Vom Band zum Cloud-Data-Management

Backup & Recovery neu gedacht

| Autor / Redakteur: Roland Stritt* / Dr. Jürgen Ehneß

Neue Anforderungen, neue Lösungen: Backup ist längst mehr als ausschließlich Tape.
Neue Anforderungen, neue Lösungen: Backup ist längst mehr als ausschließlich Tape. (Bild: © everythingpossible - stock.adobe.com)

Wachsende Datenmengen, anspruchsvolle Anwendungsfälle und zunehmend raffiniertere Cyberbedrohungen stellen neue Anforderungen an Backup-Lösungen.

Das Datenvolumen wächst exponentiell. So prognostiziert IDC, dass die weltweit generierte Datenmenge bis 2025 auf unvorstellbare 175 Zettabyte (175 Milliarden Terabyte) anwachsen wird. Damit steigen auch die Anforderungen und Kosten für Backup und Recovery, also die Sicherung und Wiederherstellung dieser Daten.

In vielen Unternehmen sind die zu diesem Zweck eingesetzten Lösungen jedoch in die Jahre gekommen. Sie wurden in einer Zeit entwickelt, als die Cloud nur als meteorologische Erscheinung im englischsprachigen Raum bekannt war. Die Virtualisierung von Servern, Netzwerken und nun auch Daten setzte sich erst später durch. Konvergierte oder hyperkonvergierte Infrastrukturen waren ebenfalls noch kein Thema.

Moderne Nutzungsszenarien wie das Internet der Dinge (IoT), künstliche Intelligenz (KI) und maschinelles Lernen (ML), Big-Data-Analyse und DevOps sind ebenfalls erst in den vergangenen Jahren hinzugekommen. Moderne Backup-und-Recovery-Technologien wie etwa Cloud-Data-Management sind von Haus aus auf die Anforderungen von heute ausgelegt.

Grundlegende Anwendungsfälle

Die grundlegenden Anwendungsfälle rund um das Thema Sicherung und Wiederherstellung sind Backup, Recovery und/oder Restore. Hinzu kommt Disaster Recovery als Sonderfall der Wiederherstellung. Der Begriff Backup steht bekanntlich für das Anlegen von Kopien von Anwendungen, Dateien oder Datenbanken, damit diese im Falle eines Hardware- oder Software-Problems erhalten bleiben. Das Anlegen von Backups beginnt im Kleinen, bei der Arbeit am Heim-PC, um etwa die Doktorarbeit zu sichern. Das in der gesamten IT-Geschichte stets aktuelle, aber bisweilen vernachlässigte Thema setzt sich fort bis in große Unternehmensumgebungen. Dort ist das Backup kritisch für das Tagesgeschäft oder – im extremsten Fall – für das Überleben des ganzen Unternehmens.

Teilweise parallel verwendet werden die Begriffe Recovery und Restore, wenn es an das Wiederherstellen der gesicherten Daten geht. Beide beziehen sich auf das Abrufen von Dateien von einem Backup-Medium, wie beispielsweise einer externen Festplatte oder einem Speicherband. Recovery bedeutet jedoch in der Regel die Wiederherstellung einer oder mehrerer Dateien, die beschädigt, verlorengegangen, aber auch versehentlich gelöscht oder aus einem anderen Grund nicht mehr verfügbar sind. Ein Restore wiederum bezeichnet normalerweise das Ersetzen eines kompletten Systems oder einer Festplatte aus einem vollständigen System-Backup, was nach einem größeren Systemausfall erforderlich ist.

Damit Unternehmen auch noch gravierendere Katastrophenszenarien überstehen, gibt es schließlich Disaster Recovery, die Wiederherstellung im Notfall. Das Vorgehen sollte in einem Disaster-Recovery-Plan festgelegt sein. Regelmäßige Tests sollen zudem sicherstellen, dass im Katastrophenfall die Wiederherstellung schnell und reibungslos erfolgt. Diese wird gegebenenfalls an einem externen Standort ausgeführt, wenn das primäre Rechenzentrum etwa infolge von Brand oder Überflutung stark in Mitleidenschaft gezogen ist.

Geänderte Anforderungen an Backup & Co.

