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Software und Cloud als Storage-Fokus Kaminario setzt auf Multi-Cloud

| Autor / Redakteur: lic.rer.publ. Ariane Rüdiger / Dr. Jürgen Ehneß

Alles wird zur Software – diesem Paradigma folgt nun auch der zunächst als Anbieter eines innovativen All-Flash-Storage-Systems hervorgetretene Start-up Kaminario. Bis 2025 will der Anbieter eine integrierte Multi-Cloud-Lösung zur Datenverwaltung über alle Protokollebenen hinweg vorlegen.

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Zielarchitektur: Multi-Cloud.
Zielarchitektur: Multi-Cloud.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Mit dem für Tier-1-Block-Storage geeigneten All-Flash-Array machte die 2008 gegründete Firma aus dem Silicon Valley zunächst von sich reden. Das Array war für Scale-Out und Scale-Up geeignet, konnte also zum Beispiel die Zahl der CPUs in einem Knoten oder aber die Zahl der Knoten erhöhen. Funktionen wie Deduplizierung oder Verschlüsselung werden ohne Aufpreis mitgeliefert. Allerdings hat sich Kaminario bereits 2018 von der Hardware-Fertigung getrennt. Nun fertigt Tech Data die K2-Systeme, die anschließend von Kaminario zertifiziert werden.

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Kaminario selbst verkauft mittlerweile nur noch Abos. Zu seiner Lösung gehören seit jeher drei Software-Applikationen, die zusammen die sogenannte „Data Plane Virtualization“ bilden. Sie umfasst die Virtualisierung des gesamten Datenbestandes, die Verwaltung der Ressourcen sowie intelligente Steuerung und intelligentes Monitoring.

Was ist Data Plane Virtualization?

Unter Data Plane Virtualization versteht Kaminario, dass alle Daten, die gemeinsam bewegt werden sollen, weil sie beispielsweise zu einer Applikation gehören, als virtuelle Einheit nahtlos in sogenannten „Pods“ zusammengefasst werden. Dabei spielt es keine Rolle, auf welchen physikalischen Speichermedien und wo sich die Daten befinden.

Die drei Kernkomponenten der Software-Architektur sind VisionOS, Flex und Clarity. VisionOS bezeichnet Kaminario als „Hypervisor für die Datenebene“. Das Tool virtualisiert alle angeschlossenen Speicherressourcen zu einem Pool, der sich dann in Applikations-Pods aufteilen lässt.

Der Ressourcenorchestrierer Flex verwaltet den gesamten Speicherbestand und ermöglicht dadurch, dass beispielsweise einzelne Pods skaliert, verschoben oder auf mehrere Ressourcen verteilt werden. Das dritte Tool, Clarity, überwacht durch analytische Intelligenz laufend das Geschehen auf der Plattform und sorgt beispielsweise dafür, dass potentielle Probleme aktiv erkannt und behoben werden können. Clarity wird als SaaS (Software-as-a-Service) geliefert.

Multi-Cloud als Zielarchitektur

Mittlerweile hat sich Kaminario vollständig in Richtung auf Multi-Cloud-Umgebungen orientiert. Wichtigster Grund ist, dass diese die Sicherheit der Vor-Ort-Speicherung von Daten mit der Flexibilität und Agilität einer Public Cloud verbinden.

CEO Dani Golan verspricht seinen Kunden dabei, sie könnten bei Nutzung einer Kaminario-basierten Multi-Cloud-Storage-Infrastruktur „die Public-Cloud-Kosten sofort um 30 Prozent senken.“

Die Kosteneinsparungen sollen vor allem dadurch zustande kommen, dass die Kaminario-Lösung, verglichen mit anderen Angeboten, laut Swanson mit „der Hälfte bis einem Viertel“ der Public-Cloud-Ressourcen auskommen will. So werden Storage und Compute in der Public Cloud entkoppelt, sprich: Es ist möglich, eine hohe Storage-Leistung mit niedrigen Speicherkapazitäten zu verbinden. Das ist bei Hyperscalern normalerweise nicht vorgesehen.

Kaminario beherrscht Zero Detect in der Cloud

Weitere Gründe: Kunden zahlen bei Kaminario-Services aus der Cloud nur für die genutzte, nicht für die zugewiesene Storage. Zudem speichern Kaminarios Snapshots in der Cloud lediglich Metadaten, was kaum Platz braucht. Üblich seien bei Public-Cloud-Snapshots aber Kopien der gesamten Daten. Gleichzeitig erlaubt Kaminario beliebig viele Snapshots.

