Umfrage zu Software-defined Storage, Teil 2

Von SDS und dem Versprechen der Automatisierung

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Tina Billo

Erik Sterck, geschäftsführender Gesellschafter der Erik Sterck GmbH, sieht neue Technologieansätze bereits greifen.
Erik Sterck, geschäftsführender Gesellschafter der Erik Sterck GmbH, sieht neue Technologieansätze bereits greifen. (Bild: Erich Sterck GmbH)

Seit Jahren - nein, Jahrzehnten - wird Automatisierung als Gegenmittel für die Komplexität in Rechenzentren gepriesen. SDS-Lösungen sollen dazu beitragen. Doch wie schaut es nun tatsächlich aus - zeichnet sich durch ihren Einsatz bereits ein Ende der IT-Verschachtelung ab? Oder wird es Zeit das Thema zu begraben?

"Das Thema hat sich ganz und gar nicht erledigt. Auf Basis virtueller Umgebungen sehen wir aktuell einfachere und effizientere Infrastrukturen - Stichwort hyperkonvergente Infrastrukturen beziehungsweise HCI -, die IT-Abteilungen den Freiraum geben, sich noch stärker als zuvor um die Automatisierung der Plattformen zu kümmern", widerspricht Erik Sterck, geschäftsführender Gesellschafter der Erik Sterck GmbH, der These. Durch neue Technologieansätze sei immer mehr ein "Re-Platforming" erfolgt, was die automatisierte und flexible Bereitstellung von Services verbessere.

Auch Gerald Sternagl, Business Unit Manager Storage EME bei Red Hat, sieht "sehr wohl deutliche Fortschritte bei der Automatisierung von Rechenzentren."

Es geht voran, aber nicht flächendeckend

Die Automatisierung erfolge im Zuge einer "Cloudifizierung" im Rechenzentrum (RZ), so Ralf Colbus, Leading Solution Sales Professional Storage, IBM Deutschland. Diese definiere sich durch die Schritte "Virtualisierung-Standardisierung-Service Katalog-Self Services-Abrechnungsmodelle". Colbus weiter: "Durch die Cloudifizierung hat das RZ heute schon sehr viel in Richtung Automatisierung unternommen, die IT- und vor allem Speicherinfrastruktur durchgreifend zu transformieren und zu automatisieren."

Der IBM-Speicher-Experte sieht aber auch, dass SDS nicht flächendeckend genutzt wird: "Mehr als die Hälfte aller Unternehmen arbeiten heute noch immer mit rein manuellen Verfahren bei Planung, Zuordnung beziehungsweise Provisionierung und Management von Speicher-Ressourcen. Um schneller zu reagieren und Kosten zu senken sollte auch hier dringend nachgebessert werden!"

KI wird's richten

Das bessere sich zusehends seit etwa sechs Monaten, berichtet Florian Bettges, Category Manager Hybrid IT und Cloud Solutions bei HPE. Er hat in diesem Zeitraum "enorme Fortschritte" im Bereich autonomes Rechenzentrum wahrgenommen. "Die Automatisierung ist stark von KI-Systemen abhängig, diese waren bisher selten marktreif. Hier ist ein Wandel zu sehen."

Auch RZ-Experte Dr. Peter Koch, Vice President Solutions & Complexity Management bei Vertiv, sieht einen Wandel, allerdings im Bereich Data Center Infrastructure Management: "Mir scheint, dass eine schrittweise Implementierung von DCIM-Tools stattgefunden hat. Es scheint auch, dass dabei nur wenige große RZ-Betreiber auf große ‚allmächtige‘ Tools setzen, sondern die Einführung schrittweise über kleinere Teilaspekte abdeckende Werkzeuge erfolgt. Viel wird offenbar auch noch manuell oder mit einzelnen nicht miteinander vernetzte Tools gemacht. Was ich noch nicht sehe ist, dass nachhaltig eine Brücke der gemeinsamen Automatisierung von Energie- und IT-Infrastruktur geschlagen worden wäre."

Die Automatisierung wird aber weiter fortschreiten, so Koch: "Ich denke, dass der Bedarf dafür mehr denn je besteht, eine Vielzahl von Mikrorechenzentren für Edge Computing vor Ort wird sich nicht von Hand fahren lassen. Außerdem wird die IT immer mehr automatisiert. Vordenker gehen davon aus, dass wir in Zukunft verteilte Clouds sehen, die auf einer Vielzahl miteinander vernetzter Kleinstrechenzentren laufen und mit Containerna arbeiten, die sich automatisch den jeweils besten Standort suchen.“ Auch Koch rechnet damit, dass die KI bei der Container-Bereitstellung und -Automatisierung eine große Rolle spielen wird.

Fachkräftemangel und Wettbewerbssituation sind Treiber

Christian Winterfeldt, Country Manager Germany, Converged Platforms and Solutions Division, Dell EMC, nennt eindeutige Gründe, wieso die Automatisierung weiter fortschreiten wird, "wie etwa die Personalsituation in den IT-Abteilungen. Neben einer hohen Mitarbeiter-Fluktuation gibt es einen immensen Fachkräftemangel." Ein weiterer Treiber für die Automatisierung sei der "gefühlte Wettbewerb" mit Cloud-Providern: "Der Betrieb von Applikationen in einer Cloud ist gleichbedeutend mit einer automatisierten Bereitstellung von Ressourcen. IT-Leiter ebenso wie die Kunden der IT wollen diese Art der Servicebereitstellung auch im eigenen Rechenzentrum."

Von der Stange ist nicht

So langsam bewegt sich also nach Meinung unserer Experten die Automatisierung gar nicht vorwärts – auch wenn es dem Betrachter durchaus so erscheinen mag. Es gibt viele Gründe für eine Fortsetzung des einmal eingeschlagenen Weges und viele Ansätze, diesen erfolgreich zu verfolgen. Jedes Unternehmen muss sich aber seine eigene Strategie finden.

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