US-Investoren wetten auf Speichertechnik, Teil 2

Storage-Startups: Die nächste Welle rollt

| Autor / Redakteur: Tina Billo / Rainer Graefen

Neue Ideen suchen sich ihren Raum. Im Silicon Valley finden sich derer viele. Dies stellt die derzeit dort neu aufblühende Storage-Startup-Szene unter Beweis.
Neue Ideen suchen sich ihren Raum. Im Silicon Valley finden sich derer viele. Dies stellt die derzeit dort neu aufblühende Storage-Startup-Szene unter Beweis. (Bild: Tina Billo)

Innovative Lösungen, mit denen sich Daten noch schneller, flexibler und zudem wirtschaftlicher speichern sowie verwalten lassen, sind ein Dauerbrenner. Genau das ist die Domäne der Storage-Startups. Derzeit bestimmen Themen wie Hyperkonvergenz, Software-defined Storage oder Open Source ihre Marschrichtung. Ein Blick ins Silicon Valley.

2015 war kein gutes Jahr für Storage-Startups. Weniger Finanzierungsrunden, weniger Kapital, weniger Börsengänge. Doch inzwischen scheint das Investment-Barometer wieder auf Hoch zu stehen. Zumindest lassen auf der Analyseplattform CB Insights veröffentlichte Zahlen diesen Schluss zu. Demzufolge sammelten in den Segmenten Data Storage und Data Storage & Security aktive Startups alleine im ersten Quartal 2016 in Summe über 665 Millionen US-Dollar bei den Investoren ein – mehr als die Hälfte der 2015 zusammengenommen geflossenen 1,1 Milliarden US-Dollar.

Doch woran liegt es, dass die jungen Unternehmen erneut so starken Rückenwind von den Kapitalgebern erfahren? Einerseits wohl daran, dass der Verkauf von Enterprise-Storage-Produkten den Herstellern im vergangenen Jahr über 37 Milliarden US-Dollar in die Kassen spülte und damit nach wie vor ein äußerst lukratives Geschäft ist. Andererseits, weil sich ein Technologiewandel abzeichnet, der neuen Ideen Vorschub leistet.

Disruptive Innovationen ändern die Spielregeln

Der Übergang zu Flash-Technologien und Software-defined Storage (SDS) sowie die Frage, wie sich die exorbitant zunehmenden Datenmengen künftig bewältigen lassen, beschäftigt die Branche seit geraumer Zeit. Sie sei reif für eine Veränderung, so John Vrionis, Partner bei dem auf Tech-Investments spezialisierten Unternehmen Lightspeed Venture Partners, und die wird aus seiner Sicht von den Startups vorangetrieben.

Deren Gründer und Entwickler kommen immer häufiger von großen Tech-Unternehmen, sind daher mit deren Lösungsangebot bestens vertraut und wissen, welche technischen „Lücken“ es zu füllen gilt. Doch das ist nicht ihre einzige Stärke. Im Gegensatz zu den Branchenriesen können sie sich zudem von Grund auf neu erfinden und müssen keinerlei Rücksicht auf Bestehendes nehmen.

Von der Nische zum Mainstream

Laut Simon Robinson, Vice President Storage und Informationsmanagement bei dem Analystenhaus 451 Research, geht jede Welle an neu auf den Markt drängenden Startups spezielle Themenfelder an. Sie konzentrieren sich auf die Entwicklung von Techniken, Funktionalitäten und Systemen, die eine Antwort auf die beispielsweise mit Big Data, der Cloud-Speicherung oder Storage-Silos verbundenen Probleme geben und von den Branchenriesen noch nicht gelöst wurden.

Dies spiegelt sich in ihren Entwicklungsschwerpunkten wider. Hyper- beziehungsweise ultrakonvergente Plattformen, Open-Source-Objektspeicher oder SDS-Lösungen bestimmen dabei ebenso das Bild wie Flash-Systeme und neue Ansätze rund um die Virtualisierung von Speichern, Daten sowie deren Management.

