfolgreiche Unternehmen werden 2026 generative Beschleunigung mit klar definierten Qualitätsgrenzen, gesteuerten Semantiken sowie kontrollierten Freigaben kombinieren, sodass die Produktionsgeschwindigkeit niemals die Genauigkeit oder das Risikomanagement überholt.
2026 im Fokus: KI wird berechenbarer und wirkungsvoller
2026 wird das Jahr, in dem KI berechenbarer und weniger experimentell wird: mehr Messbarkeit, weniger Hype; stärker eingebettete Fähigkeiten, weniger einmalige Demos.
Das Augenmerk liegt dabei nicht darauf, Rollen zu ersetzen oder die komplette Neuerfindung von Prozessen anzustreben. Es geht vielmehr darum, Business-Ready Data als Grundlage aufzubauen, um KI-Initiativen sicher und skalierbar zu entfalten. Sie vereint Qualität, Kontext und kontrollierte Governance. Sind diese Grundlagen geschaffen, kann operativer Aufwand reduziert werden und insgesamt das Vertrauen in KI wachsen, das sie zu einer nachhaltigen, lohnenden Investition macht.
* Der Autor: Cody David, Head of AI and Innovation, Syniti, einem Unternehmen von Capgemini
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