Gartner untersucht Hersteller und Backup- sowie DR-Produkte Aus den magischen Quadranten für Backup und Recovery

Autor: Ulrike Ostler

Verantwortliche für Infrastruktur und Betrieb (I&O), die mit dem Backup-Betrieb betraut sind, müssen die Backup-Infrastruktur neu gestalten, heißt es im Gartner-Report „Magic Quadrant for Enterprise Backup and Recovery Software Solutions“ vom Juli dieses Jahres. Die Analysten nennen etwa Aspekte der Technologie, des Betriebs und der Nutzung, die es zu berücksichtigen gilt.

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Wer sich aufmacht, mächtige Disaster-Recovery- und Backup-Tools zu finden, dem ist eine Orientierung durch die Einteilung in Quadranten möglicherweise eine Hilfe. Gartner hat einen „Magic Quadrant for Enterprise Backup and Recovery Software Solutions“ erstellt.
Wer sich aufmacht, mächtige Disaster-Recovery- und Backup-Tools zu finden, dem ist eine Orientierung durch die Einteilung in Quadranten möglicherweise eine Hilfe. Gartner hat einen „Magic Quadrant for Enterprise Backup and Recovery Software Solutions“ erstellt.
(Bild: Stefan Keller auf Pixabay)

Um in den Bericht aufgenommen zu werden, mussten die Anbieter folgende Kriterien erfüllen: Das Unternehmen muss eine installierte Basis von mindestens 1.000 Kunden innerhalb des Marktes bedienen. Darüber hinaus müssen mindestens 250 der 1.000 Kunden die Sicherungs-Software für mindestens 100 physische Server oder 100 virtuelle Server an einem einzigen Einsatzort oder in einer Cloud-Region eingesetzt haben. Dies schließt Endpunkt-Backups aus.

Außerdem hat der Anbieter seine Produkte unter seinem eigenen Markennamen in mindestens zwei der folgenden Großregionen aktiv zu verkaufen und zu unterstützen: Nordamerika, Europa oder die Region Asien/Pazifik. Mindestens 20 Prozent des Gesamtumsatzes und der bestehenden Kundenzahl müssen von außerhalb der Hauptregion stammen.

Ferner ist Voraussetzung, dass die Produkte folgende Umgebungen unterstützen:

Hypervisor: Von VMware und Hyper-V über die Integration mit den von diesen Hypervisoren bereitgestellten Backup-Frameworks,

Anwendungen: Microsoft Exchange und Microsoft Sharepoint oder Unterstützung der Sicherung von Microsoft Office 365,

Betriebssysteme: Windows, Linux,

Datenbanken: datenbankkonsistente Kopien von Oracle und Microsoft SQL Server.

Der Gartner-Bericht „Magic Quadrant for Enterprise Backup and Recovery Software Solutions“ stammt aus dem Juli 2021.
Der Gartner-Bericht „Magic Quadrant for Enterprise Backup and Recovery Software Solutions“ stammt aus dem Juli 2021.
(Bild: Gartner)

Letztlich finden sich im Report Angaben zu Acronis, Arcserve, Cohesity, Commvault, Dell Technologies, Druva, IBM, Micro Focus, Rubrik, Unitrends, Veeam, Veritas Technologies und Zerto.

Zerto

Zu den Stärken des Unternehmens Zerto und dessen Lösungen gehören laut Bericht, dass es sich um ein konvergentes Backup- und DR-Produkt handelt. Das sei, so die Analysten, ein Alleinstellungsmerkmal: „Zerto bietet eine einzige Plattform, die Backup- und DR-Funktionen kombiniert und so die Datensicherungsarchitekturen vereinfacht. Seine CDP-basierte Architektur ermöglicht sehr niedrige RPOs.“

Dazu passt das Attribut „einfache Bedienung“: Kundenrezensionen von Gartner Peer Insights und Kundenbefragungen von Gartner zeigten, dass Zerto eine intuitive Benutzeroberfläche biete, die eine einfache Bedienung ermögliche.

Außerdem erlaube die Zerto-Plattform eine plattformübergreifende Wiederherstellung von VMware- oder Hyper-V-VMs auf „AWS“ und „Microsoft Azure“. Damit böten sich mehrere Optionen für die Wiederherstellung.