Die Grundlagen des Backup-Managements bestehen auch heute noch. Die Backup-Lösung wird jedoch nicht mehr nur als Versicherungspolice für den Fall der Fälle betrachtet, in der Hoffnung, dass man sie nie brauchen würde. Angesichts der heutigen Datenflut, immer anspruchsvollerer Cyberangriffe und verschärfter Compliance-Anforderungen sind Datensicherung und Datenschutz geschäftskritisch geworden. Unabhängig von der Unternehmensgröße ist die Investition in das richtige Maß an Datensicherung und Datenschutz entscheidend, um den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten und Strafzahlungen zu vermeiden.

Aus Kostengründen versuchen die IT-Abteilungen jedoch, sich möglichst lange mit bestehenden Lösungen zu behelfen, bevor in neue Technologie investiert wird. Die Kalkulation beim Vergleich Alt gegen Neu sollte aber nicht schöngerechnet werden. So müssen mindestens die Kosten für Software und Hardware sowie das WAN einschließlich der Infrastruktur an externen Standorten für die Replikation einkalkuliert werden.

Hinzu kommen Betriebs- und Personalkosten, je nach Administrationsaufwand. Lange Backup-Fenster aufgrund älterer Technologie sind zudem nicht nur ärgerlich für die IT-Abteilung, sondern bremsen auch die geschäftliche Produktivität aus. Kalkuliert man alle Kostenfaktoren und zu erwartenden Folgekosten aufgrund des Datenwachstums mit ein, wird eine effiziente, schlanke, moderne Backup-Lösung zunehmend attraktiver.

Ein weiterer entscheidender Aspekt ist ein zeitsparendes Backup-Management. Heute ist die Automatisierung von Routineaufgaben erforderlich, damit das regelmäßige Anlegen von Backups weitgehend von alleine erfolgt. Zunehmend automatisierte Prozesse sind unverzichtbar, denn die IT-Abteilungen verwalten heute mehr Daten als je zuvor. Gleichzeitig sollen die Backup-Fenster immer kürzer werden, da das Tagesgeschäft mehr denn je von den digitalen Ressourcen abhängig ist.

Dank Snapshot-basierender Backups müssen produktive Anwendungen während des Sicherungsvorgangs nicht mehr unterbrochen werden. Die Sicherung von NAS-Geräten sollte zudem ohne herstellerspezifische Plug-ins oder proprietäre Speicherformate auskommen und in einem nativen Format stattfinden. Dadurch entfällt das Entpacken vor einer Wiederherstellung. Das „Incremental Forever“-Verfahren macht regelmäßige Vollsicherungen verzichtbar, was Netzwerkbandbreite und Speicherressourcen schont.

Neue Herausforderungen

Der Sicherheitsaspekt wird ebenso immer wichtiger, da externe Cyberbedrohungen zunehmen und anspruchsvoller werden, siehe Ransomware. Unternehmen nutzen Datenbanken, die sich ständig ändern. Die Fachabteilungen müssen sowohl auf aktuelle als auch auf frühere Versionen ihrer Daten zugreifen – und dies alles unter Einhaltung zunehmend strengerer Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit. Netzwerkintern sind zudem unerkannte Datenlecks gefährlich, ebenso wie vorsätzlicher oder unbeabsichtigter Zugriff auf vertrauliche Daten.

Der Austausch der Daten zwischen Vor-Ort-Infrastruktur und Public-Cloud beim sich durchsetzenden Hybrid-Cloud-Modell oder zwischen Clouds (Multi-Cloud) schafft hier neue Herausforderungen. Die Daten sollen auf einfache Weise verlagert werden können, aber stets auch bestmöglich geschützt werden. Eine Gefährdung des Datenschutzes kann effektiv minimiert werden, indem Daten im Ruhezustand („at rest“) ebenso wie in Bewegung („in flight“) verschlüsselt werden.

Virtualisierung ist eine weitere Herausforderung. Herkömmliche Backup-Systeme wurden ursprünglich konzipiert, um physische Hosts zu unterstützen. Eine moderne Backup-Lösung muss virtuelle Umgebungen miteinbeziehen und große Datenmengen ohne Auswirkungen auf die Produktion bewältigen können. Entscheidend sind hierbei Funktionen wie globale indizierte Suche für einen schnellen Datenzugriff und eine granulare Sofortwiederherstellung (Instant Recovery). Da es sich meistens nicht um vollständig virtualisierte Umgebungen handelt, ist es vorteilhaft, virtualisierte und physische Umgebungen problemlos von einer einheitlichen Schnittstelle aus verwalten können.

