Wer TrueNAS konsequent als dediziertes Backup-Ziel statt als universellen Netzwerkspeicher betreibt, schafft Klarheit in der Struktur, reduziert Risiken und nutzt das Potenzial von ZFS, Deduplizierung, Snapshots und Replikation voll aus, egal ob mit Veeam, PBS oder klassischem rsync.
Der Einsatz von TrueNAS als Ziel für strukturierte Backup-Prozesse bietet klare Vorteile.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
TrueNAS wird häufig als universelle Dateiablage genutzt, es gibt aber noch mehr Möglichkeiten. Wer das System nicht als Allzweck-NAS im Unternehmen einsetzt, sondern gezielt als reines Backup-Ziel betreibt, erzielt hohe Effizienz, perfekte Trennschärfe bei Berechtigungen und reduziert das Risiko von Kollisionen mit produktiven Workloads. Ein Mehrwert von TrueNAS liegt nicht im gemeinsamen Zugriff auf Home-Verzeichnisse oder Medienfreigaben, sondern in der gezielten Bereitstellung als Ziel für strukturierte Backup-Prozesse, ob über iSCSI, SMB, NFS, S3 oder native Replikation.
Die Installation erfolgt von einer ISO-Datei, wahlweise auf physischer Hardware oder in einer VM. Wichtig ist die Auswahl eines separaten Datenträgers für das Betriebssystem. Der Set-up-Dialog erlaubt die Wahl zwischen BIOS und UEFI; das Root-Passwort wird ebenfalls während der Installation gesetzt. Nach dem ersten Boot meldet sich das System mit einer per DHCP bezogenen IP – produktiv untauglich. Deshalb sollten unter „Network -> Interfaces“ der verwendete Adapter editiert, DHCP deaktiviert und eine statische IP gesetzt werden. Die finale Bestätigung erfolgt über „Test Changes“ und „Save Changes“. DNS-Server und Gateway lassen sich unter „Network -> Global Configuration“ hinterlegen. Die Funktionalität prüft man mit „Shell“ über einfache Ping- oder Nslookup-Kommandos.
Pools und Zvols als Basis
Ein Backup-Ziel auf TrueNAS beginnt mit dem Aufbau eines belastbaren Storage-Pools unter „Storage -> Pools“. Dort lassen sich über „Add“ neue Pools erstellen, die sich aus physisch eingebauten Disks zusammensetzen. Für Backup-Ziele empfehlen sich RAID-Z2 oder bei größeren Datenmengen RAID-Z3. Hot Spares, separate VDEVs für L2ARC oder SLOG lassen sich bei Bedarf hinzufügen. Die Kompression sollte auf „lz4“ stehen, die Deduplizierung ist optional und rechenintensiv, allerdings in TrueNAS 25.04 mit aktivierbarer „ZFS Fast Deduplication“ deutlich effizienter.
Ein Zvol lässt sich über das Drei-Punkte-Menü am Pool anlegen. Wichtig sind Name, Größe („Size for this zvol“), Kompression und – falls relevant – die Blockgröße („Advanced Options“). Der Zvol wird später als iSCSI-Ziel oder über SMB als Backup-Verzeichnis genutzt. Dedizierte Datasets für einzelne Sicherungsarten (etwa „proxmox-backups“, „veeam-smb“, „cold-archive“) sorgen für Klarheit und saubere ACLs.
Unter „Sharing -> Block Shares (iSCSI)“ beginnt der Assistent. Als „Extent Type“ sollte „Device“ ausgewählt werden, um das Zvol direkt zu verwenden. Die Authentifizierung erfolgt über „CHAP“, Nutzer und Passwort werden festgelegt, das Portal konfiguriert. Die Netzwerkschnittstelle muss spezifiziert werden; ebenso kann der Zugriff über „Initiators“ auf bestimmte Hosts eingeschränkt werden. Der iSCSI-Dienst selbst wird unter „Services“ aktiviert und auf „Start Automatically“ gesetzt.
Windows-Clients binden das Ziel mit dem „iSCSI-Initiator“ ein. Nach Eingabe der Ziel-IP und CHAP-Anmeldung erscheint die LUN in der Datenträgerverwaltung und kann partitioniert, formatiert und eingebunden werden. Diese Konfiguration eignet sich hervorragend für blockbasierte Backups via Veeam Agent oder robocopy-Skripte.