Die Kritikpunkte

Was als Vorteil gilt, kann auch nachteilig wirken: Aufgrund seiner nicht-traditionellen Architektur wird Zerto nicht als direkte Kaufalternative zu traditionellen Backup-Anbietern angesehen. Kunden, die sich für Zerto entscheiden, müssen ihre Architektur und Infrastrukturanforderungen genau verstehen und sicherstellen, dass Backup-Funktionen wie Anwendungskonsistenz, granulare Wiederherstellung und Anforderungen an die Aufbewahrungszeit berücksichtigt werden.

Ein weiterer Kritikpunkt ist laut Gartner, dass Zerto keine Unterstützung für die Erkennung von Malware biete. Kunden seien für die Unveränderbarkeit von Backups auf Speicher-Repositories von Drittanbietern angewiesen. Laut Gartner-Bericht hinkt Zerto bei der Identifizierung von sauberen Sicherungskopien und der Bereitstellung einer isolierten Wiederherstellungsumgebung hinter der Konkurrenz her.

Zudem schlägt negativ zu Buche: Aufgrund von architektonischen Einschränkungen unterstützt Zerto keine Air-Gapping-Funktionen. Dazu komme, dass Zerto kein Backup von „AWS EC2“-Instanzen in dieselbe Verfügbarkeitszone unterstütze. Für die Sicherung von Microsoft-Azure-Instanzen müssten Kunden zwei Zerto-Cloud-Appliances in derselben Region installieren, was die Komplexität der Verwaltung erhöhe.

Micro Focus

Micro Focus ist ein Nischenanbieter und mit „Data Protector“, einer Plattform, die in erster Linie Workloads in physischen und virtuellen Umgebungen schützt – ein Neueinsteiger in diesem Magic Quadrant. Die Software wird in zwei Editionen angeboten: der „Express Edition“, die hauptsächlich für virtuelle Umgebungen gedacht ist, und der „Premium Edition“, die für virtuelle und physische Umgebungen und die Integration mit Cloud-Umgebungen positioniert ist.

Die Aktivitäten des Anbieters sind geografisch diversifiziert, und seine Kunden sind hauptsächlich im mittleren Marktsegment angesiedelt. Zu den im vergangenen Jahr angekündigten Schlüsselfunktionen gehörten die Unterstützung von „Microsoft 365 Exchange Online“, eine verbesserte Hyper-V-Sicherung durch die Integration der Funktion zur Nachverfolgung von Änderungsblöcken und die Integration von Hewlett Packard Enterprise (HPE) „Primera Storage Array Snapshots“.

Die Stärken

Zu den Stärken gehört laut Gartner auf jeden Fall die Preisgestaltung. Data Protector Express Edition biete einen der niedrigsten Lizenzpreise pro Sockel unter den in dieser Studie untersuchten Anbietern.

Stark ist das Tool auch in der Integration in das Ökosystem. Data Protector lässt sich in die Hardware-Snapshot-Funktionen einer Reihe von Anbietern von Primärspeicher-Arrays integrieren und unterstützt eine breite Palette von Anbietern von Deduplizierungs-Applikationen, die speziell dafür entwickelt wurden.

Außerdem ist die Software ist in vier Sprachen lokalisiert und berücksichtigt damit die länderspezifischen Sprachpräferenzen.

Die Schwächen

Allerdings hinke Micro Focus bei der Bereitstellung von Datensicherungsfunktionen für Public-Cloud-IaaS, SaaS und hyperkonvergente Infrastrukturen (HCI) hinter der Konkurrenz her, so der Report. Es fehlten kritische Anti-Ransomware-Funktionen wie die Erkennung anormaler Bedingungen, isolierte Wiederherstellungs-Orchestrierung und die Integration von Malware-Scannern anderer Anbieter.

Die Analysten bemängeln zudem eine veraltete, nicht webbasierte Benutzeroberfläche, die in Sachen Benutzerfreundlichkeit deutlich hinter der Konkurrenz zurückbleibe.

Kunden, die Data Protector über Partner beziehen, müssen sicherstellen, dass sie einen glaubwürdigen Partner mit ausreichender Erfahrung in der Bereitstellung und Unterstützung von Data Protector auswählen. Das Partner-Enablement von Micro Focus für Data Protector nach der Übernahme des Software-Geschäfts von HPE ist noch nicht abgeschlossen.

Der Gewinner: Veeam

Veeam ist der Leader in diesem Magic Quadrant. Das Unternehmen führt mit der Veeam Availability Suite (VAS), die aus Veeam Backup & Replication und Veeam One für Backup-Überwachung und -Analyse besteht. Backup für öffentliche Cloud-Umgebungen und DR-Orchestrierung werden durch Add-on-Produkte ermöglicht. Die Aktivitäten von Veeam sind geografisch diversifiziert, und die Kunden des Unternehmens sind in der Regel im Enterprise- und Midmarket-Segment angesiedelt.

