Wie die IT-Infrastruktur der dritten Generation Speicher und Datenmanagement verändert Storage im Wandel

Autor / Redakteur: lic.rer.publ. Ariane Rüdiger / Dr. Jürgen Ehneß

Mobile, Cloud und massenweise unstrukturierte Daten stellen Storage-Infrastrukturen und den Umgang mit den Daten vor große Herausforderungen. Einige Beispiele dafür, wie Start-ups die Probleme mit neuen Ansätzen lösen wollen.

Firma zum Thema

Die IT-Welt ist im Wandel – das gilt auch und gerade für den Storage-Bereich.
Die IT-Welt ist im Wandel – das gilt auch und gerade für den Storage-Bereich.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Die Speicherwelt war im Gegensatz zu anderen Bereichen der Infrastruktur lange Zeit sehr stabil: Fibre Channel, SAN und NAS bestimmten das Bild. Doch mit hochleistungsfähigen, festplattenlosen Speichertechnologien, schnelleren Zugriffsmöglichkeiten wie NVMe und sich verändernden IT-Landschaften muss auch die Storage sich verändern.

Ein wichtiges Feld ist dabei die Handhabung der großen File-Mengen, die etwa multimediales Arbeiten, Unterhaltung oder Sicherheitskameras erzeugen. Dieser Situation versucht die 2015 gegründete Silicon-Valley-Firma Qumulo mit einem neuen Filesystem zu begegnen.

Bildergalerie

Qumulo: Petabytes zwischen Cloud und On-Prem aufteilen

Das Ziel: Qumulo soll auch Petabyte-Datenmengen in File-Form sicher On-Premises und in der Cloud verwahren, sie in Echtzeit über eine einfach verständliche Schnittstelle verwalten und dabei durch vorausschauendes Caching für Speed sorgen. Automatische Workflows und Apps sowie eine umfassende, ständig erweiterte API-Bibliothek unterstützen Abläufe und Integrationen.

Laut eigenen Angaben hat Qumulo inzwischen mehr als ein Exabyte Kapazität lizensiert und baut jetzt seine globale Präsenz aus. Dabei vertieft der Anbieter seine Kooperation mit den großen Cloud-Anbietern. Das wirkt sich zugunsten der Anwender aus. So ermöglicht Qumulo in AWS neue, weniger kostenträchtige Konfigurationen.

Die zu speichernden Daten verteilt Qumulo automatisch auf zwei Speicherschichten: auf Festplatten und einen großen NVMe-Cache, in dem alle Schreibvorgänge und häufig wiederholte Lesevorgänge auflaufen. Darüber liegt das Qumulo-Filesystem mit seinen 4K-Datenblöcken. Das System sieht die Files während ihres gesamten Lebenszyklus und findet sie, wo immer sie sich befinden.

Erst analysieren, dann speichern

Unstrukturierten Daten, wie sie etwa in Zukunft IoT-Devices erzeugen, und Files widmet sich Komprise. Auch Files werden verwaltet. Das Unternehmen wurde 2014 im Silicon Valley gegründet. Komprise ist Partner von IBM, HPE und Pure, die seine Lösung weiterverkaufen, und gehört zudem zu den Top-Partnern von AWS und Azure. Als nächste technische Erweiterung steht im zweiten Quartal 2021 die Replikation von Pure-Daten auf der technischen Agenda.

Komprise analysiert Daten und Metadaten, versieht die Metadaten mit Tags und verlagert entsprechend den Analyseergebnissen die Daten sinnvoll automatisch auf das passende Speichermedium oder in die Cloud. Die Technologie ermöglicht auch in der Cloud den nativen Datenzugriff und kann inzwischen auf AWS Outpost, der On-Prem-Erweiterung von AWS, arbeiten. Stubs und Agenten braucht Komprise nicht. Welche Storage-Hardware unter der Lösung liegt, spielt keine Rolle. Auch nicht, welche Cloud, obwohl sichtlich besonders enge Beziehungen zu AWS bestehen.

Die Technologie bewähre sich, so das Unternehmen, vor allem beim Zeit- und Kostenmanagement: Der Zeitbedarf für Backups schrumpfe auf ein Fünftel, Datenmigrationen würden auf das 27-Fache beschleunigt, und die Kosten von Storage, Backup und Cloud schrumpften um 70 Prozent, reklamiert das Unternehmen für sich. Zudem vermeide Komprise den Vendor-Lock-in in der Cloud.