Veeam über SMB – mit Fast Clone
Veeam Backup & Replication nutzt TrueNAS effektiv als Repositorium über SMB. In „Shares -> Windows SMB Shares“ wird ein neuer Share erstellt, „Purpose“ wird auf „Veeam repository with Fast Clone“ gesetzt. Der Dataset muss auf 128 KiB Record-Size konfiguriert und der SMB-Parameter auf „block size = 131072“ gesetzt sein. Nutzer mit Adminrechten auf den Share werden unter „Credentials -> User“ angelegt und per ACL mit Vollzugriff versehen. Die Einrichtung im Veeam-Interface erfolgt über den Punkt „Add Repository“; die Verbindung erfolgt über die TrueNAS-IP, Benutzername und Passwort mit Zertifikats-Fingerprint zur Absicherung. Vorteil: Blockbasierte Deduplizierung im Repository beschleunigt Backups und reduziert Speicherbedarf.
Beim Einsatz von TrueNAS als Backup-Repository für Veeam Backup & Replication gelten besondere Anforderungen an Architektur und Dimensionierung. Je nach Backup-Fenster, Datenmenge und Art der Sicherung – vollständig, synthetisch oder inkrementell – muss nicht nur der Speicherplatz, sondern auch die Netzwerkinfrastruktur skaliert werden. TrueNAS empfiehlt eine Reserve von mindestens dem Dreifachen der aktuell zu sichernden Daten, um Snapshots, Replikate und Wachstum abzudecken.
Stand: 08.12.2025
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Wichtig ist die Wahl geeigneter vdev-Konfigurationen: etwa 9+2+1-RAID-Z2-Gruppen mit dedizierten Hot Spares. Für Fast Clone über SMB ist die Record-Size zwingend auf 128 KiB zu setzen. In komplexeren Set-ups sollte auch über iSCSI-Repositoys mit direkter Blockzugriffsleistung nachgedacht werden, besonders bei vielen gleichzeitigen Streams. Bandbreitenseitig ist bei Voll-Backups im TB-Bereich ein 40-GbE- oder 100-GbE-Backbone in Verbindung mit dedizierten Veeam-Proxys sinnvoll. Bei kleineren Umgebungen reicht ein 10-GbE-Link aus, sofern Backup-Jobs gestaffelt werden. Die TrueNAS-Enterprise-Modelle F60 oder M50 sind hier für große Repositorien mit mehreren Petabyte nutzbare Referenzplattformen.
Proxmox Backup Server via NFS anbinden
Da PBS keine nativen Remote-Storages unterstützt, wird ein TrueNAS-NFS-Share über die PVE-Ebene eingebunden. Im Dataset-Manager wird ein „Proxmox-backup-server“-Dataset erstellt und als NFS-Share konfiguriert. Maproot wird auf „root“ gesetzt, Zugriff auf das PVE-Subnetz beschränkt. In der Proxmox-GUI wird die NFS-Freigabe als Storage eingebunden, der Pfad notiert. Danach wird PBS per APT installiert und das Storage-Verzeichnis als Datastore hinterlegt. PBS nutzt dieses Verzeichnis transparent, auch wenn sich TrueNAS physisch auf einem anderen Host befindet. Die tägliche Prüfung erfolgt über „Verify Jobs“, der Lebenszyklus über granulare Prune Policies (Keep Last, Hourly, Daily, Weekly etc.).
Snapshots, Zeitreisen und Versionierung – unverzichtbare Werkzeuge
Ein oft unterschätzter Vorteil von TrueNAS als Backup-Ziel liegt in der nativen Snapshot-Funktionalität von ZFS. Snapshots lassen sich manuell oder automatisiert per Zeitplan erstellen, dienen als unveränderbare Abbilder und ermöglichen nicht nur schnelle Wiederherstellungen, sondern auch differenzierte Versionierung historischer Zustände. Besonders in Kombination mit PBS oder Veeam lassen sich so Backup-Versionen über Wochen, Monate und Jahre verwalten. Die Retention erfolgt granular, etwa nach dem GFS-Prinzip (Großvater-Vater-Sohn). Snapshots können über „Tasks -> Periodic Snapshot Tasks“ geplant und über „Replication Tasks“ auf andere TrueNAS-Systeme übertragen werden. Gerade bei versehentlichen Löschungen, Ransomware oder Datenkorruption erlaubt die sofortige Rückkehr zu einem früheren Zustand eine drastische Reduktion der RTOs. Auch für Cloud-Replikation spielt die Versionierung eine Rolle. Nur veränderte Blöcke werden übertragen, was Bandbreite und Kosten reduziert.
