Flash- und Tape-Neuheiten von IBM

IBM macht Storage fit für die Zukunft

| Autor / Redakteur: Michael Matzer / Dr. Jürgen Ehneß

Einer der Schwerpunkte bei IBM: Storage für Künstliche Intelligenz.
Einer der Schwerpunkte bei IBM: Storage für Künstliche Intelligenz. (Bild: sdecoret)

IBM hat eine Reihe von Storage-Neuheiten angekündigt, die teils Anfang 2020 verfügbar sein werden. Mit ihnen will IBM Bedrohungen wie Ransomware abwehren und Anwendungsszenarien wie Big Data, KI und HPC fördern.

„Bezahlte Ransomware-Hacker haben es zunehmend auf die Sicherungskopien des angegriffenen Unternehmens abgesehen“, berichtet Ralf Colbus, Chief Strategy Officer für IBM Storage in der DACH-Region. „Im Darknet kann man einfach die Vernichtung eines Konkurrenzunternehmens bestellen und veranlassen, dass dessen Produktionsspeichersysteme [LUNs] und sämtliche Filesysteme gelöscht oder zumindest verschlüsselt werden – ohne eine Lösegeldforderung zu schicken.“

Zudem sei zu beobachten, dass auch Backup-Systeme Ziel einer solchen Attacke würden. „Einer sehr bekannten Firma aus der DACH-Region wurden alle Firmendaten gelöscht, doch wir konnten diese Daten binnen zwei Wochen wiederherstellen; das Unternehmen ist jetzt wieder betriebsbereit. Die Lebensversicherung dieses Unternehmens war Tape mit Air Gap und bewusstem Medienbruch – dies erwies sich als unüberwindbar für diesen Angriff.“

Was die Unternehmen heutzutage mehr denn je bräuchten, so Colbus, seien Cyber-Resilienz-Konzepte. Damit auch Backups keine Achillesferse mehr darstellen, hat IBM seine Backup-Software um die Eigenschaft erweitert, Ransomware zu entdecken und Gegenmaßnahmen zu ergreifen, sowie ihr eine Zwei-Faktor-Authentifizierung für das Löschen wichtiger Daten eingebaut.

Um eben gezielten Air Gap und bewussten Medienbruch im Backup-Umfeld zu erreichen, hat IBM seine Tape Library TS4500 erweitert. Für Cloud-Provider unterstützt diese jetzt auch RDMA over Converged Ethernet (RoCE) v2.0 mit einem 10-Gigabit-Ethernet-Anschluss. Die Schreib-/Lesegeschwindigkeit der neuen 20-TB-Kassette liege bei 400 MB/s.

Für Mainframes des Systems z und LinuxONE steht nun die TS7700 Virtual Tape Library bereit. TS7700-Lösungen seien so konzipiert, dass sie eine hohe Leistung für aktive Daten böten und gleichzeitig die Kosten für Archivierungs-, Datenhaltungs- und Sicherungsvorgänge hinter IBM-Z- und LinuxONE-Servern senkten. Ausgestattet mit einer Power9-CPU, speichert die TS7770 jetzt über 3 Petabyte (PB) Daten und kann sowohl ein Tape-System als auch die Cloud als Backend-Speicher verwenden.

Verwendet man die neue Mainframe-Storage-DS8900, die zeitgleich mit der IBM z15 auf den Markt kam, so soll sich diese Leistung noch steigern lassen. Durch die Grid-Architektur stehen diese VTLs bei jedem Ausfall in Sekundenschnelle wieder zur Verfügung. Dass sich die Verschlüsselung aller Daten durchgehend realisieren lässt, ist in Z-Umgebungen seit der z14 (2018) Standard.

Kürzlich haben IBM-Kryptographen das weltweit erste quantencomputersichere Band der Unternehmensklasse prototypisiert. Aber wie ein technischer Experte auf der VMworld Europe 2019 meinte, sind für das Knacken heutiger Schlüssel mindestens 2.000 Qubits nötig – und bis dahin ist es noch ein langer Weg.