Das Europateam hat seinen Sitz in Großbritannien und konzentrierte sich bislang auf UK, DACH und Nordeuropa. Das Europageschäft wird jetzt ausgebaut: Zusammen mit Tech Data will Komprise in Europa einen Service für das Management unstrukturierter Daten anbieten.

Storage-Management Teil 1 – Immer den Überblick behalten

Um einen umfassenden Überblick bieten zu können, behandelt dieses eBook unter anderem die folgenden Themen:
# Was ist Storage-Management?
# Nahe Verwandte des Speichermanagements
# Der Status quo der Storage-Systeme

eBook „Storage-Management“ downloaden

Nebulon: On-Prem-Storage auf eigenem Server über die Cloud verwalten

Auf ganz andere Weise setzt Nebulon die Cloud-Technologie in ein eigenes Produkt um: Das Unternehmen kombiniert eine sogenannte „Services Processing Unit“: einen Server, der beim Kunden steht, mit einer Kontrollschicht in der Cloud („Nebulon ON“), die als von Nebulon gemanagter Software-Service (SaaS) bezogen wird. Vermarktet wird das Ganze als „Cloud-Defined Storage“. Anwendungsfeld sind vor allem geschäftskritische Applikationen.

Nebulon ON basiert auf einem API-Ansatz. Die gesamte Nebulon-Umgebung wird mittels einer grafischen Benutzerschnittstelle in Echtzeit dargestellt. Die Erarbeitung von Skripts für das Storage-Management wird überflüssig. Daten lassen sich auf verschiedenen Aggregationsebenen darstellen.

Im Unternehmen stehen Server mit integrierter Storage, die mit einem von Nebulon entwickelten, IoT-basierenden Controller ausgerüstet sind. Diese PCIe-Karte teilt die im Server vorhandenen SSDs in gemeinsam genutzte und lokale Enterprise-Storage auf. Dafür ist keine Server-Software nötig, und auch andere Ressourcen des Servers werden laut Nebulon nicht beansprucht.

Mehrere solcher zur SPU aufgerüsteten Server können über das lokale Netz zu sogenannten „nPods“, zusammengehörigen Servergruppen, verbunden werden, auf denen dann bestimmte Applikationen laufen. Dabei können die für eine Applikation verantwortlichen Mitarbeiter sich per Selbstbedienung neue Storage-Ressourcen besorgen.

Tape: Totgesagte leben länger

Schließlich noch ein Beispiel dafür, wie auch sehr traditionsreiche Storage-Technologien – in diesem Fall Tape – den Weg in die informationstechnische Zukunft finden können. Denn 60 bis 80 Prozent der Daten liegen in Archiven, können also eigentlich auf Tape, der nach wie vor günstigsten Speichertechnologie, gehalten werden.

Software-Defined Tape, die Idee von Fujifilm, besteht aus Software und einer Lösung, die Tape-Libraries mit einer Technologie zur Speicherung und dem schnellen Auffinden von Storage-Objekten ausstattet. So aufgerüstet, lässt sich Tape verwenden, um unstrukturierte Datenmassen dort langfristig lagern zu können, ohne dass der User ewig auf Abfrageergebnisse warten muss. Unterstützt werden Tape-Libraries von Spectra, IBM, Quantum, Oracle und HPE. Die Bänder dürfen die Formate LTO-7, LTO-8 und TS1160 haben.

Das der eigentlichen Tape-Library vorgeschaltete System hat eine S3-Schnittstelle und arbeitet laut Fujifilm wie Glacier vor Ort. Es besteht aus einem S3-kompatiblen Storage-Server, einem intelligenten Cache und einem Tape-Server. Der Storage-Server speichert Storage-Objekte mit ihren Metadaten. Der Smart Cache packt mehrere Objekte nach bestimmten abfragefreundlichen Regeln und transformiert sie ins Tape-kompatible OTF (Open Tape Format). Ein Tape-Server betreibt das Tape-System und überwacht den Betrieb. Dabei werden die Metadaten aller Objekte in eine spezielle Sektion am Anfang des Bandes geschrieben, was die Retrieval beschleunigt.

Bildergalerie

(ID:47128623)

Über den Autor

lic.rer.publ. Ariane Rüdiger

lic.rer.publ. Ariane Rüdiger

Freie Journalistin, Redaktionsbüro Rüdiger