Zeitgemäße Lösung: Cloud-Data-Management

Die Cloud ist heute wichtiger denn je, auch für das Thema Backup. Ein moderner Ansatz bei Backup-Lösungen ist Cloud-Data-Management – konzipiert, um geschäftskritische Anwendungsdaten über private und öffentliche Clouds sowie virtualisierte und physische Umgebungen hinweg zu orchestrieren. Dabei stehen typische Anwendungsfälle wie Backup, Instant Recovery, Replikation, Suche, Analytik, Archivierung, Compliance und Copy-Data-Management auf einer einheitlichen, überall verfügbaren und flexibel skalierbaren Plattform bereit.

Technologien wie diese, die von Beginn an für die Cloud-Generation entwickelt wurden, ersetzen komplexe herkömmliche Backup-Lösungen durch eine automatisierte Policy-Engine, die Daten über ihren gesamten Lebenszyklus verwaltet und alle gängigen Datenmanagementfunktionen bereitstellt. Es steht eine „Software Fabric“ zur Verfügung, die unabhängig vom Cloud-Anbieter agiert. Unternehmen sind dadurch nicht an einen bestimmten Cloud-Betreiber gebunden, sondern können für die jeweiligen Anwendungsfälle die passenden Cloud-Dienste wählen.

Das Datenmanagement erfolgt dennoch zentral über nur eine Plattform mit hohem Automatisierungsgrad. Daraus resultieren entscheidende Vorteile wie einfache Bedienung, ressourcensparendes Datenmanagement und geringe Auswirkungen auf den Produktivbetrieb bei Backup- und Recovery-Prozessen.

Intuitive Bedienung

Die Vorteile dieses modernen Ansatzes werden auch hinsichtlich der Recovery-Point-Objective (RPO) und Recovery-Time-Objective (RTO) deutlich. Die RPO legt den Zeitpunkt der Wiederherstellung fest und wird durch die Häufigkeit von Backups bestimmt. Die RTO hingegen definiert, wie lange es dauert, um ein Objekt wie eine Datei, einen Server oder ein komplettes Rechenzentrum wiederherzustellen. Das Austarieren von RPO und RTO ist bei herkömmlichen Backup-Lösungen oftmals sehr aufwändig. Hier punktet Cloud-Data-Management (CDM) mit intuitiver Bedienung im zeitgemäßen Stil der Google-Generation.

Eine CDM-Plattform deckt aber nicht nur Standardprozesse rund um Backup und Wiederherstellung ab, sondern erweist sich auch im Falle von Datenverlust durch Cyberangriffe als wertvoll. Trotz präventiver Sicherheitsmaßnahmen müssen Unternehmen täglich davon ausgehen, dass sie von einem Ransomware-Angriff betroffen sein könnten.

Zurück zum Tagesgeschäft

Wenn jedoch ein Backup-System im Einsatz ist, das zuverlässig, schnell und einfach Wiederherstellungen durchführen kann, ist diese Bedrohung nicht mehr geschäftskritisch. Unternehmen können die Zahlung des Lösegeldes für die Entschlüsselung der Daten vermeiden und in Rekordzeit zum „business as usual“ zurückkehren.

Roland Stritt, Director Channels EMEA bei Rubrik.
Roland Stritt, Director Channels EMEA bei Rubrik. (Bild: Rubrik)

Das vielfältige Nutzungsspektrum zeigt, dass Cloud-Data-Management mehr ist als eine gute Backup-Lösung und viele wertschöpfende Funktionen bietet. Bei diesem zeitgemäßen Ansatz des Datenmanagements geht es darum, Daten sicher zu verwalten und zuverlässig bereitzustellen – wann, wo und wozu immer diese gerade benötigt werden. Daten für eine Analyseanwendung in der Cloud sind dann genauso einfach verfügbar wie für das lokale Test- und Entwicklungsteam. Dies eröffnet Unternehmen eine Welt voller Möglichkeiten, ihre Daten zur Wertschöpfung zu nutzen, ohne durch die Infrastruktur eingeschränkt zu sein.

*Der Autor: Roland Stritt, Director Channels EMEA bei Rubrik.

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