Dazu kommen Kompression und Deduplizierung. Schließlich beherrscht Kaminario Zero Detect: Das bedeutet die Fähigkeit, bereits gelöschte, aber noch nicht freigegebene Areale auf der physischen Storage selbständig zu finden und freizugeben, so dass sie neu beschrieben werden können. Diese Funktion ist auch bei stationären Systemen wichtig für Thin Provisioning.

Voller Multi-Cloud-Stack bis 2025

Field CTO Derek Swanson präsentierte während einer Telekonferenz das Modell des kompletten auf Multi-Cloud-Umgebungen zugeschnittenen Kaminario-Storage-Stack. Das Unternehmen will ihn bis 2025 vollständig umgesetzt haben.

Damit befinde sich das Unternehmen im Einklang mit den großen Markttrends hin zur Cloud. Zudem biete es mit seinem Ansatz die richtige Lösung für eine Vielzahl neuartiger Applikationen. In den drei großen Public Clouds von Google, AWS und Microsoft wird Kaminario bereits als PaaS (Platform-as-a-Service) unter VisionOS angeboten. Weitere Public Clouds sollen später folgen.

Kooperation mit Western Digital

Vor Ort verwendet, kann der Storage-Hypervisor auch mit Bare-Metal- und Container-Plattformen unter Kubernetes (K8) kombiniert werden. Neben K2 als Basis ist auch eine Vor-Ort-Lösung mit NVMe-oF-Composable-Infrastructure möglich. Hier kooperiert Kaminario seit 2018 mit Western Digital, das eine eigene Composable-Storage-Lösung anbietet.

Die Orchestrierung übernimmt auch beim Multi-Cloud-Konzept die Software Flex. Ihre Anwendung verteilt die Daten der Pods in Multi-Cloud-Umgebungen sowohl On-Prem als auch auf diverse Public-Cloud-Ressourcen.

Auf der obersten Ebene sollen die Tools Flex und Clarity in der Multi-Cloud gemeinsam agieren. Ziel ist dabei, die Storage respektive die Pods „intentionsbasiert“, selbstheilend und mit Hilfe von Templates zu verwalten. Dabei werden in Flex die gewünschten Servicemerkmale des jeweiligen Pods eingegeben; das System verfolgt dann mittels Clarity automatisch deren Einhaltung und steuert bei Bedarf nach, verlagert also auf andere Ressourcen, erhöht die Kapazität et cetera.

Grafische Benutzerschnittstelle auch für Multi-Cloud

Die grafische Benutzerschnittstelle, die das Managen der einzelnen Pods und der damit verbunden physischen Ressourcen per Drag-and-drop gestattet, wird dabei auf die unterschiedlichen Cloud-Ressourcen ausgeweitet.

Auch innerhalb der Cloud bleibt das Merkmal Kaminarios erhalten, dank einer einheitlichen Datenbasis samt Metadaten und eines einzigen Namensraumes mehrere Datenkopien für diverse Nutzungen überflüssig zu machen. Das ist ein anderer Grund dafür, dass viel Speicherplatz gespart wird.

Kunden können zukünftig bestehende Kaminario-Lizenzen für On-Prem und auch in der Cloud verwenden. Lohnend sei die Lösung allerdings vor allem für Unternehmen, die mindestens 50 bis 100 Terabyte Daten auf dem Tier 1 zu verwalten haben.

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Wettbewerber sind vor allem die Hyperscaler

Während der Präsentation befasste sich Swanson auch mit einigen Wettbewerbern. Cloud Block Store von Pure Storage mit seinen Aktiv-Passiv-Controllern beispielsweise skaliere nicht. Außerdem fehlten weitergehende Datendienste. Profile müssten, so Swanson, auf die SSDs gepusht werden.

Auch den Konkurrenten NetApp hält er für im Grunde für wenig vergleichbar. Bei Cloud Volumes handele es sich im Grunde um Hardware-Kollokation in einem Cloud-Datacenter, bei Ontap fehlten Active-Active-Controller, und die Lösung skaliere nicht. Die Produkte von Firmen wie Portworx zielten zwar auf ähnliche Anwendungsbereiche, seien aber zu leistungsschwach. Swanson reklamiert für Kaminario-Installationen Verzögerungszeiten von nur 200 bis 250 Millisekunden, wobei Kunden beliebig viele Volumes einrichten könnten.

„Unsere eigentlichen Wettbewerber sind die großen Hyperscaler, die noch keine derartige Lösung haben“, sagte Swanson. Diese hätten nämlich derzeit nichts Ähnliches im Angebot.

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lic.rer.publ. Ariane Rüdiger

lic.rer.publ. Ariane Rüdiger

Freie Journalistin, Redaktionsbüro Rüdiger