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KI-Angriffe stoppen Die neue Rolle der Datenplattform in der Verteidigung

Ein Gastbeitrag von Sven Heisig* 4 min Lesedauer

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Cyberangriffe treffen IT-Infrastrukturen mit unerbittlicher Präzision. Trotz Rekordinvestitionen verstreichen oft Monate bis zur Eindämmung. Für nachhaltige Datenresilienz müssen Security- und Storage-Teams Silos aufbrechen und ihre Tools verzahnen.

Um das Unternehmen und seine Daten vor den Angriffen Cyberkrimineller zu schützen, müssen Security- und Storage-Teams eine gemeinsame Strategie entwickeln.(Bild:  KI-generiert)
Um das Unternehmen und seine Daten vor den Angriffen Cyberkrimineller zu schützen, müssen Security- und Storage-Teams eine gemeinsame Strategie entwickeln.
(Bild: KI-generiert)

Cyberangriffe sind längst keine abstrakte Gefahr mehr, denn sie bestimmen den IT-Alltag von Unternehmen und öffentlichen Auftraggebern grundlegend. In hochgradig vernetzten Strukturen lässt sich eine IT-Landschaft nicht mehr lückenlos nach außen abschirmen. Zudem beschleunigt künstliche Intelligenz (KI) das Wettrüsten im Cyberspace spürbar. Angreifer nutzen fortschrittliche Algorithmen, um Sicherheitslücken in Rekordzeit aufzuspüren, Malware autonom anzupassen und klassische Schutzmechanismen gezielt zu unterlaufen. So dringen Cyberkriminelle tief bis zu den wertvollsten Datenressourcen vor. Das Zeitfenster, um schädliche Aktivitäten zu erkennen und zu stoppen, bevor irreparable Schäden entstehen, schrumpft dadurch drastisch.

Statistiken spiegeln die alarmierende Entwicklung wider. Laut branchenweiten Analysen vergehen durchschnittlich 276 Tage, bis ein Sicherheitsvorfall in der IT-Landschaft eines Unternehmens überhaupt identifiziert und vollständig unter Kontrolle gebracht wird. Solche langwierigen Unklarheiten haben gravierende Konsequenzen für den gesamten Geschäftsbetrieb. Bei weit über 80 Prozent aller Vorfälle führen unentdeckte Angriffe zu langwierigen Ausfallzeiten, massiven Umsatzeinbußen und nachhaltigen Reputationsschäden.

Hinzu kommt ein erheblicher rechtlicher Druck: Gemäß DSGVO sind Unternehmen verpflichtet, Datenpannen innerhalb von 72 Stunden an die zuständigen Aufsichtsbehörden zu melden – ein Zeitfenster, das ohne Transparenz schlicht nicht einzuhalten ist. Hohe Reaktionszeiten liegen jedoch selten an fehlendem Willen oder mangelndem Budget. Vielmehr hemmt eine tief sitzende strukturelle Trennung innerhalb der IT-Architekturen die effektive Verteidigung.

Das Silo-Problem

Träge Abwehrmechanismen sind selten eine Frage der Technik, denn oft sind sie organisatorisch bedingt. In vielen IT-Abteilungen agieren Speicher- und Sicherheitsteams bis heute in zwei strikt getrennten Welten. Die Storage-Spezialisten priorisieren Systemleistung, Speicherkapazitäten, unterbrechungsfreie Verfügbarkeit und verlässliche Datensicherungen. Jahrelang galt die bequeme Prämisse: Der äußere Schutzwall hält Bedrohungen zuverlässig fern. Kam es dennoch zu einem Sicherheitsvorfall, beschränkte sich die Rolle der Speicherverantwortlichen darauf, Systeme aus vorhandenen Backups schrittweise wieder aufzubauen – ein Prozess, der Tage oder gar Wochen in Anspruch nehmen kann.

Auf der anderen Seite überwachen Security-Teams Netzwerke, Endpunkte, Identitäten und Zugriffsrechte. Die eigentliche Speicherebene bleibt für sie häufig eine unzugängliche Blackbox. Ausgerechnet Storage – das primäre Ziel fast jeder modernen Ransomware-Attacke – wird so zum gefährlichen blinden Fleck im Security-Operations-Center (SOC). Gelingt Angreifern der Durchbruch durch die äußeren Abwehrlinien, fehlt es an etablierten Schnittstellen und gemeinsamen Playbooks für eine unmittelbare, koordinierte Reaktion.