Womit die Markteinsteiger antreten

Hyperkonvergente Sekundärspeicher

Hyperkonvergente Komplettlösungen sind im Primärspeicher-Umfeld schon länger zu Hause. Nun erobert das Konzept auch den Sekundärspeicher-Markt, da die Zusammenführung der bislang separat für unterschiedliche Zwecke (Backup, Disaster Recovery, DevOps, Analytics, Data Warehousing etc.) eingesetzten Systeme vergleichbare Vorteile verspricht. Zu den Vertretern, die mit ihren hyperkonvergenten Sekundärspeichern Ordnung ins Chaos bringen wollen, gehören die gerne miteinander verglichenen Unternehmen Cohesity und Rubrik.

Objektspeicher auf Open-Source-Basis

Des Weiteren liegt die Entwicklung von Objektspeichern weiterhin im Trend. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass klassische Datei- oder Block-Storage-Systeme der Speicherung und Verwaltung von Big-Data-Beständen im Petabyte-Bereich nur bedingt gewachsen sind und zudem im Umgang mit unstrukturierten Daten schwächeln. OpenIO und minio.io zählen zu den Startups, die sich in diesem lebhaften Segment in Stellung bringen und den großen Playern mit ihren neuen auf Open-Source-Software basierenden Objektspeicherlösungen Paroli bieten wollen.

Software-definierte Scale-out NAS-Lösungen

Rozo Systems und Qumulo schlagen hingegen einen anderen Weg ein, um mit den beständig wachsenden großen Datenmengen einhergehende Herausforderungen zu meistern. Sie setzen auf softwaredefinierte Scale-out NAS-Lösungen und nehmen neben den Herstellern von Objektspeichern vor allem Storage-Größen, insbesondere EMC Isilon, ins Visier.

Flash

Das Thema Flash steht ebenso weiterhin ganz oben auf der Agenda der Neugründer. Eine Fraktion, darunter Tegile Systems und Reduxio Systems, wollen sich mit hybriden und All-Flash-Storage-Systemen am Markt behaupten. Allerdings ist die Konkurrenz hier groß. Sowohl etablierte Speicherhersteller wie NetApp, EMC, IBM oder HPE als auch jede Menger kleinerer Player, darunter Nimble Storage, Pure Storage, Tintri oder Kaminario K2, tummeln sich bereits in diesem Segment.

Auch das andere Lager geht mit Flash-Arrays an den Start, mit dem Unterschied, dass sie bei ihren Lösungen auf das ursprünglich für schnelle SSDs mit PCIe-Schnittstelle entwickelte latenzarme Protokoll „NVMe over Fabric“ (NVMEoF) bauen. Dadurch lassen sich weitere Interconnects – Ethernet, Fibre Channel oder InfiniBand – für die Datenübertragung nutzen. Beispiele für die Newcomer auf diesem Gebiet sind Mangstor, Apeiron Systems, E8 aber auch Flashgrid.

Datenvirtualisierung

Datenvirtualisierung ist das Thema von Primary Data und Formation Data Systems. Beide Startups konzentrieren sich auf die Entwicklung von Storage-agnostischen Software-Plattformen, die sich mit bestehenden Speicherlösungen einsetzen lassen. Ziel ist es, die Storage-Infrastrukturen von den Daten zu befreien und damit für mehr Datenmobilität zu sorgen.

Ausblick

Interessante Storage-Startups scheint es also nach wie vor in Hülle und Fülle zu geben. Doch wodurch differenzieren sie sich, welche Ansätze verfolgen sie und sind diese wirklich innovativ und damit erfolgsversprechend?

Storage-Insider hat sich die hier vorgestellten Unternehmen näher angesehen und stellt ab kommender Woche die neuen Vertreter ihrer Zunft im Detail vor.

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