Interview zur VeeamOn Update 2021 Veeam nimmt die Großkunden ins Visier

Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Dr. Jürgen Ehneß

Veeam plant, bis Ende des Jahres Updates und Erweiterungen des bestehenden Portfolios auf den Markt zu bringen, darunter Cloud-basierte Lösungen für AWS, Microsoft Azure, Google Cloud und Microsoft Office 365. Zudem feierte man die erste Integration von Kasten K10 for Kubernetes in die bestehende Produktplattform. Ein Interview mit Thomas Sandner, Senior Director Technical Sales Germany bei Veeam Software.

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„Je größer das Unternehmen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass Kubernetes oder Container-Technologie an sich bereits verwendet werden“, stellt Thomas Sandner von Veeam fest.
„Je größer das Unternehmen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass Kubernetes oder Container-Technologie an sich bereits verwendet werden“, stellt Thomas Sandner von Veeam fest.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Veeam hat vergangene Woche auf seiner VeeamOn-Update-2021-Konferenz Neuerungen und Updates für das zweite Halbjahr 2021 vorgestellt. Wir haben bei Thomas Sandner, Senior Director Technical Sales Germany bei Veeam Software, nachgefragt, welche genau das sind.

Storage-Insider: Welche Neuerungen hat Veeam zum VeeamON 2021 Update Event vorgestellt?

Thomas Sandner, Veeam: Eine ganze Menge. Zu den Funktionen und Erweiterungen gehören Veeam Backup & Replication v11a, Cloud-basierte Funktionen für Amazon Web Services (AWS), Microsoft Azure und Google Cloud Platform, Integration mit Kasten K10 für Kubernetes, Unterstützung für Red Hat Virtualization Backup, Instant Recovery für Nutanix AHV, Veeam ONE v11a und Veeam Service Provider Console v6.

Welche ist aus Ihrer Sicht die wichtigste Neuerung?

Sandner: Das Wichtigste ist der Support, der innerhalb von AWS, Google und Azure deutlich ausgebaut wurde. Die native Sicherung und Wiederherstellung auf Amazon Elastic File Service (Amazon EFS) und Microsoft-Azure-SQL-Datenbanken wurde neu implementiert, und darüber hinaus sind Nutzer künftig auch in der Lage, Cloud-native Backups zu Amazon S3 Glacier und Glacier Deep Archive, Microsoft Azure Archive Storage und Google Cloud Archive Storage zu konvertieren und damit die Kosten für die Datenspeicherung um ein Vielfaches zu mindern.

Ebenfalls wichtig ist die Wahlfreiheit, was die Plattform angeht – durch den breiten Support an Hyperscalern ermöglicht Veeam den eigenen Kunden maximale Flexibilität.

Veeam bietet zudem neu Cloud-basierte Unterstützung für die führenden Hyperscale-Public-Clouds AWS, Microsoft Azure und Google Cloud. Wie genau sieht die aus?

Sandner: Veeam Backup für AWS ist eine native Sicherung zusätzlicher Dienste. Kunden können damit die native Sicherung und Wiederherstellung auf Amazon Elastic File Service (Amazon EFS) und Microsoft-Azure-SQL-Datenbanken erweitern. Die neue Unterstützung für Amazon S3 Glacier und Glacier Deep Archive, Microsoft Azure Archive Storage und Google Cloud Archive Storage senkt die Kosten für die Datenarchivierung um das bis zu Fünfzigfache.

Die Integration mit AWS Key Management Service (KMS) und Azure Key Vault sowie die neue RBAC-Funktionalität erhöhen die Sicherheit durch eine optimierte Kontrolle der Zugriffsberechtigungen. Zusätzlich ist der GCP-Schutz jetzt direkt in die Veeam-Backup-&-Replication-Konsole integriert. Darüber hinaus können Kunden mit v11a jetzt Backups auf Image-Ebene, die von einem beliebigen Veeam-Produkt erstellt wurden, direkt auf einer GCE-VM wiederherstellen, um eine Cloud-Disaster-Recovery für beliebige Workloads zu ermöglichen.