Diese Trennung kostet im Ernstfall wertvolle Zeit und setzt Unternehmen enormen Risiken aus. Sobald die Kommunikation abbricht, verschlechtern sich die zentralen Sicherheitsmetriken drastisch – von der Erkennungszeit (Mean Time to Detect, MTTD) über die Reaktionszeit (Mean Time to Respond, MTTR) bis hin zur eigentlichen Eindämmungszeit (Mean Time to Contain). Gleichzeitig geraten die Kennzahlen der Storage-Teams ins Wanken: Weder der maximal tolerierbare Datenverlust (Recovery Point Objective, RPO) noch die angestrebte Wiederherstellungszeit (Recovery Time Objective, RTO) lassen sich einhalten. Wirksamer Schutz gelingt erst, wenn Speichersysteme ihre passive Rolle ablegen und als aktiver, intelligenter Bestandteil in die Sicherheitsarchitektur eingebunden werden.

Active Defense im Storage

Damit Speicherumgebungen nicht länger als passives Ziel dienen, müssen sie Bedrohungen eigenständig direkt auf der Datenebene identifizieren. Moderne, Enterprise-fähige Speichersysteme setzen hierfür auf integrierte, KI-gestützte Analysen. Sie registrieren Frühindikatoren einer Kompromittierung direkt in Echtzeit. Dazu zählen etwa plötzliche, ungewöhnliche Verschlüsselungsmuster, auffällige Massenzugriffe, anonyme Leseversuche oder unübliche Dateilöschungen. Durch maschinelles Lernen (ML) lernen die Systeme das normale Benutzerverhalten kontinuierlich kennen und schlagen bei Anomalien sofort Alarm. So lässt sich gezielt eingreifen, noch bevor sensible Daten exfiltriert oder großflächig unbrauchbar gemacht werden.

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Echte Wirkung entfaltet diese lokale Intelligenz jedoch erst durch die Verknüpfung mit dem übergreifenden Security-Ökosystem. Anbindungen der Speichersysteme an etablierte SIEM-Lösungen (Security Information and Event Management) verschaffen dem SOC einen lückenlosen Einblick in Vorfälle auf Speicherebene. Das Speichersystem übermittelt Details zu Angriffstyp, Schweregrad, beteiligten IP-Adressen, Benutzer-IDs sowie betroffenen Volumes automatisch und in Echtzeit. So kann das Sicherheitsteam Bedrohungen ohne Verzögerung bewerten, priorisieren und für Regulierungsbehörden sowie Versicherungen auditsicher dokumentieren. Diese automatisierte Vorverarbeitung entlastet zudem die oft überspannten Kapazitäten in den Sicherheitsteams – ein entscheidender Vorteil vor dem Hintergrund, dass laut Bitkom hierzulande weiterhin 79.000 IT-Fachkräfte fehlen und drei Viertel der Unternehmen mit einer weiteren Verschärfung des Mangels rechnen.

Reaktion im Sekundentakt

Einen echten Quantensprung markiert das nahtlose Zusammenspiel mit SOAR-Plattformen (Security Orchestration, Automation and Response). Mithilfe maßgeschneiderter Automatisierungs-Playbooks kann die Abwehr direkt auf Speicherebene orchestriert werden. Geht ein Alarm ein, führt das System vordefinierte Abwehrmaßnahmen in Sekundenbruchteilen aus, ohne dass manuelles Eingreifen oder tiefgehendes Storage-Spezialwissen erforderlich ist.

Dazu gehört etwa die sofortige Erstellung unveränderlicher, schreibgeschützter Snapshots (Immutable Snapshots), die den exakten Systemzustand unmittelbar vor der Infektion unverfälschbar sichern. Parallel dazu sperrt das System verdächtige Benutzerkonten oder IP-Adressen automatisch und trennt gefährdete Storage-Volumes logisch vom restlichen Netz. Solche präzisen, chirurgischen Eingriffe isolieren den Angriff sofort, ohne den restlichen Geschäftsbetrieb zu lähmen. Erst durch den Schulterschluss von Storage und Security wird abstrakte IT-Sicherheit zu praxistauglicher Cyber-Resilienz.

Proaktiver Schutz für die Zukunft

Sven Heisig, Senior Manager Solutions Engineering bei NetApp Deutschland.(Bild:  NetApp)
Sven Heisig, Senior Manager Solutions Engineering bei NetApp Deutschland.
(Bild: NetApp)

Die Datenplattform wandelt sich damit von Storage-Services zum intelligenten Baustein der IT-Verteidigung. Unternehmensverantwortliche, die Security- und Storage-Infrastrukturen konsequent verzahnen, verkürzen ihre Reaktionszeiten von Monaten auf Minuten. Gleichzeitig schaffen sie damit die Basis, um strenge regulatorische Vorgaben wie NIS-2 oder DORA verlässlich einzuhalten. Nur wenn Speicherumgebungen als aktive Verteidigungslinie begriffen werden, lässt sich die eigene digitale Souveränität nachhaltig schützen.

* Der Autor: Sven Heisig, Senior Manager Solutions Engineering bei NetApp Deutschland

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