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Veritas drei Jahre nach Aufkauf durch die Carlyle-Group Datensicherheitsspezialist ist bereit für die Containerwelt

| Autor / Redakteur: lic.rer.publ. Ariane Rüdiger / Dr. Jürgen Ehneß

Seit Februar 2016 befindet sich Veritas im Eigentum einer Investorengruppe, die von der Carlyle Group angeführt wird. Das hat zu frischem Schwung geführt: In den vergangenen drei Jahren hat sich Veritas fit für Container, das Cloud-Business und die Nutzung von KI/ML-Algorithmen gemacht. In Deutschland liegt der Fokus neben Großunternehmen auf Kunden aus dem Mittelstand.

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Veritas hat sich in den vergangenen Jahren für die Containerwelt fit gemacht.
Veritas hat sich in den vergangenen Jahren für die Containerwelt fit gemacht.
(Bild: © chungking - stock.adobe.com)

„Es kann schon sein, dass wir in den Jahren nach dem Aufkauf durch Symantec etwas Staub angesetzt hatten, aber der ist jetzt weg.“ Sascha Oehl, Presales-Leiter bei Veritas, zeigt sich im Gespräch mit Storage-Insider überzeugt, dass das Unternehmen an seine sehr erfolgreiche Vergangenheit vor dem Symantec-Aufkauf anschließen kann. Veritas sieht sich heute als Spezialist für Enterprise-Datensicherung und Software-Defined Storage.

Zur Erinnerung: Symantec hatte Veritas im Jahr 2004 für mehr als 13 Milliarden US-Dollar gekauft, wusste dann aber mit dem Unternehmen wenig anzufangen. Schließlich entschied man sich, Symantec aufzuspalten und Veritas wieder eigenständiger operieren zu lassen. Zum 1. Februar 2016 ging dann Veritas in den Besitz der Carlyle-Group, eines Finanzinvestors, über. Symantec gehört inzwischen dem Chipgiganten Broadcom.

Seit dem Carlyle-Deal wird Veritas privat gehalten. Die deutsche Tochtergessellschaft operiert als GmbH. Daher gibt es keine Informationen darüber, wie viele Mitarbeiter für das Unternehmen in Deutschland tätig sind, wie viele Kunden im deutschsprachigen Raum die Software des Anbieters nutzen und so weiter.

Fluidops und Aptare

„Unsere wichtigsten Produkte sind jetzt auf Containertechnologie umgestellt“, beschreibt Oehl, wozu man die Zeit genutzt hat. Zudem hat der Software-Spezialist seine Lösungen für viele Cloud-Umgebungen zertifizieren lassen. So kann beispielsweise das Enterprise-Produkt Netbackup Daten On-Premises sichern, besitzt die nötigen Cloud-Schnittstellen und lässt sich auch als Cloud-App in den Infrastrukturen vieler Provider betreiben.

Die vergangenen beiden Jahre waren unter anderem bestimmt von der Integration der Technologien zweier Aufkäufe: Ende März 2018 übernahm der Anbieter das Walldorfer Start-up Fluidops, einen Spezialisten für Silo- und Cloud-übergreifendes Daten- und Prozessmanagement. Seine Technologien finden sich beispielsweise in Selbstheilungs- und Autokonfigurationsfunktionen der Veritas-Produkte. Ein weiteres Anwendungsfeld sind intelligente Regeln für die Sicherung konkreter Workloads.

Im März 2019 folgte der Analytikspezialist Aptare. Dessen Spezialität ist das Management-Reporting über Multicloud-Umgebungen. „In komplexen Umgebungen kann die Technologie von Aptare dafür sorgen, dass man jederzeit den Überblick hat, was wo gesichert ist, und über eine übergeordnete Schicht beispielsweise verteilte Snapshots und Backups zusammenführen kann“, erklärt Oehl.

„Alle wichtigen Applikationen sind bereits auf Docker-Containertechnik umgestellt, der Rest folgt Schritt für Schritt“, sagt Sascha Oehl, Preasles-Leiter DACH bei Veritas GmbH.
„Alle wichtigen Applikationen sind bereits auf Docker-Containertechnik umgestellt, der Rest folgt Schritt für Schritt“, sagt Sascha Oehl, Preasles-Leiter DACH bei Veritas GmbH.
(Bild: Veritas)

Anwendungsbezogene Datenverfügbarkeit

Sie steckt in dem im August vergangenen Jahres angekündigten Plattform für Enterprise-Data-Services für VMware-Umgebungen On-Premises und in den gängigen Cloud-Umgebungen. Die Plattform vereinigt diverse Lösungen von Veritas und kann auch in hybriden Multi-Cloud-Umgebungen eingesetzt werden. Integriert wurden als Basistechnologie neben den analytischen Funktionen von Aptare auch Netbackup (derzeit aktuelle Version: 8.2) und Infoscale, ein Veritas-Produkt, das dafür sorgt, dass Daten anwendungsbezogen jederzeit verfügbar sind.

Aptare-Technologie liefert Einblicke in alle Daten, die On-Premises oder irgendwo in einer hybriden Multi Cloud liegen, sowie in die zugrunde liegende Infrastruktur. Die Lösung ist eng mit VMwares Produkten vRealize Automation und vRealize Orchestrator integriert. Netbackup schließlich übernimmt in VMware-Umgebungen die granulare Datenwiederherstellung ohne das sonst erforderliche Virtual Disk Image (VMDK).