Thomas Sandner ist seit 2013 bei Veeam. Er verfügt über rund 15 Jahre Beratungskompetenz und Erfahrung als Systems Engineer für Backup-Software, Spezialist für VM-Sicherung sowie Produktmanager bei Fujitsu Technology Solutions.
Thomas Sandner ist seit 2013 bei Veeam. Er verfügt über rund 15 Jahre Beratungskompetenz und Erfahrung als Systems Engineer für Backup-Software, Spezialist für VM-Sicherung sowie Produktmanager bei Fujitsu Technology Solutions.
(Bild: Alexey Testov/Veeam Software)

Basierend auf einem Freemium-Modell bietet Veeam seinen Kunden und Partnern seit 15 Jahren kostenlose Produkte an. Was ist ein „Freemium-Modell“?

Sandner: Veeam bietet seit Gründung Gratisprodukte an, die Administratoren nutzen können. Fast alle Produkte des Portfolios beinhalten aktuell eine kleine (Umfang der Lizenz) Gratislösung. Diese sind besonders für Privatpersonen, kleine und Kleinstunternehmen eine Möglichkeit, die Vorteile einer modernen Datensicherungslösung zu nutzen, ohne dabei von zu großen Lizenzpaketen abgeschreckt zu werden.

Die neue Veeam Service Provider Console v6 ist ein solches kostenloses Produkt. Können Sie es uns näher erläutern?

Sandner: Die Konsole richtet sich primär an Service-Provider und Unternehmen, die ihre Services auch in kleineren Standorten anbieten. Die Konsole bietet einen einfachen Weg, um für selbige Organisationen die vorhandenen Lizenzen und Agenten zu managen.

Neu ist die Integration des Puls-Portals, dass Cloud-Service-Provider automatisiert die Weitergabe der Lizenznutzung reporten und die Lizenzvereinbarung automatisiert angepasst werden kann. Zusätzlich können Reseller auch als Nicht-Service-Provider selbstständig Lizenz-Keys generieren, die automatisiert abgerechnet werden. Als i-Tüpfelchen unterstützt die neue Konsole SAML Single-Sign-On.

Mit den Updates deckt Veeam drei wichtige Anwendungsbereiche ab: Cloud, Container und Virtualisierung. Hat Ihrer Erfahrung nach die Container-Technologie bereits eine ähnliche Durchdringung in Unternehmen erreicht wie die Virtualisierung oder die Cloud? Sagt uns der „Veeam Cloud Protection Trends Report“ etwas dazu?

Sandner: Die Container-Adaptation hat bei weitem noch nicht den gleichen Grad wie Virtualisierung. Container werden vornehmlich von Unternehmen verwendet, die selbst Software entwickeln und agil arbeiten. Der klassische Mittelständler hingegen wird keine vergleichbare Container-Struktur betreiben. Das liegt unter anderem daran, dass Kubernetes, Container und Co. sehr viel Fachwissen benötigen, das händeringend gesucht wird. Kurz gesagt: Je größer das Unternehmen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass Kubernetes oder Container-Technologie an sich bereits verwendet werden.

Erstaunlich ist besonders die Adaption im öffentlichen Sektor wie Behörden und Verwaltungen und in Versicherungen – allesamt Organisationen, denen in der Digitalisierung oft eine gewisse Lethargie unterstellt wird. Dennoch lässt sich sagen: Durch den hohen Grad an Komplexität ist die Durchdringung von Container-Technologie noch nicht auf einem vergleichbaren Level wie die der Virtualisierung und der Cloud.

Wen betrachten Sie als primäre Zielgruppe für die Neuerungen?

Sandner: Besonderes Ziel der aktuellen Neuerungen sind speziell Großkunden – daher sind die meisten neuen Funktionalitäten und Features Enterprise-fokussiert. Die meisten der Veeam-Lösungen waren bisher bereits maßgeschneidert auf KMU – nun deckt das Produktportfolio durch beispielsweise die zentralisierte Verwaltung für den Schutz von IBM AIX und Oracle Solaris zusätzlich auch die wichtigsten Anforderungen von Enterprise-Kunden ab. Das Veeam-Produktportfolio erfüllt daher in Zukunft die Anforderung aller Unternehmen, egal welcher Größe.

Vielen Dank für das Interview, Herr Sandner!

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