Praxisberichte: Replikation, Cloud und Dedupe
In zahlreichen Set-ups wird TrueNAS in doppelter Ausführung betrieben. Ein Hauptsystem für Primärdaten, ein zweites rein für Backups, getrennt per VLAN, mit ZFS-Replication im Pull-Modus. Daten lassen sich mit Snapshots versionieren, über S3 oder rsync an Backblaze oder Wasabi übertragen. Bei hohem Schutzbedarf erfolgt ein Offload auf Offline-HDDs. Replikation über Tailscale oder WireGuard funktioniert auch standortübergreifend, inklusive ZFS-Verschlüsselung.
Neben „Fast Deduplication“ bringt die Version 25.04 iSCSI XCOPY für schnelles Block-Cloning, NFS over RDMA für Hochleistungsumgebungen und Unterstützung für Fibre Channel, jeweils in der Enterprise-Variante. Versionierte JSON-RPC-APIs und WebSocket-Zugriff erlauben automatisierte Konfigurationen. Für spezielle Einsatzzwecke lassen sich LXC-Container als isolierte Backup-Steuerungssysteme nutzen, zum Beispiel für Syncthing oder rsnapshot. Die Rückkehr zur klassischen VM-Virtualisierung ergänzt den Containeransatz, bleibt aber für Backup-Ziele zweitrangig.
Core oder Scale – was eignet sich besser als Backup-Ziel?
TrueNAS Core basiert auf FreeBSD, ist stabil, ausgereift und bevorzugt in konservativen IT-Umgebungen. Scale basiert auf Linux, integriert Docker und wird aktiv weiterentwickelt. Beide unterstützen SMB, NFS, iSCSI und ZFS-Funktionen wie Snapshots, Replikation und Verschlüsselung. Wer reine Sicherungskapazitäten aufbaut, fährt mit Core robuster, wer zusätzlich moderne APIs, Docker oder Cluster-Features nutzt, sollte Scale evaluieren.
TrueNAS in der Enterprise-Edition bringt Funktionen mit, die weit über den Rahmen eines gewöhnlichen Backup-Ziels hinausgehen. Dazu zählt die Unterstützung von Dual-Controller-HA-Architekturen mit automatischem Failover, die eine Betriebsverfügbarkeit von 99.999 Prozent ermöglichen. Backup-Prozesse laufen damit auch bei Hardware-Ausfall unterbrechungsfrei weiter.
Die Integration in VMware vCenter erlaubt das automatisierte Erkennen und Schützen neuer VMs, während Zertifizierungen für Veeam und Citrix XenServer den reibungslosen Einsatz als Hypervisor-Datastore und gleichzeitiges Backup-Target gewährleisten. Darüber hinaus lassen sich S3-kompatible Buckets mit Immutability aktivieren, um Backup-Sets gegen Manipulation oder versehentliche Löschung abzusichern, ein unverzichtbares Feature in Ransomware-Szenarien. Die STIG-konforme Konfiguration erlaubt es, auch in regulierten Branchen wie Gesundheitswesen oder öffentlicher Verwaltung konsistente Sicherheitsrichtlinien durchzusetzen. Alle Funktionen sind über die Weboberfläche oder das JSON-RPC-WebSocket-API automatisierbar.
TrueNAS entfaltet sein Potenzial nicht als Allzweck-Share, sondern als spezialisierte Backup-Appliance. Die klare Trennung von Freigaben, Datasets und Protokollen, die Nutzung von Fast Clone, Dedupe und ZFS-Snapshots, kombiniert mit dedizierten Tools wie Veeam oder PBS, ergibt eine strukturierte, ausfallsichere und automatisierbare Backup-Architektur.
Um ein Storage-System effektiv von Ransomware-Angriffen zu schützen, bieten sich neben Backup/Disaster Recovery und Verschlüsselung vor allem Object Lock und WORM an. Das gelingt nicht nur im eigenen Haus, sondern auch in der Hybrid-Cloud.