Container-Backup

Schließlich erweiterte Veritas sein Appliance-Spektrum mit der Serie Flex um eine Variante, die auf Containertechnologie basiert. Intel-Prozessoren und ausreichend interner Speicher sorgen für hohe Leistungspotentiale. Gleichzeitig können die Flex-Appliances mit Hilfe der Software Cloudcatalyst Daten in die Cloud verlagern, so dass sie sich je nach Aufbau der Umgebung auch als Cache im Cloud-Vorfeld nutzen lassen. Später sollen die Appliances horizontal skalierbar werden, um steigende Kapazitätsanforderungen unkompliziert zu befriedigen.

Derzeit sind zwei Varianten auf dem Markt: Flex 5150 mit nur einer Höheneinheit ist für das Edge gedacht, um beispielsweise die Daten zu speichern und zu bearbeiten, deren Analyse von den Endgeräten sofort benötigt wird. Das System kann sich mit mehreren Clouds verbinden und lässt sich aus dem Hintergrund warten. Die größere Lösung, Flex 5340, bringt bis zu 2 Petabyte Speicher mit und ist beispielsweise zur Konsolidierung mehrerer Netbackup-Umgebungen gedacht.

Einhaltung von Compliance-Regeln

„Mit den Flex-Appliances können wir Services wie die Information Studio zu den Daten bringen statt umgekehrt“, erklärt Oehl. Information Studio findet beispielsweise Daten, die veraltet sind oder nach Compliance-Regeln nicht mehr gehalten werden dürfen. Auch vor Ransomware und anderen Schädlingen werden die Daten per Backup geschützt.

Die bisherigen Appliances der Serien Netbackup und Access bleiben vorerst auf dem Markt, genau wie die Virtual Appliances. Die Hardware-Produkte sollen aber wohl nach und nach durch neue Systeme der Flex-Serie abgelöst werden. Das ist allerdings ein mittelfristiges Vorhaben. Anwender brauchen sich keine Sorgen um den Support bestehender Produkte zu machen.

Mit den Flex-Appliances bewegt sich Veritas auf einem attraktiven Markt: Nach einer IDC-Studie aus dem Jahr 2019 soll sich der Markt für zweckgebundene Appliances zwischen 2019 und 2024 sehr positiv entwickeln. Der weltweite Umsatz dieser Produktkategorie werde in diesem Zeitraum von 5,2 Milliarden US-Dollar auf 8,6 Milliarden Dollar weltweit anwachsen, prognostiziert IDC und beziffert die jährliche Wachstumsrate auf 10,6 Prozent.

Als einen der Markttreiber nennt IDC übrigens die DSGVO – das gilt natürlich vor allem für europäische Kunden. Dazu komme die rasante Entwicklung von IoT. Besonders stark soll der Umsatz bei kleinen und mittelständischen Kunden steigen.

Fokus auf dem Mittelstand

Es erscheint da nur folgerichtig, dass Veritas in den vergangenen Jahren im deutschsprachigen Raum seinen Mittelstandsfokus geschärft hat. „Der Mittelstand nutzt Produkte anders und will auch anders betreut werden. Deshalb haben wir seit einem Jahr für diese Gruppe ein eigenes Team“, sagt Oehl.

Diese Herangehensweise zahle sich in besseren Kontakten zu den einzelnen Kunden aus. Man habe das US-Management von entsprechenden Investitionen überzeugen können, berichtet Oehl. Deren Höhe bleibt allerdings im Dunkeln, genau wie die Teamgröße des deutschen Mittelstandsteams.

Insgesamt, so Oehl weiter, steige die Bedeutung des DACH-Marktes für das globale Geschäft von Veritas. „Das gilt nicht nur wegen des Umsatzes, sondern weil die Kunden hier selbst sehr innovativ sind. Sie wollen eine Verbindung zum Engineering“, erläutert Oehl. Deswegen wird die Kommunikation über den Atlantik hinweg gezielt verbessert und intensiviert.

Kein Direktgeschäft

Entwickeln freilich will Veritas nach wie vor nicht in Deutschland. Diese Aufgabe werde in den USA und Indien erledigt, und dabei solle es vorerst bleiben. Insgesamt sei das deutsche Management eng mit dem europäischen verzahnt. Welche Aufgaben vorwiegend aus der Europazentrale im britischen Redding wahrgenommen werden, will Oehl aber nicht verraten.

Und noch eines macht der Presales-Chef klar: Veritas bleibt beim reinen Channel-Modell und plant nicht, selbst in das Direktgeschäft mit Cloud-Services einzusteigen. Mit Providern macht man allerdings durchaus Geschäfte. „Wir haben spezielle mandantenfähige Lizenzmodelle für Cloud-Provider entwickelt“, sagt Oehl. So betreibt T-Systems einen DRaaS-Dienst (Disaste-Recovery-as-a-Service) aus der Cloud heraus mit Veritas-gelabelter Software. Beratung und Durchführung übernimmt T-Systems.

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lic.rer.publ. Ariane Rüdiger

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Freie Journalistin, Redaktionsbüro Rüdiger