In den vergangenen zwölf Monaten hat Veeam neue Tools für Azure- und Google-Cloud-Platform-Backups, eine unveränderliche Backup-Repository-Option für Linux-basierte Backup-Ziele sowie Plug-ins für Oracle-RMAN-Backups in AIX-Umgebungen und SAP auf Oracle angekündigt. Veeam hat auch seine AWS-Backup-Funktionen erheblich erweitert, indem es Unterstützung für AWS RDS, anwendungskonsistentes EC2-Backup, regionsübergreifende DR auf AWS, Change-Block-Tracking mit EBS-Volumes und Unterstützung für AWS Outposts eingeführt hat. Im Oktober 2020 übernahm Veeam Kasten und erweiterte damit sein Produktportfolio um die Unterstützung von Container-Backups.

Die Stärken

Veeam bietet eine sofortige Wiederherstellung von Hyper-V, VMware VMs und NAS-Umgebungen sowie eine automatisierte sofortige Wiederherstellung von Microsoft SQL Server- und Oracle-Datenbanken, wodurch die Wiederherstellungszeit dieser Arbeitslasten erheblich reduziert wird.

Bei der Erstellung einer Backup-Richtlinie zum Schutz von AWS- und Microsoft Azure-Instanzen bietet der Hersteller den Administratoren eine granulare Ansicht der geschätzten Cloud-Backup-Kosten für verschiedene Komponenten. Dies hilft Anwendern, die Backup-Richtlinien bei Bedarf anzupassen, und sorgt für eine vorhersehbare Preisgestaltung.

Außerdem äußern sich die Kunden sehr zufrieden mit dem technischen Support. Hinzu kommt die Funktion Veeam Intelligent Diagnostics, die Konfigurations- und Leistungsprobleme erkennt und eine Option zur automatischen Behebung über Veeam One bietet.

Negativ aufgefallen

So viel Funktionalität bedingt Komplexität der Bereitstellung. Einige Kunden berichten, dass große Veeam-Bereitstellungen komplex zu verwalten seien, da die Bereitstellungen in der Regel mehrere Komponenten umfasse, darunter mehrere Backup-Server, Proxy-Server, Mount-Server, Agenten und Backup-Repositories.

Negativ fällt zudem auf, dass Veeam nicht über eine globale Deduplizierung verfügt, was die Abhängigkeit von Deduplizierungs-Appliances von Drittanbietern zur Reduzierung der Speicherkosten erhöht.

Außerdem unterstützt der Anbieter kein automatisches Tiering. Dies erhöht die Speicherkosten für Backups, die eine längere Aufbewahrungszeit benötigen.

Ein Herausforderer: IBM

IBM gehört neben Arcserve zu den Herausforderern in diesem Magic Quadrant. Sein Spectrum-Protect-Portfolio besteht aus Spectrum Protect, Spectrum Protect Plus, Spectrum Protect Snapshot und Spectrum Copy Data Management. Zusammen erfüllen sie die Anforderungen an Datensicherung und -wiederverwendung für ein breites Spektrum von Anwendungen.

Die Aktivitäten von IBM sind geografisch diversifiziert, und die Kunden des Unternehmens gehören in der Regel zum Großunternehmenssegment des Marktes. Im vergangenen Jahr hat der Anbieter zwei Updates für Spectrum Protect und Spectrum Protect Plus veröffentlicht. Zu den wichtigsten Funktionsankündigungen gehörten die Verfügbarkeit von Spectrum Protect Plus auf dem AWS-Marktplatz, Erweiterungen für die Kubernetes-Sicherung und die Unterstützung von Google Cloud Object Storage als Sicherungsziel.

Die Pluspunkte

Zu den Stärken zählen die Gartner-Analysten, dass IBM Spectrum Protect Plus eine umfassende Lösung für Container-Backup bietet, mitsamt einer automatischen Erkennung von Containerumgebungen. Das Produkt schützt persistente Volume Claims (PVCs) und Metadaten (etcd) für Openshift- und Kubernetes-verwaltete Container.

Die Software speichert die primären Backup-Daten als unveränderliche Snapshots auf seinen Plattenspeicher-Repositories (vSnap). Sicherungskopien können auch auf WORM-unterstützte Medien wie IBM Cloud Object Storage (COS) oder Tape übertragen werden, um einen Air-Gapped-Schutz zu gewährleisten.