Flash-Storage

Bei Flash-Storage führt die Entwicklung von SLC (Single Level Cell) und MLC (Multi Level Cell) über TLC (Triple Level Cell) nun zu QLC: Quadruple Level Cell, also 4 Bit pro Zelle. „Das bringt 33 Prozent Leistungszuwachs gegenüber TLC“, sagt Colbus. Basis sei die IBM-Eigenentwicklung IBM Flash Core Memory (FCM). „Die Anfang 2020 kommenden Flash-Module speichern Blockdaten, und damit werden wir in der Lage sein, 1,8 PB Daten auf 2 Höheneinheiten auf Enterprise-Niveau zu speichern.“ Diese neue Baureihe unterstützt laut Colbus automatische Verschlüsselung, Kompression, Infiniband-Übertragungsraten sowie Stripe-RAID. Das Bauteil, für das IBM fünf Jahre Garantie biete, verbinde Hochleistung mit maximaler Kapazität.

Durch das neue Container Storage Interface for Kubernetes GA (CSI) sollen alle IBM-Storage-Produkte in die Lage versetzt werden, Container, die von Kubernetes, Ceph oder Mesos verwaltet werden, zu unterstützen. „Damit“, so Colbus, „kann ein Kunde unsere Flash- und Filesysteme in einer containerisierten Umgebung einsetzen. Dieses Interface nutzen wir jetzt auch in unserer Backup-Software, um Container zu sichern.“ Der nächste Schritt bestehe dann darin, IBMs Software-Defined-Storage-Produkte (SDS) in einem Container zu realisieren.

Storage für Big Data, KI und HPC

Eine Herausforderung im Bereich KI und Big Data ist das Klassifizieren und Etikettieren von Daten. Hierzu wurde IBM „Spectrum Discover“ entwickelt. Die Software wertet Metadaten aus, die von Systemen oder Kunden kommen, welche die Metadaten spezifizieren können. Diese Auswertung soll künftig das bislang von Menschen mühselig vorgenommene Tagging und Etikettieren von Datenobjekten wie Grafiken, Videos und Audiodateien ersetzen, mit denen Modelle trainiert werden. „Das Search & Tag erfolgt wie bei Apache Tika je nach Kontext und erledigt die Klassifizierung der Daten selbst, weil es kontextsensitiv arbeitet“, erläutert Colbus. Es lassen sich Drittanbieter wie Netapp, EMC Isilon oder Amazon S3 einbinden und Backup-Daten auswerten. Discover ist seit dem 22. Oktober erhältlich.

„Spectrum Scale“ v5.0 dient als Data-Lake- und Daten-Management-Plattform. Die Anwendungsszenarien umfassen alle Bereiche, in denen Machine Learning und Deep Learning auf unstrukturierte Daten angewandt werden, sei es in der Strafverfolgung, öffentlicher Sicherheit, Life-Science und so weiter. Spectrum Scale wird von IBM als Appliance oder als reine SW angeboten. Neu ist jetzt eine NVMe-Appliance: die ESS 3000. Sie kombiniert Spectrum Scale mit NVMe-Flash-Speicher für maximale Scale-out-Leistung, wobei sein Datendurchsatz bei 40 GB/s pro 2U-System liegt. Das Kapazitätsspektrum reicht von mehreren zehn bis zu hunderten Terabyte pro 2U. Software-definiertes Erasure Coding (ECE) stellt die Datenwiederherstellung sicher. Dabei wird weniger Platz als bei der Datenreplikation belegt. Wiederherstellungen können nur Minuten statt Stunden oder Tage dauern – und dies ohne Betriebsunterbrechung.

Aber es geht noch schneller: „Verwendet man statt NFS unser Spectrum Scale für die KI-Appliance Nvidia DGX-2 (x86) oder IBM Power System AC 922 auf ESS 3000, ist für maximale Durchsatzkapazität für KI-Zwecke gesorgt“, so Colbus.

Die Lösung lässt sich nach Angaben von Colbus als eigenständiges System, als Scale-out mit zusätzlichen ESS-3000-Systemen oder mit dem IBM Elastic Storage Server implementieren. Ebenfalls neu ist die Spectrum Scale Erasure Core Edition (ECE) für CSPs und Hyperscaler. Diese läuft auf x86 HW mit internen Disks und kann einen Spectrum-Scale-RAID-Cluster bilden. So können bis zu 128 x86-Server zu einem Cluster zusammengeschaltet werden; nach dem Ausfall eines Servers oder von internen Disks wird nach Colbus’ Angaben durch die Spectrum-Software der Vorzustand wiederhergestellt.

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