Als Pluspunkt zählt der Report ebenfalls, dass alle Spectrum-Protect-Plus-Komponenten sind in einer einzigen OVA-Datei zusammengefasst sind, die für die Bereitstellung der Backup-Software als virtuelle Appliance in VMware- und Hyper-V-Umgebungen verwendet werden kann. IBM Blueprints bieten vordefinierte Referenzarchitekturen und Größenrichtlinien, welche die Bereitstellung weiter vereinfachen.

Auf der Mängelliste

Negativ bewertet der Report allerdings, dass die Spectrum-Protect-Suite sich nicht in Azure-native Snapshot-APIs integrieren lässt. Die Sicherung von Google-Cloud-Platform-Umgebungen, DBaaS-Angeboten wie AWS RDS und Azure Managed SQL sowie SaaS-Workloads wie Microsoft Office 365 Sharepoint Online, Microsoft Teams, Google Workspace und Salesforce wird auch nicht unterstützt. Somit ist IBM von Drittanbietern abhängig, um die Backup-Anforderungen für Microsoft Sharepoint, Microsoft 365 Exchange Online, einige NoSQL-Datenbanken, Nutanix AHV VMs, OpenStack-Umgebungen, Hardware-Snapshot-Management und Bare-Metal-Recovery von Betriebssystemen zu erfüllen.

Allerdings ist die Spectrum-Protect-Suite in ihrer Fähigkeit, proaktive Problemerkennung durch KI und automatisiertes Incident-Management und -Reaktion zu bieten, marktführend.

Die Ratschläge der Analysten

Die Studienmacher halten ein paar Regeln parat, nach denen sich Kunden richten sollten, die in Backup-Produkte investieren wollen. Grundsätzlich sollten diese die Anforderungen an die Datensicherung im Rechenzentrum, in der öffentlichen Cloud und in Edge-Umgebungen erfüllen. Der Rat: „Bevorzugen Sie Lösungen, die ein einziges Fenster für die Verwaltung dieser verteilten Umgebungen bieten.“

  • Nach Darstellung des Reports sind Backup-Produkte zu wählen, die eine umfassende Lösung für die Erkennung von Ransomware und die Wiederherstellung nach Ransomware-Angriffen bieten.
  • Kunden sollten sich gründlich über den Grad der Ausfallsicherheit der primären Sicherungskopie sowie über die Notwendigkeit informieren, in zusätzliche Sicherungskopien zu investieren, um die Ausfallsicherheit zu gewährleisten.
  • Zudem sind Produkte zu bevorzugen, die sichere und granulare Wiederherstellungstests ermöglichen.
  • Wichtig ist, dass das Backup zu den Anforderungen im Unternehmen passt, etwa für lange Aufbewahrung. Zudem sollten Kunden sich informieren, wie hoch die Kosten tatsächlich sind, etwa beim Wechsel von unbefristeten Lizenzen zu abonnementbasierten Lizenzmodellen. Bei Subskriptionen sollten sie die Kostenfolgen von jährlichen Zahlungen im Vergleich zu Vorauszahlungen und die Auswirkungen einer Kündigung vor Ablauf der Laufzeit kennen.
  • Dazu müssen sich die Kunden wohl oder übel auch mit den langfristigen Kostenauswirkungen der verschiedenen Preismodelle auseinandersetzen, die von den Anbietern angeboten werden: VM-basiert, Socket-basiert, Node-basiert, Front-End-TB, Back-End-TB und Agent-basiert. Der Rat: „Investieren Sie in das richtige Modell, basierend auf der Anwendungs- und Infrastruktur-Roadmap des Unternehmens.“
  • Das Tiering ist wichtig. Laut Gartner sollten Kunden zu einem Anbieter tendieren, der das Tiering von Sicherungskopien in die öffentliche Cloud unterstützt, um Speicherkosten vor Ort zu sparen. Außerdem sind Produkte zu bevorzugen, welche die Wiederherstellung von Anwendungen aus Sicherungskopien in der Public Cloud unterstützen, um Test-/Entwicklungs- oder DR-Anwendungsfälle abzudecken.
  • Schließlich können Anbieter den Wert von Backup-Daten erhöhen, indem sie diese für die Einhaltung von Compliance-Anforderungen, die Unterstützung von Analysen, die Wiederverwendung von Backup-Daten für Tests/Entwicklung und die Bereitstellung von Zusatzfunktionen wie DR verfügbar machen.

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